Amoklauf Newtown : US-Waffenlobby will Schulen aufrüsten

Die National Rifle Association reagiert auf den Amoklauf von Newtown mit noch mehr Waffeneinsatz: Polizisten und armierte Wächter sollen künftig Attentäter ausschalten.
Protest während der Pressekonferenz der Waffenlobbyisten © Alex Wong/Getty Images

Die US-Waffenlobby wirbt nach dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut mit 27 Toten für einen bewaffneten Schutz von Schulen. Bewaffnete Polizisten und bewaffnete Wächter sollten in jeder Schule in den USA Dienst tun, forderte der Vizechef der National Rifle Association NRA , Wayne LaPierre.

Der Verband kündigte an, beim Training zu helfen und Programme zum Schutz von Schulkindern mit zu entwickeln.

LaPierre wandte sich dagegen, die Gesetze für den Erwerb von Schusswaffen zu verschärfen. Das bringe nichts. "Der einzige Weg, einen schlechten Typen mit einer Kanone zu stoppen, ist ein guter Typ mit einer Kanone", sagte er.

"Der einzige Weg, einen schlechten Typen mit einer Kanone zu stoppen, ist ein guter Typ mit einer Kanone"
NRA-Vize Wayne LaPierre

Journalisten durften bei dem Presseauftritt keine Fragen stellen. Während der Veranstaltung gab es einen Zwischenfall: Ein Mann hielt ein Spruchband mit den Worten "Die NRA tötet unsere Kinder" vor den Sprecher. Andere Demonstranten riefen: "Die NRA hat Blut an den Händen... Stoppt jetzt den Verkauf von Sturmgewehren."

Vor genau einer Woche hatte ein 20-Jähriger in Newton 20 Kinder erschossen. Zudem tötete er sechs Erwachsene und sich selbst. Er hatte mehrere Waffen bei sich, unter anderem auch ein halbautomatisches Sturmgewehr, mit dessen Kriegsversion auch Nato-Soldaten schießen. Der Eigentümer des Herstellers, der Finanzinvestor Cerberus, trennte sich infolge der Tat von der Firma.

Die Tat hatteweltweit Entsetzen ausgelöst . Die Tatwaffe war Eigentum der Mutter des Täters, die er ebenfalls erschoss. In den USA streitet die Öffentlichkeit seither über das verfassungsmäßig verankerte Recht, eine Waffe zu besitzen.

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Ohio lockerte das Waffenrecht – ungeachtet des Amoklaufes. Der Republikaner John Kasich unterzeichnete ein Gesetz, demnach Bürger des Staates nur einmal eine Prüfung ablegen müssen, um eine Waffe versteckt bei sich tragen zu dürfen.

Bislang mussten sie dies jedes Mal bei der Erneuerung ihrer Waffenlizenz tun. Demokratische Abgeordnete kritisierten die Entscheidung.

US-Präsident Barack Obama stärkte die Befürworter eines schärferen Waffenrechts. Sie dürften in ihrem Kampf für schärfere Kontrollen nicht nachlassen, sagte er in einer Video-Botschaft an mehrere Hunderttausend US-Bürger, die eine entsprechende Petition auf der Internetseite des Weißen Hauses unterzeichnet hatten.

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Kommentare

177 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

@ vroomfondel

"Armiert wird Beton...".
das eingedeutschte "armieren" hat ähnliche Bedeutungen in verschiedenen Zusammenhängen: rüsten, ausrüsten, aufrüsten, bewehren, bewaffnen ...
Wie das Wort in den deutschen Beton kam, kann man sicher auch nachlesen. Wahrscheinlich über Frankreich, wo ein Gärtner den modernen Beton erfand. Als begriff vielleicht erst über den militärischen Bunker- und Festungsbau. Auch das aus "armieren" abgeleitete Wort "Armee" ist eingedeutscht und üblich.
Fazit: Das Wort wurde auch in diesem bericht, bezüglich Bewaffnungsunwesen und Hochrüstung, ebenso richtig verwendet, wie der "Wächter".
Wenn Sie es als Lehnwort vermeiden wollen, müssten Sie wohl auch bei mit Stahl oder sonstwie bewehrtem Beton statt "armiert" das Wort "bewehrt" verwenden, das da eigentlich üblicher ist :-)

@Spökenkieker

Guten Morgen,

ich habe mich vor meinem ersten Kommentar und vor diesem hierversichert, "armieren" kommt aus dem Bauwesen, bestenfalls Festungsbau. Auch wenn der Wortstamm "Armee" sein wird war die Nutzung - wie gesehen - nicht im deutschen sondern allenfalls im angloamerikanischen Spachgebrauch üblich - anders gesagt im besten Fall lieblos übersetzt.

Also ehrlich: armierte Wächter ist weit, weit unter Zeitstandard, oder?

@vroomfondel: Militarisierung der US-Zivilgesellschaft

Ich denke, Sie irren:
"Armieren" kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und wurde via Frankreich im 17.Jhdt. zusammen mit "armée" aus der französischen Rüstungsterminologie, Kriegstechnik in die entsprechende deutsche übernommen.
Das Wort "Beton" wurde erst im 19. Jhdt. eingedeutscht und damit auch die Verwendung des Wortes "Armierung" für die Bewehrung von Beton mit Baustahlgewebe u.a..
Die unterschiedliche umgangssprachliche Verwendung von "armieren" erfolgt wohl eher im beruflichen Kontext des Nutzers oder so, wie es der "Laie" aufgeschnappt hat. Es gibt da aber keine ausschließende Regelung. Wenn überhaupt, dann wäre auch "armieren" bezüglich Bautechnik unter "Zeitstandard", wie Sie sagen. Falls es eine umgangssprachliche Verschiebung hin zu einer meist eher bautechnischen Verwendung des Begriffes überhaupt gibt, so mag das an einer positiven Entwicklung der Zivilgesellschaft liegen, an einer zunehmenden Entmilitarisierung zumindest des traditionellen Sprachgebrauchs.
Im Artikel sind "armieren" und "Wächter" ganz richtig, nämlich rüstungstechnisch in historischer Konsequenz verwendet worden.
Ich sehe in der speziellen Wortwahl eine implementierte Kritik an dieser Aufrüstung, dieser Art zivilgesellschaftlicher Militarisierung. Eine Vielfalt an Synonymen ermöglicht sprachliche Nuancen, feine Bedeutungsunterschiede, die man nicht missionarisch glattbügeln sollte.
Insofern halte ich die Wortwahl nicht nur für "korrekt", bzw. richtig, sondern auch für sehr gut bezeichnend.

@Spökenkieker: Wir werden uns da nicht einig

Ich google armierte +Wächter und da kommt kein anderer Artikel hoch ausser dieser und seine Klone (da Agenturmeldung).

Das heißt für mich: Auf diesem Planeten ist diese Formulierung recht einzigartig. Google findet normalerweise alles in dieser Richtung.

Ich gebe zu, dass ich vielleicht nicht weiß was richtig ist, aber ich vertraue hierbei mal auf Google.

"Armierte Wächter"

Sicherlich klingt der Ausdruck ziemlich dümmlich, wird wohl kaum in neue Wörterbücher aufgenommen werden.

Möglich wäre aber doch auch, dass der Autor an Betonköpfe gedacht hatte.
Die soll es ja tatsächlich geben.

Sehr kritikwürdig finde ich allerdings, das "Attentäter ausgeschaltet" werden sollen. Man stelle sich das mal praktisch vor. So weit war selbst die NRA nicht gegangen; die will doch anscheinend nur, dass ein mit Waffengewalt eindringender Mensch mit Waffengewalt aufgehalten werden soll. Fürs "Ausschalten" fehlt dort vielleicht das historische Vorbild.

Recht armselig, sich den Sprachgebrauch von dem

vorschreiben zu lassen, was in Google als Massenanwendung vorne steht.
Wie schon angedeutet: der ganze Wortkomplex geht auf lateinisch "arma" zurück, indogermanisch mit unserem Arm (der Körperteil) verwandt, und bedeutete im Lateinischen allgemein "Werkzeug", "Ausrüstung" usw. In verschiedenen technischen Sparten sehen die Ausrüstungen unterschiedlich aus, was zu fachspezifischen Bedeutungen des Wortes arma, in Folge auch des Begriffes Armieren führte. Es ist z.B. gebräuchlich in der Wehrtechnik und auch im Maschinenbau und nicht nur im Sinne von "Rüstung,Bewehrung". Dass es dort relativ selten verwendet wird, erklärt, dass es bei Google nicht auftaucht. So wie Fachjargon dort ohnehin nur begrenzt auftaucht. Das heißt aber nicht, dass das Wort nicht allgemein verwendet werden dürfte und keinen Sinn machte. Schauen Sie einfach mal in den ethymologischen Duden oder nehmen Sie die Synonyme KOMPLETT wahr, die im einfachen Duden auch über Google zu finden sind. Auch bei Wikipedia taucht ein Fachbegriff so lange nicht auf, bis sich ein fachlich Qualifizierter seiner annimmt.
An einer laxen Übersetzung liegt es in diesem Artikel sicher nicht. Höchstens daran, dass der Begriff im romanischen Sprachbereich verbreitet ist und von daher ja auch bei uns eingewandert. So liegt auch korrellierendes Übersetzen nahe.
Belehrende Auflagen, Sprache beschränkt zu verwenden und auch nicht kreativ anwenden zu sollen, finde ich sehr befremdlich und völlig überflüssig.
Armieren = Aufrüsten (u.a.)!

Pervers.

Einerseits vergießt man Krokodilstränen über das Defizit und macht u.a. auch Lehrer (wie andere öffentliche Angestellte) dafür verantwortlich. Und dann hätte man gerne bewaffnete Kräfte an allen Schulen, die selbstverständlich auch wieder der Steuerzahler bezahlen darf.

Nein - um keine Preis darf man Probleme an der Ursache bekämpfen. Nein - um keinen Preis darf man kleine Verbesserungen angehen, nur weil damit das Gesamtproblem damit nicht auf einen Schlag bereinigt ist. Nein - um keinen Preis darf der eigene Profit in Gefahr geraten.

Pervers. Aber zu erwarten.

Denken Sie mal darueber nach,

dass es bereits 300 Millionen legale Waffen gibt, von den illegalen ganz zu schweigen.
Auch wenn der Verkauf von neuen Waffen verboten waere, waere es kein Problem fuer einen Geistesgestoerten sich eine Waffe zu verschaffen. Denken Sie auch einmal darueber nach, dass es praktisch unmoeglich ist einen gesiesgestoerten Menschen gegen seinen Willen in eine Anstalt zu bringen bevor ein Verbrechen veruebt wird. Denken Sie auch einmal darueber nach, dass die Polizei immer zu spaet kommt und keinen Schutz VOR Verbrechen darstellt. Und letztendlich, stellen Sie sich vor es waere Ihr Kind, das Sie morgens an der Schule abliefern. Und wenn das Ihre Meinung immer noch nicht aendert, versetzen Sie sich doch einmal in die Lage der Lehrerinnen, die, selbst schutzlos, beim Versuch ihre Kinder zu schuetzen, sterben mussten.
Der Vorschlag einen "off duty" Polizisten zum Schutz von Kindern und Lehrer in jeder Schule zu stationieren ist der einzige, der wirklich etwas bringt, auch wenn Sie das pervers finden und stattdessen lieber die "Waffenlobby" angreifen. Im uebrigen ist die NRA keine "Lobby", die durch Waffenverkauf Profit machen will, sondern eine Organisation von etwa 5 Millionen Waffenbesitzern.

Erinnerung an meine Kindheit

Ich kann mich erinnern, wie ich 8 Jahre alt war, hatten wir uns mal Spielzeugpistolen für die Faschingsfeier auf den Schulhof mitgenommen. Damals wurden wir vom Lehrer entsprechend zurechtgewiesen.

Meine Kinder würden in so einem Fall in den USA vermutlich vom neuen Wachmann (oder dem Lehrer) gleich präventiv erschossen.

Schöne neue Welt. Besonders für die Kinder und deren Erziehung. Wichtigste Erkenntnis: Die Macht hat immer der mit der Waffe...

Freundlichst
Karl7

Bankrotterlkärung?

irgendwie klingt das so "wir kriegen es nicht mehr unter Kontrolle - also sollen sich die Bürger selbst gegenseitig erschießen. Und wir verdienen dabei."

Entschuldigung, aber eine derartige Argumentation ist nicht nur dumm, sie ist krank und pervers. Zumal es einen klaren Trend in der Statistik gibt, dass eine vermehrte Zahl an Waffen in der Allgemeinheit die Zahl der Todesopfer ENORM erhöht.

Die Lösung wäre so einfach: Eine Registrierungspflicht auf ALLE Feuerwaffen und ein Verbot SÄMTLICHER automatischer Waffen. Die, die bereits registriert sind, werden angeschrieben, sie mögen ihre Waffen bitte abgeben. Gleichzeitig gibt es eine Übergangszeit von 1-2 Jahren, besagte Waffen straffrei abzugeben. NACH dieser Zeit droht allen, die mit so einer Waffe erwischt werden, Gefängnis.

Sicher gibt es in der Verfassung ein Recht auf eine Waffe zur Selbstverteidigung. Aber ich habe NIRGENDS einen Paragrafen oder Absatz gefunden, der ausdrücklich halbautomatische oder vollautomatische Schusswaffen erwähnt. Und von Schnellfeuergewehren, Sprengstoffen und derlei ist auch nicht die Rede.

Sicher kommt jetzt das Argument: "Aber die illegalen Waffen kann man so doch nicht verhindern!"
Jenen möchte ich eine Statistik entgegen halten: Von den letzten 20 großen Schießereien mit mehr als 4 Toten waren die Tatwaffen in 18 Fällen LEGAL erworben. 90% würde man also mit dieser Regelung erreichen....die letzten 10% schafft man dann auch noch beizeiten.

"Denken Sie mal darüber nach", bevor Sie hier posten

"Auch wenn der Verkauf von neuen Waffen verboten waere, waere es kein Problem fuer einen Geistesgestoerten sich eine Waffe zu verschaffen."

Nach dem Tod dieser unschuldigen Kinder hegte ich die Hoffnung, dass ihr sinnloser Tod zumindest ein wenig bewirken würde.

Dass solche [für das Folgende gibt es einfach keine andere Formulierung] vollkommen durchgeknallten Vollidioten, die immer mehr mehr Waffen in Umlauf bringen wollen, weil nur durch vermehrte Bewaffnung weiter Teile der Bevölkerung, dieser sinnlosen Gewalt Grenzen gesetzt werden können, endlich einmal [Sorry. Auch hierfür fehlen mir die sprachlichen Alternativen] ihre dumme Schnauze [ups] andächtig schweigen würden.

Genau so hegte ich die Hoffnung, dass solche [pardon] herzlosen Klugscheisser, wie Sie einer sind, ebenfalls [ach was soll es] einfach mal die Klappe halten würden.

Ich habe mich leider geirrt.

Die Menscheit ist selbst im Angesicht einer derartigen Tragödie nicht lernfähig.

@#3: Diesen Gedanken hatte ich ebenfalls und

Diesen Gedanken hatte ich ebenfalls und war keineswegs pessimistisch, dass er nicht als offizieller Vorschlag kommen würde. Er genügt aber nicht, wie eine Analyse der Szenarien zeigt. In einer großen Schule kann ein Amokläufer mit automatischen Waffen nämlich viele Personen umbringen, bis der Wächter zur Stelle ist. Es müsste ein Wächter pro Flur sein, besser noch jeder Lehrer selbst. Aber selbst das reicht nicht, denn der Attentäter könnte die ja zuerst umbringen. Gemäß der altehrwürdigen logica armata der National Rifle Addicts wäre es konsequent, alle Kinder, von der Grundschule ab, mit Waffen auszustatten und im Umgang damit zu schulen. Rasch ziehen, sicher schießen, gegen eine große Zahl kommt kein Attentäter an. Auch müsste eine Tragepflicht für mindestens die Hälfte der Schüler bestehen. Nur das wäre effizient. Vielleicht kommt der Vorschlag noch, wenn die NRA über ihren Schatten springen. Die letzten Reste von Vernunft, falls es sie überhaupt noch geben sollte, sollten doch nun wirklich leicht zu erledigen sein. Nur Mut zur Konsequenz, NRA!

Die Gedanken ....

der NRA sind reichlich.. nennen wir es mal seltsam.

Warum will man noch mehr Waffen in der Schule haben? Die NRA ruft quasi zur Komplett-Bewaffnung aller Einwohner auf.

Einfach irre...

Irgendwann wird der Hauptsitz der NRA überfallen und dort fallen Schüsse. Was ist dann die Problemlösung?