Reporter ohne GrenzenMehr als 130 Journalisten kamen im Einsatz ums Leben

88 tote Journalisten, 47 tote Blogger: Nie zuvor sind so viele Berichterstatter getötet worden wie im ablaufenden Jahr. In Syrien und Somalia ist es am gefährlichsten. von dpa und reuters

Ein türkischer Journalist trägt die Porträts der in Syrien getöteten US-Reporterin Marie Colvin (rechts) und des französischen Fotografen Remi Ochlik (links) während einer Demonstration.

Ein türkischer Journalist trägt die Porträts der in Syrien getöteten US-Reporterin Marie Colvin (rechts) und des französischen Fotografen Remi Ochlik (links) während einer Demonstration.  |  © Umit Bektas/Reuters

In diesem Jahr sind nach Angaben von Reportern ohne Grenzen weltweit 88 Journalisten und 47 Blogger bei ihrer Arbeit getötet worden – mehr als je zuvor. "Zu den enorm hohen Opferzahlen haben vor allem der Syrien-Konflikt, die Gewalt der Taliban in Pakistan und der Bürgerkrieg in Somalia beigetragen", sagte Vorstandssprecher Michael Rediske.

Aus der Jahresbilanz 2012 der Organisation geht hervor, dass die Bürgerkriegsländer Syrien und Somalia sowie Pakistan in diesem Jahr zu den gefährlichsten Orten für Journalisten zählen. Auf gleicher Stufe stünden Mexiko und Brasilien , wo Drogenkartelle und Banden die Sicherheit gefährdeten.

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Die anhaltende Gewalt in den Ländern erkläre auch die hohe Zahl von 73 Journalisten, die in diesem Jahr aus ihrer Heimat geflohen sind. Die meisten Flüchtlinge kamen demnach aus Syrien und nicht mehr wie im Vorjahr aus dem Iran .

Die meisten inhaftierten Journalisten sitzen in der Türkei

Dem Bericht zufolge ist die Zahl der Festnahmen und Entführungen in diesem Jahr insgesamt leicht zurückgegangen – mit Ausnahme von Asien und Nord- und Südamerika . Oft würden Reporter in aller Öffentlichkeit verhaftet, etwa bei Kundgebungen oder Demonstrationen.

Die meisten inhaftierten Journalisten und Blogger zählte Reporter ohne Grenzen in diesem Jahr in der Türkei , wo seit der Verschärfung des Kurdenkonflikts fast doppelt so viele Journalisten verhaftet wurden. Mindestens 42 Journalisten und vier Medienmitarbeiter befänden sich dort im Gefängnis. Es sind die höchsten Zahlen seit Ende des Militärregimes im Jahr 1983.

In China sitzen derzeit 30 Journalisten und mindestens 69 Blogger in Haft. Die meisten von ihnen würden beschuldigt, zum Umsturz aufgerufen oder Staatsgeheimnisse verraten zu haben. Im Iran gibt es dem Bericht zufolge 26 inhaftierte Journalisten und 17 inhaftierte Blogger, in Syrien sitzen mindestens 21 Journalisten und 18 Blogger im Gefängnis.

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Leserkommentare
  1. gezielt Reporter und Pressemitarbeiter getötet wie zum Beispie Maya Nasserl vom populären iranischen Presseportal PressTV.ir oder die ukrainische Reporterin Anchar Kotschnewa, die von den Rebellen als geisel gehalten wird um Lösegeld zu erpressen im Austaus ihres Lebens. Die selbst ernannten "Freunde Syriens" , darunter Deutschland, unterstützen diese Terroristen mit hinderten von Millionen. Allen voran der "liberale" Westerwelle.

    • zfat90
    • 19. Dezember 2012 11:04 Uhr

    ... dass die zwei "bösesten" Länder der Welt, über die fast nur schlimmste Dinge berichtet werden, ganz vorne in der Statistik stehen. Ich bin enttäuscht, sie werden nicht mal erwähnt.

    Oder sind die Zwei doch nicht so böse? Sind sie vielleicht doch Demokratien?

    Die toten Berichtserstatter tun mir leicht, ich wünsche den Verfolgten viel Glück. Für die anderen, dass sie, bevor sie über diese zwei Länder berichten, nachdenken.

  2. ""Zu den enorm hohen Opferzahlen haben vor allem der Syrien-Konflikt, die Gewalt der Taliban in Pakistan und der Bürgerkrieg in Somalia beigetragen", sagte Vorstandssprecher Michael Rediske."

    Die als "legitime Vertretung Syriens hat einen wesentlichen Beitrag geleistet.

    Meldung im August
    "Armed terrorists kill Syrian State TV journalist"
    "And three months ago, Syrian TV host Mohammed al-Saeed was captured and executed by rebels. The Al-Nusra Front, a little-known Islamist militant group, claimed responsibility for the killing.

    In June, seven journalists and workers at the headquarters of Syria’s al-Ikhbaryia satellite TV station, around 20 kilometers south of Damascus, were killed by an armed group. The attackers planted explosives in the building, destroying the station’s studios and the newsroom.

    French photographer Remy Ochlik and veteran American war journalist Marie Colvin were killed in the Syrian city of Homs in February."

    Von den letzteren wurde berichtet, von den anderen nicht.

    Warum????

    "Syria is considered to be the deadliest country on the planet for journalists – the 2012 death toll of media workers in Syria stands at 52, almost the half the total number of journalists murdered around the world, AFP reported."
    http://worldmathaba.net/items/2032-armed-terrorists-kill-syrian-state-tv...

    Die Mehrzahl wurde von "unseren Freunden" getötet.

  3. Kein Journalist wurde gezwungen in ein Kriegsgebiet zu reisen und zu berichten.

    Hintergrund dürften eher üppige Honoprare und Abenteuerlust sein.

    Die möglichen Konsequenzen waren klar.

    Gerade heutzutage ist durch die weltweite Vernetzung und die mobile Technik diese Tätigkeit ansich völlig unnötig.

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    • Afa81
    • 19. Dezember 2012 11:59 Uhr

    "Gerade heutzutage ist durch die weltweite Vernetzung und die mobile Technik diese Tätigkeit ansich völlig unnötig."

    Das sehe ich ganz anders...

    Auch wenn man im Internet tausende und abertausende Seiten und Artikel zu jedem Thema findet, so stützen sich die meisten Autoren auf Quellen.
    In Zeiten von Truthern und Verschwörungstheorien bin ich froh, wenn noch seriöse Journalisten mit geprüften Quellen und angestellten Gegenrecherchen arbeiten. Ob dieser Verfahrenskodex eingehalten wird weiß ich nicht und es gab ja auch von Journalistenseite schon Fehler (Lager in Kosovo) - dennoch brauchen wir gerade heute, wo jeder seinen Mist in Netz verbreiten kann seriöse Journalisten.
    Am Ende muss ohnehin jeder selbst entscheiden, wem er traut. Ich persönlich glaube einer Zeitung, die mit ihrem Namen für die Seriosität der Inhalte steht eher, als jemandem, der mit Meinungsmache eventuelle Interessen vertritt. Ein Journalist kann seinen Job oder Ruf runinieren, wenn er Lügen verbreitet - ein Blogger ist meist anonym.

    Die Wirklichkeit darf nicht Spielball des Kalküls von parteiischen Bloggern, die genauso ihre Interessen verfolgen, werden. Und ein Handyvideo/foto führt nicht selten mehr hinters Licht, als dass es die Wahrheit beleuchtet.

    Journalisten sind notwendiger denn je. Oder reicht Ihnen als Quelle über Syrien die berühmte 1-Mann-Menschenrechts-Beobachtungsstelle in London etwa aus? Journalisten überprüfen ihre Quellen. Während x Medien Angaben von Aktivisten ungeprüft übernehmen und damit wenig wahrheitshaltige Darstellungen verbreiten.

    Ich finde es eine ziemliche Frechheit, Kriegsberichterstattern Geldgier und Abenteuerlust zu unterstellen. Die sind unter Gefahr für ihr Leben unsere Augen und Ohren und damit meine ich jetzt nicht diejenigen, die in den Fernsehnachrichten allenfalls vom Dach ihres Hotels berichten.

    ....................................

    Zu Journalisten im Gefängnis in der Türkei: das hat keineswegs nur mit der 'Verschärfung des Kurdenkonflikts' zu tun, sondern auch mit Verfolgung regierungskritischer Journalisten unter dem Vorwand Ergenekon - oft mit extrem dünnen Beweisen und ewiger U-Haft. Meines Wissens begann im September der Mammut-Prozess auch gegen 44 Journalisten und ich würde mich sehr über Berichterstattung darüber freuen. http://oe1.orf.at/artikel/325713 http://www.turkishpress.de/news/13122012/tuerkei-ergenekon-prozess-kommt... http://wissen.dradio.de/tuerkei-halb-journalist-halb-terrorist.36.de.htm...

    '100 Journalisten sitzen zurzeit in türkischen Gefängnissen. Die Mehrzahl davon arbeitet für regierungskritische oder pro-kurdische Medien.'

    Lieber I. Braun,

    richtig, kein Journalist wird gezwungen aus einem krieg über jenen zu berichten. Das ist auch gut so! Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen aber versichern, üppige Honorare sind es sicher nicht, die Journalisten zum Kriegberichterstatter machen.

    Aber warum unsere Recherchearbeit durch internetfähige Telefone und Facebook ersetzbar wird, müssten sie schon näher erklären.

    Wollen Sie Ihr Informationsbedüfnis (und das Recht darauf) ausschließlich von zu recht anonym bleibenden Bloggern, geschönten CIA-Pressemeldungen, Mobiltelefon-Aktivisten oder zwielichtigen Gestalten befriedigen lassen? Gerne, so frei dürfen Sie sein. Aber erwarten Sie dann nicht in öffentlichen Debatten ernstgenommen zu werden. Denn, Sie würden erstaunlich uninformiert dastehen.

    Es gibt sicher viel an Kriegsberichterstattung zu kritisieren. Und eine Debatte darüber sollte permanent geführt werden. Aber nach dem Motto vorzugehen, die toten Kollegen hätten quasi selbst schuld, sie müssten es ja nicht machen, ist schäbig. Erzählen Sie das mal den 33 (!) Kollegen, die letztes Jahr einen Politiker auf den Philippinen bei einer Wahlkampagne begleiteten und dafür gleich an Ort und Stelle per Kopfschuß exekutiert wurden!

    Schönen Tag noch!

    Journalisten reisen in diese Länder, weil sie uns Informationen vermitteln wollen über den realen Zustand dort, über die Konditionen der Menschen und der Gesamtsituation. Weil sie an die Berichterstattung glauben, die unabhängig von Parteien oder Glauben ist, und die Essenz guten Journalismus'. Natürlich hat keiner sie gezwungen, sie gehen aber vor allem nicht aus Abenteuerlust dorthin. Solche Kommentare sind eine bodenlose Frechheit. Es ist das Gefühl, dass mit der Arbeit, die sie unter ständiger Lebensgefahr machen, sie den Menschen in Ländern ohne Krieg ein Vorstellung davon machen können, warum es keinen mehr geben soll. Natürlich gibt es auch Menschen AUS den betroffenen Ländern die in ihrem Land aufstehen und berichten, dafür getötet werden. Aber alle sind Journalisten, die jeden Tag dort aufs Ganze gehen, um Werte zu verteidigen die im Krieg verloren gehen, um die Konsequenzen von Konflikten aufzuzeigen. Ihre Einstellung ist mehr als bedenklich, persönlich finde ich sie bedauerlich.

  4. werden aber auch in Deutschland mundtod gemacht. Eine subtile Methode halt des "zum Schweigen" bringens. Günter Grass wird somit mehrfach als Antisemit beschimft, die Standardkeule zur gesellschaftlichen Disqualifikaton und Verstummung.

    Antwort auf "Wie bitte?"
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    sondern hat jüngst ein Buch http://de.wikipedia.org/wiki/Eintagsfliegen_(Gedichtband) veröffentlicht und wurde soeben in Dänemark als 'Europäer des Jahres 2012' geehrt http://www.focus.de/kultur/buecher/literatur-guenter-grass-als-europaeer....

    Die Verletzung jedes journalistischen Ethos durch u.a. Josef Joffes Schmähkritik http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-04/guenter-grass-gedicht-israel/... http://www.zeit.de/2012/16/P-Zeitgeist-16 fand ich allerdings auch empörend und habe dagegen (leider erfolglos) Beschwerde beim Presserat eingelegt.

    Dennoch: in Deutschland wird kein Publizist mundtot gemacht, Deutschland liegt seit Jahren auf einem der ersten 20 Plätze im Ranking der RoG, hier deren 'Nahaufnahme' 2011 http://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/pdf/Rangliste_2011/Ranglis... Es sei denn, derjenige ist um seine Reputation besorgter als ihm seine Inhalte wichtig sind.

    In Deutschland ist die Freiheit der Presse eher dadurch bedroht, daß Zeitungen in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind und daß Pressefreiheit kein großer Wert beigemessen wird, da die Presse hier weitgehend frei arbeiten kann. Was m.M.n. zu oft dazu führt, daß über eingeschränkte Pressefreiheit andernorts gar nicht berichtet wird und man es auch unter Journalisten an Solidarität mit verfolgten Kollegen vermissen läßt.

    Wie frei die Presse ist, läßt IMMER Schlüsse auf die sonstige Situation der Menschenrechte zu.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Blogger | Demonstration | Drogenkartell | Entführung | Flüchtling | Gefängnis
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