Amoklauf NewtownUS-Waffenlobby will Schulen aufrüsten

Die National Rifle Association reagiert auf den Amoklauf von Newtown mit noch mehr Waffeneinsatz: Polizisten und armierte Wächter sollen künftig Attentäter ausschalten. von dpa und

Protest während der Pressekonferenz der Waffenlobbyisten

Protest während der Pressekonferenz der Waffenlobbyisten  |  © Alex Wong/Getty Images

Die US-Waffenlobby wirbt nach dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut mit 27 Toten für einen bewaffneten Schutz von Schulen. Bewaffnete Polizisten und bewaffnete Wächter sollten in jeder Schule in den USA Dienst tun, forderte der Vizechef der National Rifle Association NRA , Wayne LaPierre.

Der Verband kündigte an, beim Training zu helfen und Programme zum Schutz von Schulkindern mit zu entwickeln.

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LaPierre wandte sich dagegen, die Gesetze für den Erwerb von Schusswaffen zu verschärfen. Das bringe nichts. "Der einzige Weg, einen schlechten Typen mit einer Kanone zu stoppen, ist ein guter Typ mit einer Kanone", sagte er.

"Der einzige Weg, einen schlechten Typen mit einer Kanone zu stoppen, ist ein guter Typ mit einer Kanone"

NRA-Vize Wayne LaPierre

Journalisten durften bei dem Presseauftritt keine Fragen stellen. Während der Veranstaltung gab es einen Zwischenfall: Ein Mann hielt ein Spruchband mit den Worten "Die NRA tötet unsere Kinder" vor den Sprecher. Andere Demonstranten riefen: "Die NRA hat Blut an den Händen... Stoppt jetzt den Verkauf von Sturmgewehren."

Newtown in Connecticut

Newtown ist ein Städtchen mit gut 27.000 Einwohnern. Es liegt im Südwesten des US-Bundesstaates Connecticut. Der 1711 gegründete Ort wird geprägt von gepflegten Häusern, Parks, Antiquitätenläden und einer regen Kulturszene.

Am Dickenson Drive liegt die Sandy Hook Elementary School (Karte hier).

Bevölkerung und Wirtschaft

Die Bewohner von Newtown sind im Durchschnitt 41 Jahre alt und wohlhabend: Das Haushaltseinkommen lag 2011 bei durchschnittlich gut 110.000 US-Dollar (etwa 84.000 Euro).

Die Strände des Atlantiks und beliebte Urlaubsregionen wie Cape Cod oder Long Island sind nicht weit. Viele Bewohner pendeln entweder ins 100 Kilometer New York City oder nach New Haven, wo unter anderem die Elite-Universität Yale Tausende Menschen beschäftigt.

Mit einer Fläche von gut 14 .000 Quadratkilometern gehört Connecticut zu den kleinsten Staaten der USA. Er ist als Standort der Werft- und Rüstungsindustrie sowie für den Anbau von Tabak, Obst und Gemüse bekannt.

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Vor genau einer Woche hatte ein 20-Jähriger in Newton 20 Kinder erschossen. Zudem tötete er sechs Erwachsene und sich selbst. Er hatte mehrere Waffen bei sich, unter anderem auch ein halbautomatisches Sturmgewehr, mit dessen Kriegsversion auch Nato-Soldaten schießen. Der Eigentümer des Herstellers, der Finanzinvestor Cerberus, trennte sich infolge der Tat von der Firma.

Die Tat hatteweltweit Entsetzen ausgelöst . Die Tatwaffe war Eigentum der Mutter des Täters, die er ebenfalls erschoss. In den USA streitet die Öffentlichkeit seither über das verfassungsmäßig verankerte Recht, eine Waffe zu besitzen.

Waffenbestand

Mehreren Studien zufolge sind in den USA bis zu 300 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz – das entspricht fast einer Waffe pro Einwohner. In einer Erhebung des Gallup-Instituts aus dem vergangenen Jahr gaben 47 Prozent der Befragten an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben. Jeder dritte US-Bürger ist demnach selbst Waffenbesitzer.

Produktion

Die Waffenhersteller der USA produzierten 2011 knapp 2,5 Millionen Pistolen, 573.000 Revolver sowie mehr als drei Millionen Gewehre, wie die Statistiken der Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen zeigen. In den USA gibt es fast 130.000 lizensierte Waffenhändler.

Opfer

Mehr als 30.000 Menschen sterben in den USA jedes Jahr durch Schusswaffen – mehr als 12.000 der Taten sind Morde. Die Anti-Waffen-Lobbyisten der Brady Campaign errechneten 2011, dass 270 Menschen täglich durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden.

Rechtslage

Im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung ist das Recht auf privaten Waffenbesitz verbrieft. Dort heißt es: "Weil eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Die Frage, wie weit dieses Recht reicht und welchen Beschränkungen es unterworfen werden darf, ist Gegenstand kontroverser Debatten.

Seit 1993 steht etwa eine Überprüfung von Waffenkäufern im Bundesrecht. Verurteilte Kriminelle, Menschen mit psychischen Störungen oder Drogenabhängige dürfen demnach keine Schusswaffen erwerben. Ein im Folgejahr erlassenes Verbot halbautomatischer Gewehre wurde dagegen 2004 nicht verlängert.

Dazu kommt ein Wirrwarr an Gesetzen und Verordnungen auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Immer wieder landeten regionale Beschränkungen für Waffenerwerb und -besitz dabei vor dem Obersten Gerichtshof, der in Grundsatzurteilen 2008 und 2010 ein Recht auf private Waffen anerkannte.

Die Lobby

Die National Rifle Association (NRA) ist die mächtigste Vereinigung der Waffenlobby. Zwei Veteranen des Amerikanischen Bürgerkriegs gründeten den Waffenverein im November 1871 im Bundesstaat New York, um das Schützenwesen zu fördern. Heute hat die Organisation nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Mitglieder. Ihr Hauptquartier ist in Fairfax vor den Toren Washingtons.

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Ohio lockerte das Waffenrecht – ungeachtet des Amoklaufes. Der Republikaner John Kasich unterzeichnete ein Gesetz, demnach Bürger des Staates nur einmal eine Prüfung ablegen müssen, um eine Waffe versteckt bei sich tragen zu dürfen.

Bislang mussten sie dies jedes Mal bei der Erneuerung ihrer Waffenlizenz tun. Demokratische Abgeordnete kritisierten die Entscheidung.

US-Präsident Barack Obama stärkte die Befürworter eines schärferen Waffenrechts. Sie dürften in ihrem Kampf für schärfere Kontrollen nicht nachlassen, sagte er in einer Video-Botschaft an mehrere Hunderttausend US-Bürger, die eine entsprechende Petition auf der Internetseite des Weißen Hauses unterzeichnet hatten.

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Leserkommentare
  1. Fuer Menschen welche nicht in den USA wohnen wird es sehr schwer nachzuvollziehen sein dass ich die NRA zu 100% unterstuetze. In Europa, spetziell Deutschland sollte man sich lieber um die eigenen Probleme kuemmern. Danke.

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    • Zack34
    • 21. Dezember 2012 21:30 Uhr

    es ist sehr schwierig, so etwas zu verstehen.

    Zumal: warum kümmern sich die USA nicht um ihre eigenen (Probleme)?

  2. Im Ernst wie konnte man an einer so offensichtlichen Lösung nur vorbeigehen.Wenn es brennt löschen wir ab heute mit Feuer,Drogensüchtigen geben wir kostenlose Joints und Lehrer bekommen Waffen um gegen verrückte mit Waffen vorzugehen.

    Wer ist wirklich verrückt, NRA-Vize Wayne LaPierre?

  3. die derartigen Artikel seit einer Woche ablenken?
    Syrien, NSU, NATO, EURO, Deutsche Bank, Verarmung der Deutschen ...etc....

  4. Mir wäre peinlich etwas anhand eines Namens zu kritisieren der mir nicht gefällt. Aber jedem das seine.
    Und was soll der Seitenhieb auf die Hinterbliebenen? Was für einen Effekt sollte das erzielen?

    Antwort auf "Children of the gun"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Galgenvogel sei Ihnen unbenommen.

    Meine Kritik richtet sich an die Substanz Ihrer Argumentation.

    Ich lese aus Ihren Beiträgen

    1.PRO NRA Auftritt heute.

    2. Bewaffnung/Ausstattung/Security öffentlicher Räume
    -zum vermeintlichen Schutz von Schulen/Unis/öffentlichen Einrichtungen/Kinos/Spielplätzen etc etc.
    Das ganze soll dann abschreckend auf Amok/Selbstmörder die mit dem Thema "Ihr werdet noch lange an mich denken " losziehen.

    aah Ja

    3. Allen Ernstes: die Ausbildung von Kindern an Waffen, zum Selbstschutz und zur Unfallvermeidung an eben diesen Waffen,

    ... AAH-Ja, das macht Sinn.

    Die damit zu erwartenden und einhergehenden Unfälle möchten Sie dann auch sicher als Kollateralschäden für die "gute" Sache buchen.

    Das alles empfinden Sie im Angesicht der Opfer, des Geschehenen in Newton, das die Grundlage der Diskussion stellt, als "Seitenhieb"...

    AAAH-Ja

    Das ist dann sicher auch nicht als zynisch gedacht, sondern " man hilft wo man kann"

    Ja, genau so hat sich heute die NRA angeboten, als Helfer in der Not.

    AUFRÜSTEN AUFRÜSTEN AUFRÜSTEN
    die Logik der Eskalation der Waffen und Mittel

    • Zack34
    • 21. Dezember 2012 21:27 Uhr
  5. "anscheinend, wahrscheinlich, eventuell "

    ...er hatte zumindest keine Waffe, ...oder irre ich mich?

    Verbandelt, anscheinend, .... sind wahrscheinlich ein Grund jemanden abzuknallen.

    Jetzt kommen wir mal auf die Definition "Psychopath" zurück.

    Antwort auf "Gehe mit und erhöhe"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    besteht leider nicht nur darin, dass beide eine Waffe haben müssen, dass es Notwehr ist, wenn Trayvon Zimmerman angegriffen hat, war das ein Angriff eines fitten jungen Mannes auf einen untrainierten 30jährigen. Inwieweit das gerechtfertigt war muss ein Richter entscheiden. Ich kann nicht sagen, dass das ganze gerechtfertigt war, ich teile aber auch nicht die Meinung dass Trayvon unschuldig an der Sache war. Was mich interessieren würde: kennen sie noch weitere Fälle dier mutmaßlich ungerechtfertigten Notwehr?
    Und bitte: Für was brauchen sie die Definition, die ich ja schon geschrieben habe? Nochmal: Ein Psychopath= Mensche der auf kleine Kinder schießt. Wissenschaftliche Korrektheit strebe ich damit übrigends nicht an.

    • Zack34
    • 21. Dezember 2012 21:30 Uhr
    Antwort auf "Vielen Dank NRA"
  6. 96. Notwehr

    besteht leider nicht nur darin, dass beide eine Waffe haben müssen, dass es Notwehr ist, wenn Trayvon Zimmerman angegriffen hat, war das ein Angriff eines fitten jungen Mannes auf einen untrainierten 30jährigen. Inwieweit das gerechtfertigt war muss ein Richter entscheiden. Ich kann nicht sagen, dass das ganze gerechtfertigt war, ich teile aber auch nicht die Meinung dass Trayvon unschuldig an der Sache war. Was mich interessieren würde: kennen sie noch weitere Fälle dier mutmaßlich ungerechtfertigten Notwehr?
    Und bitte: Für was brauchen sie die Definition, die ich ja schon geschrieben habe? Nochmal: Ein Psychopath= Mensche der auf kleine Kinder schießt. Wissenschaftliche Korrektheit strebe ich damit übrigends nicht an.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte Barack Obama | Amoklauf | Eigentum | Erwachsene | Schule | Training
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