DauerfrostIn Russland sind mehr als 120 Menschen erfroren

Im schlimmsten Dezember-Frost seit 50 Jahren sind in Russland Dutzende Menschen wegen der Kälte gestorben. Es fehlt an Notunterkünften für Obdachlose. von afp und dpa

Arbeiter in Moskau verlegen bei schwerem Frost ein Stromkabel.

Arbeiter in Moskau verlegen bei schwerem Frost ein Stromkabel.  |  ©Maxim Shemetov/Reuters

Die offizielle Zahl der Todesopfer durch die Kältewelle in Russland ist auf 123 gestiegen. Die Todesfälle seien auf Unterkühlung und Erfrierung zurückzuführen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Mediziner. 833 Menschen seien ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Am Sonntag erfroren sieben Menschen, darunter ein Kind. Experten gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Kritiker bemängeln, dass vor allem für Obdachlose kaum Notunterkünfte bereitstehen.

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Meteorologen sprechen vom schlimmsten Dezemberfrost seit 50 Jahren. Die Region um die Hauptstadt Moskau erlebte am Montag die bislang kälteste Nacht des Winters. Besonders eisig war es mit minus 32 Grad im Dorf Tscherusti im Osten des Moskauer Gebiets. In Russland herrscht seit Mitte Dezember eine gefährliche Eiseskälte; im Osten Sibiriens wurden bereits minus 60 Grad gemessen.

Heizkraftwerk in Sibirien ausgefallen

Das Zivilschutzministerium schickte ein Flugzeug mit 60 Öfen in die südsibirische Teilrepublik Tuwa. In der Region an der Grenze zur Mongolei fiel wegen der seit Tagen anhaltenden Frösten zum wiederholten Male ein Heizkraftwerk aus. In dem Dorf Chowu-Aksy waren daraufhin 1.000 Menschen ohne Strom; 300 Einwohner kamen in Notquartieren unter.

Eltern dürfen derzeit selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Grundschule schicken. Fehlzeiten würden nicht als Schwänzen gewertet, teilte die Schulbehörde mit. Wie die Zeitung Russia Today berichtet, seien aber viele Schulen geschlossen. Außerdem seien zahlreiche Flüge und Busverbindungen abgesagt worden.

Das Winterwetter hat auch Folgen für die russische Landwirtschaft. In fünf Regionen sei bis zu einem Drittel der Wintergetreide-Aussaat verloren, sagte Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch. Landesweit lägen die Verluste aber mit 8 bis 9 Prozent im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Bei der vorherigen Kältewelle in Europa im vergangenen Januar hatte Russland nach offiziellen Angaben 64 Tote wegen Erfrierung zu beklagen.
 

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sc
  • Schlagworte Dorf | Flugzeug | Grundschule | Hauptstadt | Krankenhaus | Landwirtschaft
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