Bundeswehr : Zahl der rechtsextremistischen Vorfälle hat leicht zugenommen

In der Bundeswehr hat es 2012 mehr Fälle von Rechtsextremismus gegeben als im Jahr zuvor. Der Wehrbeauftragte sieht jedoch keinen Grund zur Beunruhigung.

Die Zahl rechtsextremistischer Vorkommnisse bei der Bundeswehr ist nach Jahren des Rückgangs in diesem Jahr wieder leicht gestiegen. Bis Mitte Dezember wurden 66 Vorfälle mit Verdacht auf einen rechtsextremistischen Hintergrund gemeldet.

Im gesamten Vorjahr waren es 63 – der niedrigste Stand seit Anfang der neunziger Jahre. Bis 2009 wurden Jahr für Jahr noch mehr als 100 entsprechende Vorfälle bei der Bundeswehr registriert.

Bei den Verdachtsfällen aus dem laufenden Jahr handelt es sich fast ausschließlich um Propaganda-Delikte wie das Hören rechter Musik, Zeigen des Hitlergrußes, "Sieg Heil"-Rufe oder Hakenkreuz-Schmierereien. 21 der Verdachtsfälle wurden bereits bestätigt, die anderen werden noch geprüft.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus sieht in den Zahlen keinen Grund zur Beunruhigung. "Die Bundeswehr geht nach meinem Eindruck angemessen mit dem Problem Rechtsextremismus um", sagte er. "Alle Phänomene, die es in der Gesamtgesellschaft gibt, bleiben auch der Bundeswehr nicht völlig erspart."

Wer eine rechtsextremistische Gesinnung hat, fliegt raus

Laut Königshaus lassen sich rechtsextremistische Umtriebe von Soldaten seit dem Aussetzen der Wehrpflicht besser unterbinden und sanktionieren. "Seit der Aussetzung der Wehrpflicht hat man die Chance, sich die Leute genauer anzusehen, die in die Truppe kommen", sagte er. "Wenn solche Fälle entdeckt werden, wird auch konsequent reagiert. Wenn sich herausstellt, dass jemand eine rechtsextremistische Gesinnung hat, dann fliegt der raus."

Die Zahl rechtsextremistischer Vorkommnisse wird in den Jahresberichten des Wehrbeauftragten veröffentlicht. In den neunziger Jahren war sie drastisch gestiegen – bis auf einen Höchststand von 320 Fällen im Jahr 1998.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Kirche im Dorf lassen

Die Bundeswehr muss, wie weithin bekannt, mit mehreren Risikofaktoren kämpfen, die sie vor allem für die Unterschicht interessant macht.

http://de.wikipedia.org/w...

Hinzu kommt erschwerend, dass die BW nunmal eine Armee ist. Sie schreckt also Pazifisten ab und lockt noch mehr überaus national gesinnte Leute sowie Waffennarren an, die bereit sind, für D zu sterben.
Als wäre das noch nicht genug, geht man vor allem in jungen Jahren zur Bundeswehr. Ich fasse also zusammen, welche Eigenschaften bei Soldaten häufiger sind als beim Rest der Bevölkerung:
Ungebildet, national-patriotisch, männlich, jung..

Genau die Stammwählerschaft von rechten Parteien. Dass die BW einiges im Bereich rechten Gedankengutes zu tun hat, darf niemand überraschen.

Trotzdem scheint die absolute Abnahme der Taten darauf hinzudeuten, dass die BW hier richtig vorgeht.
(Kommt auch auf Veränderung anderer Faktoren, wie rechtsextreme Taten im Verlauf dieser Zeit bundesweit, Truppenstärke etc. an)

Zahl der rechtsextremistischen Vorfälle hat leicht zugenommen I

das müsste doch genauer heißen:

Die Zahl der registrierten und gemeldeten Vorfälle...!

Es gibt bestimmt eine erhebliche Dunkelziffer.

Ein Zugführer, der rechtsextrem denkt, wird der solche Vorfälle melden oder überhaupt als solche wahrnehmen?

Dunkelziffer

Eine Dunkelziffer gibt es bei fast allem - vom Drogenmissbrauch bis zur Selbstbefriedigung. Das sollte kein Grund zu irgendeiner hyperventilierenden Besorgnis sein.
Anyway. "Arbeiten" und argumentieren muss man nun einmal mit den Zahlen, die man hat, bzw. den "bestätigten" Vorwürfen.
Und da kommt die Bundeswehr mit "66" Fällen bei fast 200.000 Soldaten prozentual vermutlich besser weg als die Schornsteinfegerinnung oder diejenige der Hufschmiede.
Bricht man nun einmal diese Zahl auf die als "rechtsradikal" bewerteten einzelnen Vorgänge herunter, relativiert sich das Ganze weiter.
Denn entscheidend ist, was man als "Propagandadelikt" einstuft. Ist "Rammstein" rechtsradikal? Waren es die "Böhsen Onkelz" bis zu ihrer demokratischen Läuterung nicht auch mal? Und v.a. ist das mit den "Onkelz" und ihrer demokratischen Unbedenklichkeitsbescheinigung schon bis zum letzten Vorgesetzten durchgedrungen?
Da ich die Bundeswehr (und den Reservistenverband), die in puncto "rechtsradikal" im Zweifelsfall eher vorauseilenden Gehorsam praktizieren und schon mal Rauch sehen, wo gar kein Feuer ist, recht gut kenne, mache ich mir wegen dieser "66 Fälle" keine allzu große Sorge - und auch nicht um eine ominöse "Dunkelziffer".