AnschlagsgefahrMehrheit der Deutschen will stärkere Videoüberwachung

Nach dem versuchten Anschlag in Bonn ist ein Großteil der Deutschen dafür, öffentliche Plätze stärker mit Videokameras zu überwachen: 80 Prozent wollen mehr Kontrolle. von dpa

In der Diskussion um mehr Videoüberwachung im öffentlichen Raum sind sich die Bürger einiger als viele Politiker: Eine große Mehrheit der Deutschen befürwortet eine stärkere Videoüberwachung an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen, wie eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des ARD Morgenmagazins zeigt. Demnach sprachen sich 81 Prozent der Befragten für eine Ausweitung der Überwachung aus. 18 Prozent waren dagegen.

Hintergrund der Diskussion ist der versuchte Anschlag auf dem Bonner Hauptbahnhof . Dort war in der vergangenen Woche eine Tasche mit einem Sprengsatz gefunden worden. Die Bundesanwaltschaft geht von einem islamistischen Anschlag aus. Die Täter waren zwar im Bahnhof gefilmt worden, die Bilder wurden aber nicht aufgezeichnet. Die einzigen brauchbaren Daten stammten von der Überwachungskamera eines Schnellrestaurants . Nach dem Vorfall hat eine neue Debatte über Videoüberwachungen im öffentlichen Raum begonnen: Unionspolitiker und Polizeivertreter sprachen sich für mehr Videoüberwachung aus, SPD , Grüne und Linke sind dagegen.

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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte , die Videobeobachtung auszubauen, ebenso sein niedersächsischer Kollege Uwe Schünemann ( CDU ). Mit einer besseren Technik ließen sich "Gewalttäter abschrecken und geplante Anschläge aufklären", sagte Friedrich. Der CSU-Politiker verlangte, "die erforderliche Modernisierung der Videotechnik schnell voranzutreiben". Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ( FDP ) zeigte sich dagegen zurückhaltend . Videoüberwachung werde eingesetzt, sei aber kein Allheilmittel und könne solide Polizeiarbeit nicht ersetzen.

Die Videoüberwachung des öffentlichen Raums ist im Bundesdatenschutzgesetz und in den Polizeigesetzen der Länder und des Bundes geregelt. Ihre oft mangelhafte Anwendung ist ein bekanntes Problem. Auch die Reaktionen auf Vorfälle wie in Bonn sind nicht neu: Ähnliche Diskussionen wurden auch nach den Bombenfunden von Dortmund und Koblenz im Jahr 2006 geführt, ebenso zwei Jahre zuvor nach dem gescheiterten Anschlag auf den Dresdner Hauptbahnhof. Auch dort gab es Kameras, aber keine Videoaufzeichnung.

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Leserkommentare
    • S0T86
    • 21. Dezember 2012 13:44 Uhr

    Nennen Sie mir vorerst eine Aktivität die durch Kameras präventiv vermieden werden kann. Mir fällt keine ein.

    Es wird sich sicherlich niemand öffentlich hinstellen und eine Bombe bauen und den Leuten in irgendeiner Weise Zeit lassen einzugreifen. Terroristen werden ihre Aktivitäten anpassen.

    Das Einzige was sich ändert, ist, dass der deutsche Bürger einer weiteren Datensammelwut unterworfen und seine eigene Freiheit weiter reduziert wird. Ohne Privatsphäre keine menschliche Freiheit.

    Die Sicherheitslobby scheint offenkundig erfolgreich die Ängste des kleinen Mannes zu bedienen. Angst funktioniert immer. Das einzige Gegenmittel ist Aufklärung und rationale Argumentation.

    Bevor die Installation von Kameras unterstützt, sollte man also erst mal gute Argumente liefern - statt ein defätistisches "Warum nicht?" hinauszuposaunen. In Großbritannien funktioniet die Kameraüberwachung übrigens nicht.

    Aber Leute wie sie darf es ja beruhigen, dass in Brüssel bereits über einen Drohneneinsatz in öffentlichen Raum nachgedacht wird.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Warum nicht?"
    • GDH
    • 21. Dezember 2012 13:45 Uhr

    Zunächst mal können wir garnicht abschätzen, was sich bald durch Zusammenführen all der Kameradaten über ein Person herausfinden lässt. Schließlich entwickelt sich auch die Technik weiter, mit der in gigantischen Datensbeständen recherchiert werden kann. Bei entsprechendem Zugriff und funktionierender Gesichtserkennung könnte man halt nicht nur die Frage "wer war um xx Uhr am Bahnhof y auf Bahnsteig z" sondern auch "wo war Person A im Zeitraum B" oder sogar "Wann im letzten Jahr und wo waren die Personen A und B am gleichen Ort" usw.

    Das ist dann schon anders als wenn man im öffentlichen Raum zwar von vielen Leuten gesehen wird aber halt nicht in einer Form, die sich zu einem Gesamtbild zusammensetzen kann.

    Zu dem "Gewalttäter abschrecken und geplante Anschläge aufklären" (Zitat von Herrn Friedrich aus dem Artikel):
    Der oder die Bonner Täter haben ihre dilletantische Bombo wohl nicht dort platzier, bloß weil sie wussten, dass die Kamaras nicht aufzeichnen. Wie man "geplante" Anschläge (also welche, die noch nicht versucht wurden) mit Videoüberwachung aufklären will, muss Herr Friedrich auch erstmal erklären.

    Die Gefahr, dass mit statistischen Methoden nach Leuten gesucht wird, die womöglich in Zukunft Straftaten begehen, erscheint mir zu groß. In so einer Versuchung darf man die Innenpolitiker unserer Zeit auf keinen Fall bringen!

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Warum nicht?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Profile sind nicht nur nützlich, um uns gezielt zum Kauf von mehr nutzlosem Kram zu verleiten, sondern auch um uns effizienter zu verwalten und zukünftiges Verhalten zu prognostizieren. Und um Menschen unter präventive Überwachung zu stellen, deren Profil sich bedenklich dem von Straftätern nähert. Dabei geht es nicht um hundertprozentige Präzision der Vorhersage. Wahrscheinlichkeiten, Neigungen, Tendenzen, Zugehörigkeit zu Kohorten sind die volkommen ausreichend um einen Trend oder eine Neigung erkennen zu können.
    Das ist doch hervorragend. Die technischen Mittel dazu existieren bereits, man braucht die Daten nur noch zu konsolidieren und in eine zentrale Datenbank zu überführen.
    Ändert man dann noch die gesetzliche Unschuldsvermutung zur Beweislastumkehr werden die Maßnahmen erst richtig effektiv: Man leitet eine vermutlich feindliche Gesinnung oder eine potenziell gefährliche Neigung statistisch ab und der Bürger muss seine Unschuld beweisen.

    • GDH
    • 21. Dezember 2012 13:50 Uhr

    "Und während wir uns vor Kameras fürchten [...] liefern wir die Informationen zu unserer Überwachung doch lieber freiwillig ab. Am Geldautomaten, über das GPS im Smartphone, über unsere Aktivitäten im Internet (Facebook& Co.) und zur Not installieren wir sogar selber Webcams, die uns ständig im Blick haben."

    Naja, viele Menschen tun das von Ihnen beschriebene nicht. Dass ein Geldautomat erfasst, wer wann etwas abgehoben hat, ist leider zur Durchführung von Bankgeschäften derzeit notwendig. GPS im Telefon (und dann noch Aps, die die Daten weiterleiten) ist eher eine Bequemlichkeitssache. Facebook auch. Eine Webcam (oder schlimmer noch ein Mikrofon) gehört außer während der Verwendung immer physisch vom Internet getrennt. Das halten viele Leute auch so.

    Dass man bei manchen Tätigkeiten halt prinzipiell (oder weil man sich halt bewusst einem bestimmten Geschäftsmodell unterwirft) unter Beobachtung steht, ist kein guter Grund, auch andere Tätigkeiten unter Beobachtung zu stellen.

    2 Leserempfehlungen
  1. Das ergab eine Umfrage unter... meiner Mutter.

    Bitte auch hierzu einen Artikel, liebe Zeit. Ist schließlich sogar ne repräsentative Umfrage als Grundlage vorhanden.

    Zu Nr. 7:
    Da wurden um die 1000 Leute gefragt, die Umfrage ist sowieso ein Witz. Ihre wilden Zahlenspielchen sind da überflüssig. Der Verweis auf Bonn in der Fragestellung schwächt die Aussagekraft der Statistik ebenfalls, da stimme ich voll zu.

    Und zu Nr. 8:
    Wie schon ein anderer Forist kommentierte: "Wehret den Anfängen!"

    Viel sinnvoller als weitere Kameras wären Videorekorder für die an wirklich sinnvollen Stellen installierten Geräte. Zur Zeit laufen doch zig Kameras bloss auf Monitoren. Da soll dann ein Mensch 50 Kameras gleichzeitig im Blick haben. Völlig unrealistisch, dass dabei etwas Sinnvolles rauskommt.
    Die Kameras ohne Rekorder machen nur Sinn, wenn man sie irgendwann mit Gesichtserkennungsprogrammen oder anderer Analysesoftware kombiniert und dann befinden wir uns mitten in Orwells Romanwelt.

    2 Leserempfehlungen
  2. wenn das so stimmen kann, wundert es nicht, dass die Merkel diese Beliebtheit hat. Die Menge der Deutschen denkt und handelt halt populär. Selbst kurz vor dem Abgrund wird sich da nichts ändern.
    Andererseits darf man auch bei dieser Umfrage die Frage aufwerfen, wie viel hiervon manipuliert ist!

  3. Die Profile sind nicht nur nützlich, um uns gezielt zum Kauf von mehr nutzlosem Kram zu verleiten, sondern auch um uns effizienter zu verwalten und zukünftiges Verhalten zu prognostizieren. Und um Menschen unter präventive Überwachung zu stellen, deren Profil sich bedenklich dem von Straftätern nähert. Dabei geht es nicht um hundertprozentige Präzision der Vorhersage. Wahrscheinlichkeiten, Neigungen, Tendenzen, Zugehörigkeit zu Kohorten sind die volkommen ausreichend um einen Trend oder eine Neigung erkennen zu können.
    Das ist doch hervorragend. Die technischen Mittel dazu existieren bereits, man braucht die Daten nur noch zu konsolidieren und in eine zentrale Datenbank zu überführen.
    Ändert man dann noch die gesetzliche Unschuldsvermutung zur Beweislastumkehr werden die Maßnahmen erst richtig effektiv: Man leitet eine vermutlich feindliche Gesinnung oder eine potenziell gefährliche Neigung statistisch ab und der Bürger muss seine Unschuld beweisen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Zwei Gründe"
  4. Warum nicht?

    Ach wissen sie, so ein paar Kameras mehr machen das Kraut doch nun auch nicht mehr fett. Und an öffentlichen Plätzen sehen mich doch sowieso schon tausend Leute. Und natürlich müssen Politiker bei jeder Bombenatrappe (aus hochexplosiven Baumarktteilen), die auf irgendwelchen rheinischen Provinzbahnhöfen aus dem Müll gefischt wird, reflex- ARTIG nach meht Überwachung schreien. Das bringt uns Sicherheit, mit Sicherheit!

    Antwort auf "Warum nicht?"
  5. Warum nicht?

    Ach wissen sie, so ein paar Kameras mehr machen das Kraut doch nun auch nicht mehr fett. Und an öffentlichen Plätzen sehen mich doch sowieso schon tausend Leute. Und natürlich müssen Politiker bei jeder Bombenatrappe (aus hochexplosiven Baumarktteilen), die auf irgendwelchen rheinischen Provinzbahnhöfen aus dem Müll gefischt wird, reflex- ARTIG nach meht Überwachung schreien. Das bringt uns Sicherheit, mit Sicherheit!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte ARD | CDU | CSU | FDP | Grüne | SPD
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