WeihnachtsbotschaftPapst fordert Gerechtigkeit in Ägypten

Papst Benedikt XVI. hat die Menschen in Syrien, Nahost und Nordafrika dazu aufgerufen, für Frieden und Freiheit zu sorgen. Ausdrücklich wandte er sich an Ägypten. von afp, dpa und reuters

Benedikt XVI., Weihnachten

Papst Benedikt XVI. während der Seligsprechung zu Weihnachten im Vatikan.  |  © Vincenzo Pinto/AFP/Getty Images

Papst Benedikt XVI. hat am ersten Weihnachtsfeiertag ein Ende der Gewalt im Bürgerkriegsland Syrien und Mut zu neuen Verhandlungen im Nahen Osten gefordert. Die Bevölkerung Syriens sei zutiefst verletzt und geteilt durch einen Konflikt, der nicht einmal die Wehrlosen verschone und unschuldige Opfer hinwegraffe, sagte Benedikt. "Noch einmal rufe ich dazu auf, das Blutvergießen zu beenden, die Hilfeleistungen für die Flüchtlinge und Evakuierten zu erleichtern und auf dem Weg des Dialogs eine politische Lösung für den Konflikt zu verfolgen", sagte der 85-Jährige.

Die Menschen in den Umbruchstaaten im Norden Afrikas forderte er auf, gemeinsam Gesellschaftsformen aufzubauen, die auf Gerechtigkeit und Achtung der Freiheit und der Würde jedes Menschen gegründet seien. Dies gelte besonders für Ägypten , dieses geschätzte und durch die Kindheit Jesu gesegnete Land.

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Die neuen Führungspersönlichkeiten in China forderte der Papst zur Achtung der Religionsfreiheit auf und sagte: "Es ist mein Wunsch, dass der Beitrag der Religionen – in der Achtung einer jeden gegenüber – so zur Geltung gebracht werde, dass diese beim Aufbau einer solidarischen Gesellschaft mitwirken können."

Papst ruft zu Frieden im Nahen Osten auf

Zudem appellierte der Papst an die Konfliktparteien im Nahen Osten, den Mut zu finden, allzu vielen Jahren der Kämpfe und Spaltungen ein Ende zu setzen und mit Entschiedenheit den Verhandlungsweg einzuschlagen. Schon in der Christmette am Heiligen Abend hatte Benedikt für Frieden im Nahen Osten gebetet. "Beten wir in dieser Stunde für die Menschen, die heute dort leben und leiden", sagte er bei der traditionellen Feier im Petersdom. "Beten wir darum, dass Israelis und Palästinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten können." Benedikt rief zu einem Ende der Gewalt und einem friedlichen Miteinander von Christen und Muslimen in der ganzen Region auf.

Nach der Weihnachtsbotschaft erteilte der Papst den apostolischen Segen Urbi et Orbi , der Stadt und dem Erdkreis. Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz und Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt verlas er in 65 Sprachen Weihnachtsgrüße. Auf Deutsch sagte Benedikt: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"

Die Zeremonie auf dem Petersplatz ist für alle Gläubigen mit einem Sündenablass verbunden. Zehntausende versammelten sich auch diesmal auf dem weiten Areal vor der Basilika. Millionen verfolgen das Geschehen weltweit über Radio, Fernsehen oder Internet.

Papst beklagt Ich-Bezogenheit im Westen

Zugleich beklagte der Papst die Gottvergessenheit und Ich-Bezogenheit in westlichen Ländern. "Je schneller wir uns bewegen können, je zeitsparender unsere Geräte werden, desto weniger Zeit haben wir", sagte er. Das betreffe auch unser Denken und Fühlen. "Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden."

Der 85-Jährige fuhr wie im Vorjahr auf einer rollenden Plattform mit Haltestange im Mittelgang zum Altar. Dort zelebrierten mit ihm 30 Kardinäle die Messe, die in 60 Länder der Welt live im Internet übertragen wurde. Die Christmette war wie in den Vorjahren früher als sonst angesetzt, um dem 85 Jahre alten Pontifex mehr Ruhe vor der Weihnachtsbotschaft zu gönnen.

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Leserkommentare
  1. „Zugleich beklagte der Papst die Gottvergessenheit und Ich-Bezogenheit in westlichen Ländern. "Je schneller wir uns bewegen können, je zeitsparender unsere Geräte werden, desto weniger Zeit haben wir", sagte er. Das betreffe auch unser Denken und Fühlen. "Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden."

    Der Papst beklagt im Grund seine eigene Religion und deren Träger. Die sogenannte Gottvergessenheit und Ich-Bezogenheit ist im christlichen Denken angelegt und der kulturelle Taktgeber. Das päpstliche Amt und die kirchlichen Institutionen sind zutiefst ichbezogen und versperren grundsätzlich die Hinwendung zu einem göttlichen Glauben.

    3 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au

  2. Ui, da ist mir wohl eine wesentliche Neuerung unserer Gepflogenheiten entgangen. Eine 'Seeligsprechung' kenne ich zu Weihnachten garnicht.
    Könnte es sein, das Sie den vom Papst erteilten Segen Urbi et Orbi meinen? Falls nein, wer wurde denn heute überraschend selig gesprochen? Das würde mich brennend interessieren. ;)

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    • star
    • 25. Dezember 2012 15:49 Uhr

    Wenn Benedikt meint, dass es zu wenig „Raum für Gott“ auf Erden gibt, so muss Benedikt sich die Gegenfrage gefallen lassen, welchen Gott er denn meint.

    Sollte er den Gott im Diesseits meinen (wahrscheinlich denkt der Papst aber nur an den jenseitigen Gott), so kann ich sein Lamento nicht teilen!

    Ich erleben jeden Tag, wie Menschen sich in ihren konkreten Lebensverhältnissen um andere hilfsbedürftige Menschen kümmern; dass dieser Dienst noch steigerungsfähig ist, wer will das bezweifeln.

    Doch vielleicht wäre es ein guter Tipp für die Vertreter der Amtskirche, wenn diese nicht nur an Weihnachtnachten – medienwirksam vermarktet – sich auf den Weg in soziale Einrichtungen machen, sondern hilfreiche und wirksame Präsenz auch zu anderen Tagen zeigen würden. Zum Beispiel auch gegenüber wiederverheirat Geschiedenen und gegenüber Personen in konfessionsverbundenen Ehen hinsichtlich der Abendmahls. Oder auch z.B. gegenüber Personen im kirchlichen Dienst, deren Ehe gescheitert ist, aber gern ihren Beruf (auch in einer kath. Einrichtung) weiter ausüben möchten! Oder auch gegenüber Klerikern, deren Zölibatsversprechen gescheitert ist. Ich könnte die Liste beliebig erweitern.

    Teil 2 folgt

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    • star
    • 25. Dezember 2012 15:49 Uhr

    Für mich bedeutet Menschendienst Gottesdienst, und Gottesdienst ist für mich Menschendienst. Wenn die kath. Kirche und der Papst doch bereit wäre, den Satz von A. Camus beherzigen würde, stünde es gewiss wesentlich besser um die Zukunft der kath. Kirche:

    „Seine Grundsätze soll man für die wenigen Augenblicke im Leben aufsparen, in denen es auf Grundsätze ankommt. Für das meiste genügt ein wenig Barmherzigkeit.“

    Die Gleichsetzung von Gottesdienst und Menschendienst würde der Papst aufgrund seines anderen Gottesverständnisses gewiss nicht unterschreiben.

    Doch für mich ist das jesuanische Vorbild wichtiger als die Dogmen der gegenwärtigen Papstkirche bzw. die Aussagen früher Konzilien aus dem 4. bzw. 5. Jahrhundert (Trinität), die ohnehin heute kaum noch jemand verstehen bzw. nachvollziehen kann.

    Für mich wird das Verhalten der Kirche sich immer wieder an folgendem Grundsatz messen lassen müssen:

    „Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mt 10, 42-45)

    Paul Haverkamp, Lingen

  3. Es ist äußerst erfreulich, dass der Papst, kraft seiner ihm gegebenen Gewalt auf Erden, viele tausend Menschen als Gegenleistung für ihr Kommen und als Akt ganz besonderer Gnade von dem bestimmt sehr schmerzhaften Fegefeuer im Jenseits verschont hat.

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    • kshade
    • 25. Dezember 2012 18:48 Uhr

    Schon am 21. forderte dieser Mann daß Gläubige und Funktionäre aller Religionen (insbesondere wohl der anderen abrahamischen Varianten) geschlossen gegen die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften eintreten. "Die Familie", sagt er, würde durch "ein falsches Verständnis von Freiheit bedroht". Man können nicht zu "abstrakten Menschen" werden sonder müsse sich der "vorherbestimmten Dualität von Mann und Frau" beugen.

    Des weiteren zitierte er aus einer Studie eines Rabbiners in der unter anderem die Behauptung aufgestellt wird daß Kinder die von homosexuellen Paaren aufgezogen werden mehr Sache als Person sind.

    Am selben Tag lies er über Twitter diesen Ausriss aus seiner Rede verkünden: "Wenn du Gott leugnest, leugnest du die Würde des Menschen. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.". Egal ob mit oder ohne Kontext, dieses Zitat alleine lässt tief blicken. Ein widerwärtiges, gestörtes Menschenbild offenbart sich da.

    Frohe Weihnachten!

    Quellen (leider ist die Zeit nicht dabei):
    http://uk.reuters.com/art...
    http://www.vatican.va/hol...
    https://twitter.com/Ponti...

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  4. Dass die Kirche gegen Verbrechen wie in Syrien und anderswo geschehen nicht mehr viel mitzureden hat und oft nur zuschauen kann wie Verbrechen gegen Minderheiten begangen werden und wie sich Islamisten nach einer falschen lehre von Gott orientieren und dafür bejubelt werden. Dass wir immer die Bilder vom Nahen Osten sehen und von Gläubigen, die schlimmste Verbrechen gegen Minderheiten und andere in Namen Gottes begehen denke ich schreckt auch ab. Auch unsere säkulare Demokratie hat daher seinen Preis, wir entfernen uns immer weiter von Gott und hängen uns dann an den Fragen auf, was uns denn alles verboten wurde. Wir sollten zufrieden sein das uns nicht, wie den Muslimen der Mord an Andersgläubigen und den Mitbürger erlaubt wurde und es gewisse Verbote noch gibt. Wenn jeder sich nach einer kapputen Ehe, sei es durch einem Schicksalsschlag oder Streit scheiden würde und dabei seine Familie in Stich lässt was hätte das denn mit Gott zu tun?

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    Es ist schon ein starkes Stück Selbstüberheblichkeit, dass es offenbar Christen gibt, die glauben, Muslimen wäre nicht nur der Mord an Andersgläubigen, sondern auch an Mitbürgern erlaubt.

    Woraus leiten Sie eigentlich ab, dass der Gott, an den Sie glauben, der richtige ist und dass Ihre Moral die Alleinseligmachende ist?

    Mit der gleichen Überzeugung hat die Heilige Inquisition noch vor gar nicht so langer Zeit nicht nur Andersgläubige, sondern auch Mitbürger ermordet.

  5. Der Papst ruft in regelmäßgen Gleichmut zum Frieden in der Welt auf, anstatt selbst zum Frieden beizutragen. Er bleibt selbst wie die Kirche als Einrichtung dabei statisch und unbewegt, anstatt beweglich und entwicklungsfreudig in den Dialog zu treten und damit den Frieden zu fördern bzw. ermöglichen. Ich bekomme den Eindruck nicht los, dass der Papst die (krigerischen) Konflikte in der Welt nutzt für die eigene Propaganda. Und wenn man etwas nutzt, dann fördert man es auch in irgend einer Weise.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Jesus | Frieden | Gewalt | Internet | Konflikt | Messe
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