Ermittler dürfen bei Reihen-Gentests nicht Rückschlüsse auf Verwandte der Getesteten ziehen. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu sogenannten Beinahe-Treffern hervor.

Hintergrund ist der Fall einer Vergewaltigung im Jahr 2010 im niedersächsischen Ort Dörpen. Bei einem Speicheltest von mehr als 2.000 Männern konnten die Ermittler zwar keine komplette Übereinstimmung zu den am Tatort gesicherten DNA-Spuren finden. Bei zwei getesteten Männern entdeckten sie aber Beinahe-Treffer.

Das bedeutet: Ihre DNA war zwar nicht identisch mit der DNA vom Tatort, sie war ihr aber sehr ähnlich. Die Ermittler schlossen deshalb, dass die beiden Getesteten verwandt sein müssten mit dem Täter. So fanden sie den später verurteilten Vergewaltiger: Es war ein Jugendlicher, der als Minderjähriger nicht zum Massentest geladen worden war.

Dieser Verwandtschafts-Abgleich bei dem Test war unzulässig, entschied nun der Bundesgerichtshof. Das Gesetz erlaube allein den Abgleich der DNA-Proben mit der beim Opfer gefundenen DNA.

Der wegen Vergewaltigung verurteilte Mann fällt aber nicht unter die Regelung. Seine Jugendstrafe von fünf Jahren hat Bestand. Die Begründung: Die Ermittler konnten nicht davon ausgehen, dass der Abgleich mit Beinahe-Treffern nicht zulässig ist. Deshalb durften sie dieses Beweismittel verwerten.