Amoklauf von NewtownUS-Waffenrechtsanwälte fordern Abschiebung von CNN-Moderator

Tausende Anwälte verlangen in einer Petition die Ausweisung eines britischen Journalisten. Der hatte in einer TV-Debatte einen US-Waffenlobbyisten angegriffen.

Der britische CNN-Moderator Piers Morgan während einer Sendung

Der britische CNN-Moderator Piers Morgan während einer Sendung

Tausende Waffenrechtsanwälte haben nach einer TV-Debatte über den Amoklauf von Newtown eine Petition gegen den britischen CNN-Moderator Piers Morgan unterschrieben. Sie fordern darin die Abschiebung des Journalisten aus den USA.

Bis zum späten Sonntagabend erhielt die Forderung etwa 28.500 Unterstützer. Damit sich die Regierung damit befasst, sind 25.000 nötig.

Anzeige

In einem Interview hatte Morgan am vergangenen Dienstag den US-Waffenlobbyisten Larry Pratt einen "unvorstellbar dummen Mann" genannt, als dieser als Reaktion auf die Ereignisse von Newtown mehr statt weniger Waffen forderte. "Sie haben überhaupt kein schlüssiges Argument, Sie scheren sich einen Dreck um die Zahl der Waffenmorde in Amerika", sagte er zu Pratt.

Die Unterzeichner der Petition sehen darin eine Verletzung des zweiten Zusatzartikels der US-Verfassung. Dieser sichert nach Ansicht von Befürwortern des freien Tragens von Waffen den US-Bürgern dieses Recht zu, was von Gegnern angezweifelt wird. Morgan ist der Ansicht, dass die USA bestimmte Hochleistungswaffen wie halbautomatische Gewehre verbieten könnten.

Waffenlobby kritisiert mögliche Waffenverschärfung

Die US-Waffenlobby mobilisiert derweil weiter gegen die Pläne der Regierung, die Waffengesetze zu verschärfen. Nicht die Waffen seien das Problem, sondern die Schützen, argumentierte der Präsident der National Rifle Association (NRA), David Keene, im Sender CBS. Dabei zielte er auch auf Menschen mit psychischen Problemen. "Ich sage nicht, dass jeder in psychischer Behandlung ein potenzieller Killer ist. Ich sage nicht, dass jeder, der Videos guckt, ein potenzieller Killer ist. Das stimmt nicht. Aber genauso wenig stimmt, dass jeder, der eine Waffe besitzt, ein potenzieller Killer ist."

Der Vizepräsident der Waffenlobby, Wayne LaPierre, kritisierte die von Obama zur Waffengewalt eingesetzte Taskforce unter Leitung von US-Vizepräsident Joe Biden. "Wenn das eine Kommission ist, die nur aus einem Haufen Leuten zusammengesetzt wird, die schon in den letzten 20 Jahren versucht haben, den zweiten Zusatzartikel (zur Verfassung) zu zerstören, bin ich nicht daran interessiert, in dieser Kommission zu sitzen", sagte er.

Auch ein Verkaufsverbot der Sturmgewehre und Schnellfeuerwaffen mit großen Magazinen an Privatpersonen lehnt die NRA ab. "Es wird nicht helfen. Es hat nicht geholfen", sagte LaPierre mit Hinweis auf ein bereits zwischen 1994 und 2004 bestehendes Verbot, das unter US-Präsident George W. Bush ausgelaufen und nicht verlängert worden war. "Ich halte das für ein falsches Stück Gesetzgebung, und aus diesem Grund glaube ich nicht, dass es durchkommen wird: Es ist nur auf Lügen aufgebaut, die bereits aufgedeckt sind."

Beim Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown hatte ein 20-Jähriger am Freitag vor einer Woche 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen. Zuvor hatte der Attentäter zu Hause auch seine Mutter getötet. Nach der Tat erschoss er sich selbst. Seither diskutieren Politiker in den USA über den privaten Waffenbesitz.

In einer früheren Version dieses Artikels war von einer geforderten Auslieferung statt Abschiebung des CNN-Journalisten die Rede. Ein inhaltlicher Fehler, für den wir uns entschuldigen. Besten Dank an @papapreuss für den Hinweis. Die Redaktion

 
Leserkommentare
  1. Ich denke, auch den Fordernden ist der _1._ Zusatz (u.a. Meinungsfreiheit) zur amerikanischen Verfassung geläufig, der ja in den USA extrem geschützter Teil der Verfassung ist, welche vermeintlich(?) mit dem 2. Zusatz (Recht Waffen zu tragen) geschützt werden soll.
    Daher: Polit-Folklore zu Weihnachten. Kann und muss man nicht ernst nehmen.
    So, und jetzt an alle: Weg vom Rechner und sich um wichtigere Dinge kümmern heute!

  2. Piers Morgan gehoert abgeschoben und zwar sofort. Die Pedition laeuft noch bis zum 20. Januar 2013. Ich hoffe dass diese noch von millionen unterschrieben wird.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke,die Redaktion/se

    mögen Sie Argumentieren?

    Pratt sagte, dass Leute wie Morgan, die Gesetze gegen Waffen wünschen, "Opfern" versagen sich wehren zu können.
    On Top of all sagte er, Morgan mache sich zum Freund von Kriminellen. Im Hinblick auf die Tragödie in der Schule war dies eine unglaubliche Ungezogenheit.

    Wäre das Interview ein Schachspiel, wäre Pratt ein vorzüglicher Schachspieler und hätte verdient gewonnen.

    Aber es ging um Situationen, in denen unschuldige Menschenleben, Menschenkinderleben zu beklagen sind. Auf diesem Hintergrund war Pratts Argumentationsweg eher von ökonomischer, und im Gesamt Kontext damit eher von verächtlicher Natur.

    Alles was Morgan falsch machte war, als ein Mensch mit Verantwortungsgefühl und Herz zu reagieren.
    Moralisch ist er im Recht.
    Argumentativ hatte er, in seiner Emotionalität, leider das Moment vertan.

    Aber worin erkennen Sie einen Grund zur Ausweisung?

    No sane person could possibly believe that that drugged-out little punk who murdered all those children in Connecticut would have even contemplated, let alone succeded, in doing what he did if there were two armed security guards at the entrance of that elementary school. All of the “mainstream media,” from Joe Scarborough and his fellow liberal cackling hens and crowing roosters on MSNBC, to the neocons at the New York Post, are either crazy or insidious liars and propagandists whose objective is to disarm the law-abiding civilian population. Totalitarian control is only possible in a disarmed society, as the Nazis and communists demonstrated in the twentieth century.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke,die Redaktion/se

    mögen Sie Argumentieren?

    Pratt sagte, dass Leute wie Morgan, die Gesetze gegen Waffen wünschen, "Opfern" versagen sich wehren zu können.
    On Top of all sagte er, Morgan mache sich zum Freund von Kriminellen. Im Hinblick auf die Tragödie in der Schule war dies eine unglaubliche Ungezogenheit.

    Wäre das Interview ein Schachspiel, wäre Pratt ein vorzüglicher Schachspieler und hätte verdient gewonnen.

    Aber es ging um Situationen, in denen unschuldige Menschenleben, Menschenkinderleben zu beklagen sind. Auf diesem Hintergrund war Pratts Argumentationsweg eher von ökonomischer, und im Gesamt Kontext damit eher von verächtlicher Natur.

    Alles was Morgan falsch machte war, als ein Mensch mit Verantwortungsgefühl und Herz zu reagieren.
    Moralisch ist er im Recht.
    Argumentativ hatte er, in seiner Emotionalität, leider das Moment vertan.

    Aber worin erkennen Sie einen Grund zur Ausweisung?

    No sane person could possibly believe that that drugged-out little punk who murdered all those children in Connecticut would have even contemplated, let alone succeded, in doing what he did if there were two armed security guards at the entrance of that elementary school. All of the “mainstream media,” from Joe Scarborough and his fellow liberal cackling hens and crowing roosters on MSNBC, to the neocons at the New York Post, are either crazy or insidious liars and propagandists whose objective is to disarm the law-abiding civilian population. Totalitarian control is only possible in a disarmed society, as the Nazis and communists demonstrated in the twentieth century.

  3. 75. 28500

    ob von den 28500 auch nur ein mensch unterschrieben hat,der durch einen amoklauf einen angehörigen oder einen freund verloren hat?
    irgendwie muss ich an dieses zitat denken:

    stell dir vor es ist krieg und keiner geht hin.

    frohe weihnachten

    • Hickey
    • 24.12.2012 um 14:01 Uhr

    ist das was unsere Regierungen hinter unserem Rücken anstellen oder eben auch unterlassen.

    Die einzige Lösung für Amerikas Probleme liegt im Waffenverbot, denn die ganze bevölkerung dauerhaft zum Psychater zu schicken wird zu teuer sein.

    Ohne Waffen, weniger Morde, die wenigsten Menschen trauen sich mit richtigen Nahkampfwaffen zu kämpfen, da es doch um einiges brutaler und gefährlicher ist, als jemanden aus der Distanz eine Kugel zu verpassen.

    Nur scheinbar gibts da drüben soviele Dummköpfe das die nichteinmal das begreifen werden.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • cafbad
    • 24.12.2012 um 15:12 Uhr

    "Die einzige Lösung für Amerikas Probleme liegt im Waffenverbot, denn die ganze bevölkerung dauerhaft zum Psychater zu schicken wird zu teuer sein."

    Ein ganzes Volk mal in Bausch und Bogen als therapiebedürftig zu diffamieren und en passant angeblich einfache Lösungen zu propagieren, zeugt nicht gerade von einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Materie. Wie auch die Aussage ...

    "nur scheinbar gibts da drüben soviele Dummköpfe das die nichteinmal das begreifen werden"

    ... lediglich etwas über die eigene Neigung zum Denken in Stereotypen und geistesschlichten Klischees sagt.

    Kleiner Tipp: Der Einsatz für eine gute Sache (Waffenverbot) rechtfertigt weder Diffamierung noch nationale Klischees.

    "Die einzige Lösung für Amerikas Probleme liegt im Waffenverbot,"
    ----------
    Wenn man sich mit Symptombekämpfung begnügt, dann ja. Ebenso kann man aufgrund der vielen Verkehrstoten auch ein Fahrzeugverbot einfordern.

    Wie erklären Sie es nur den Angehörigen, dass Sie eine Ursachenbekämpfung derart ablehnen?

    • cafbad
    • 24.12.2012 um 15:12 Uhr

    "Die einzige Lösung für Amerikas Probleme liegt im Waffenverbot, denn die ganze bevölkerung dauerhaft zum Psychater zu schicken wird zu teuer sein."

    Ein ganzes Volk mal in Bausch und Bogen als therapiebedürftig zu diffamieren und en passant angeblich einfache Lösungen zu propagieren, zeugt nicht gerade von einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Materie. Wie auch die Aussage ...

    "nur scheinbar gibts da drüben soviele Dummköpfe das die nichteinmal das begreifen werden"

    ... lediglich etwas über die eigene Neigung zum Denken in Stereotypen und geistesschlichten Klischees sagt.

    Kleiner Tipp: Der Einsatz für eine gute Sache (Waffenverbot) rechtfertigt weder Diffamierung noch nationale Klischees.

    "Die einzige Lösung für Amerikas Probleme liegt im Waffenverbot,"
    ----------
    Wenn man sich mit Symptombekämpfung begnügt, dann ja. Ebenso kann man aufgrund der vielen Verkehrstoten auch ein Fahrzeugverbot einfordern.

    Wie erklären Sie es nur den Angehörigen, dass Sie eine Ursachenbekämpfung derart ablehnen?

    • Hickey
    • 24.12.2012 um 14:06 Uhr

    with plenty LSD und Weapons and maybee in 20 Years there is no more America.

    Antwort auf "Was eine Panik"
    • Merica
    • 24.12.2012 um 14:08 Uhr
    78. [...]

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/au

    Antwort auf "[...]"
    • Apex
    • 24.12.2012 um 14:27 Uhr

    Ich habe mir eben das Interview angesehen. Es ist unglaublich, mit welcher Dreistigkeit Larry Pratt hier die Fakten verdreht oder schlicht und ergreifend versucht neue zu erfinden. Nach meinem Empfinden hat Piers Morgans gesagt, was zu sagen war. Auf einer bestimmten Ebene braucht man einfach nicht mehr weiter zu diskutieren.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Soweit ich eine Diskusion verstehe reden da Menschen miteinander. Hier jedoch nicht. Da hoerte ich nur einen arroganten Piers welcher seinem gegenueber staendig ins Wort gefallen ist. Als Larry Pratt haette ich diese ,,Diskusion" sofort beendet. Von wegen Held.

    • ezoo
    • 24.12.2012 um 19:12 Uhr

    "Auf einer bestimmten Ebene braucht man einfach nicht mehr weiter zu diskutieren." Ganz genau! Es macht tatsächlich keinerlei Sinn mit Fundamentalisten wie Pratt weiter zu reden. Mit solchen Leuten ist eine funktionierende Gesellschaft schlichtweg nicht möglich. Nur was dann? Die Waffen sprechen lassen vielleicht? Da ist es wieder, das altbekannte Dilemma. Krieg als Fortsetzung der Politik und umgekehrt...

    Soweit ich eine Diskusion verstehe reden da Menschen miteinander. Hier jedoch nicht. Da hoerte ich nur einen arroganten Piers welcher seinem gegenueber staendig ins Wort gefallen ist. Als Larry Pratt haette ich diese ,,Diskusion" sofort beendet. Von wegen Held.

    • ezoo
    • 24.12.2012 um 19:12 Uhr

    "Auf einer bestimmten Ebene braucht man einfach nicht mehr weiter zu diskutieren." Ganz genau! Es macht tatsächlich keinerlei Sinn mit Fundamentalisten wie Pratt weiter zu reden. Mit solchen Leuten ist eine funktionierende Gesellschaft schlichtweg nicht möglich. Nur was dann? Die Waffen sprechen lassen vielleicht? Da ist es wieder, das altbekannte Dilemma. Krieg als Fortsetzung der Politik und umgekehrt...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service