Folgen von Newtown: Waffendebatte entzweit die USA
Die USA streiten wieder über schärfere Waffengesetze. Die Hälfte der Amerikaner ist dagegen, die andere dafür. Der Amoklauf von Newtown hat daran noch wenig geändert.
© Gabriel Bouys/AFP/Getty Images

Ein Vater mit seinem Sohn in einem US-Waffengeschäft im kalifornischen Glendale
Columbine, Blacksburg, Tucson, Aurora, Newtown: Verteilt über ganz Amerika haben diese Orte seit Freitag eins gemeinsam: Sie sind Schauplätze von Amokläufen – und Ausgangspunkt heftiger Debatten über die Waffengesetze der USA. Auch diesmal, so die pessimistische Einschätzung vieler Beobachter, werden daraus keine politischen Konsequenzen folgen.
Gegner und Befürworter strengerer Kontrollen und Regulierungen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Die öffentliche Meinung ist auch hier gespalten. Das spiegeln Umfragen der jüngsten Vergangenheit wider.
Da ist zum Beispiel eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Gallup aus dem Jahr 2010, bei der sich nur 44 Prozent der US-Bürger dafür ausgesprochen hatten, die Waffengesetze zu verschärfen. 54 Prozent waren dafür, sie unangetastet zu lassen oder sogar abzumildern.
Zwei Jahre später eine Umfrage des Pew-Institutes vom Juli 2012: Eine Woche, nachdem der 24-jährige James Eagan Holmes in einem Kino in Aurora zwölf Menschen erschossen hatte, verlangten 47 Prozent der Befragten strengere Gesetze, 46 Prozent sprachen sich für das Recht auf den Besitz von Schusswaffen aus.
Auch eine Erhebung des Nachrichtensenders CNN wenige Wochen später zeigte, wie gespalten die USA in dieser Frage sind. 50 Prozent sprachen sich gegen größere Einschränkungen des Waffenbesitzes aus. Dagegen forderten 48 Prozent eine stärkere Kontrolle. Die Statistiker merkten an: Die Werte hätten sich gegenüber Umfragen aus dem Jahr 2011 nicht verändert – allen Toten zum Trotz.
Vielleicht aber bringen nun die Ereignisse in Newtown die Wende. Die mächtige Waffenlobby, die vor allem von der National Rifle Association (NRA) organisiert wird, befürchtet dies, die Waffengegner hoffen darauf. Die Zahlen, die die Huffington Post am Sonntag veröffentlicht hat, dürften letztere ein wenig optimistischer stimmen.
Demnach ist die Hälfte der Amerikaner nun dafür, die Waffengesetze zu verschärfen – etwas mehr als noch im Sommer. Im Gegenzug sprechen sich 43 Prozent dafür aus, die Regeln so zu belassen, wie sie sind oder sie sogar weiter zu lockern. Laut der Umfrage, für die an den zwei Tagen nach dem Amoklauf in der Sandy Hook Grundschule 1.000 Menschen befragt wurden, sind 51 Prozent dafür, halbautomatische Waffen zu verbieten (33 Prozent sind dagegen).
Das Argument der Waffenlobby, nicht weniger, sondern mehr Waffen würden für mehr Sicherheit sorgen, verfängt nur bei 34 Prozent der Befragten. Dagegen sagten 46 Prozent, dass strengere Kontrollen höchstwahrscheinlich zu weniger Amokläufen führen werden.
Die Zahlen zeigen: Die Zustimmung für strengere Waffengesetze steigt. Angesichts der Ungeheuerlichkeit des Massakers – das jüngste der getöteten Kinder war gerade sechs Jahre alt geworden – kann von einem tiefgreifendem Umschwung in der öffentlichen Meinung aber keine Rede sein.
Für viele Amerikaner ist das Recht auf Waffen auch jetzt noch gleichbedeutend mit ihrer Freiheit schlechthin. Vor 220 Jahren wurde dieses Recht im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft. "Da eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden", heißt es dort und wird wohl auch dank eines Urteils des Supreme Courts von 2008 nicht so schnell geändert werden.








Die Frage, die man sich stellen muss, ist doch, wie lange kann es eine Gesellschaft aushalten, wenn es alle 2-3 Monate zu einem großen Massaker kommt, dem praktisch jeder in den banalsten und alltäglichsten Situationen urplötzlich zum Opfer fallen kann. Was geschieht, wenn sich - wovon leider auszugehen ist - dieser inflationäre Trend von Amokläufen weiter fortsetzt? Tritt dann eher eine Abstumpfung ein oder wird das Problem von der Öffentlichkeit irgendwann als so drängend empfunden, dass ernsthafte Konsequenzen gezogen werden? Ich weiß es nicht, aber beides ist denkbar.
Haeufig fehlt in den Artikeln und Kommentaren ueber die Waffengesetze in den USA der ursaechliche Grund der zum 2. Zusatzartikel der Verfassung fuehrte: Sebstverteidigung!
Nichts aber auch gar nichts rechtfertigt dem Gebrauch der Waffen durch Buerger zu Angriffszwecken. Und hier sind eben in der USA noch einige Luecken zu schliessen, aber dann bitte mit deutlichem Hinweis auf Selbstverantwortung bei Erwerb und Aufbewahrung als auch bei nicht gestattetem Missbrauch durch Fremde/Andere
Das Uebel wird immer bei der Menschheit sein, durch Gesetze sicher nicht auszurotten
Wenn man die Umfragen in den USA zum Thema Waffengesetze liest, dann kann man nur zu dm Schluss kommen: Die Amerikaner wollen es so, wie es derzeit ist. Und solange diese Nation nicht bereit ist, sich zu ändern, werden in regelmäßigen Abständen Amokläufe in Kauf genommen. Es tut mir so unglaublich leid um die Opfer und ihre Angehörigen - aber Einfluss nehmen können nun mal leider nur die Amerikaner selbst. Schwer zu ertragen!
Die Hälfte der Amerikaner ist dagegen,die Hälfte der Amerikaner dafür! Für die Regierenden wäre es natürlich besser, wenn so wenig wie möglich Amerikaner über Waffen verfügen würden, denn was könnte im Extremfall passieren wenn sich die Verhältnisse in den USA so verändern,daß die Waffenbesitzer ihren Unmut gegenüber der Regierung mittels Waffengewalt äussern? So ein Amoklauf befeuert natürlich die Gegner des liberalen US-amerikanischen Waffengesetzes.
Je mehr Waffen frei zugänglich sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein potenzieller Amok-Irrer an eine Waffe kommen kann. Natürlich wäre auch ein pauschales Waffenverbot für denjenigen kein Hindernis, der unbedingt eine Waffe haben will - aber sie ließe sich nicht so einfach beschaffen. Eine Waffe im Besitz einer psychisch und sozial stabilen Persönlichkeit ist meiner Meinung nicht gefährlicher als ein Auto. Bloß weiß man nicht, welche Entwicklung ein Mensch machen wird - aus mental stabil kann mitunter mental labil werden. Ich frage mich, wie die Meinungsverhältnisse im Frühjahr 2013 sein werden, wenn Newtown nicht mehr so medial präsent ist. Möglicherweise haben dann die Waffenbefürworter wieder die Mehrheit. Ich bin der Ansicht, dass die kulturelle Bedeutung, die privater Waffenbesitz in den USA inne hat, das Kernproblem darstellt. Das Umdenken muss bei den Menschen an sich anfangen. Der Ruf nach mehr Selbstbewaffnung, um sich beim nächsten Amoklauf besser verteidigen zu können indes ist für mich zynisch und absurd. Wenn dann noch ein paar Kinder im Friendly Fire weggeblasen werden, rechtfertigt man es sicherlich als 'Kollateralschaden', oder was?!
Wo bleibt eigentlich T. Hansen mit einem unpassendem Artikel zum Thema?
Ich weiß nicht, ob es wirklich ein "unpassender Artikel" wäre.
Bber einen Artikel von Mr Hansen zum Thema hätte ich eigentlich schon erwartet, zumal es ja täglich neue Artikel auf dieser Seite dazu gibt (was ich hiermit nicht kritisieren möchte). Seine Meinung hätte mich durchaus interessiert.
Ich weiß nicht, ob es wirklich ein "unpassender Artikel" wäre.
Bber einen Artikel von Mr Hansen zum Thema hätte ich eigentlich schon erwartet, zumal es ja täglich neue Artikel auf dieser Seite dazu gibt (was ich hiermit nicht kritisieren möchte). Seine Meinung hätte mich durchaus interessiert.
... entscheiden auch die Medien, was ein Thema wird und was nicht. Kleine traurige Randnotiz von heute: zehn Kinder sind in Afghanistan beim Holzsammeln von einer Landmine getroffen worden. Das zugrunde liegende Prinzip ist das Gleiche: Waffen werden in Umlauf gebracht, und Unschuldige fallen ihnen zum Opfer. Newtown lässt sich medial jedoch viel besser ausschlachten. Letztendlich frage ich mich, ob nicht auch der ganze Medienrummel dazu führt, dass wir es mittlerweile mit Serien von Amokläufen (nicht nur in den USA, man denke an Norwegen/Breivik) zu tun haben. Aus meiner Schulzeit - späte 60er/70er Jahre - ist mir nichts dergleichen bekannt. Vermutlich kam erst gar niemand auf so eine Idee. Waffen gab es da auch. Ich bin weiß Gott kein Verfechter von liberalen Waffengesetzen, aber die Gründe müssen auch woanders liegen.
Ich weiß nicht, ob es wirklich ein "unpassender Artikel" wäre.
Bber einen Artikel von Mr Hansen zum Thema hätte ich eigentlich schon erwartet, zumal es ja täglich neue Artikel auf dieser Seite dazu gibt (was ich hiermit nicht kritisieren möchte). Seine Meinung hätte mich durchaus interessiert.
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