Die niederländische Königin Beatrix © Vincent Jannink/EPA/dpa

Ihr Abschied hat alle überrascht: Selbst Königshausfachleute hatten nicht damit gerechnet, dass Königin Beatrix ihre Abdankung ankündigen würde. Spekulationen, dieser Schritt stünde kurz bevor, hatte es in den letzten Jahren oft gegeben. Nun aber war es so weit: Ihr 75. Geburtstag steht kurz bevor und auch das 200-jährige Bestehen der Oranje-Monarchie. Dies, so die Königin, sei Anlass, von ihrer "schönen Aufgabe" Abstand zu nehmen. Die Verantwortung für das Land solle in die Hände einer neuen Generation übergehen.

Auffällig war der Hinweis, ihr Rücktritt habe nicht mit Amtsmüdigkeit zu tun. Als Beatrix nach den Parlamentswahlen im Herbst erstmals bei der Bildung einer neuen Regierung außen vor gelassen wurde, hatte es solche Gerüchte gegeben. Man munkelte, die Königin goutiere ihre Ausbootung nicht. Immerhin hatten die Oranje-Regenten, gewohnt an regelmäßige Zusammenkünfte mit dem jeweiligen Premier und ihrer Rolle bei Koalitionsgesprächen, die Vorstellung widerlegt, eine europäische Monarchie sei heute zwangsläufig nur zeremoniell.

Nach ihrer Rede am Montagabend war all dies Vergangenheit. Just Premier Rutte, unter dem die royalen Befugnisse gestutzt worden waren, erhob die Königin zur "Ikone der Niederlande", deren "unermüdlicher Einsatz" ihr nicht hoch genug angerechnet werden könne. Ähnlich klang es aus den anderen Parteien, und auch die Morgenausgaben der Zeitungen zeigen heute eine selten einmütige Mischung aus Dankbarkeit und Rührung.

Das Lob ist sicher dem Moment geschuldet, doch dahinter steht auch, dass Beatrix ihren Untertanen immer wieder als ethische Instanz Halt gab. Über den früheren Chef der Sozialdemokraten, Job Cohen, machte man sich einst lustig, als er sagte, er wolle "den Laden zusammen halten". Nichts anderes hatte Beatrix im Sinn, wenn sie in ihren Weihnachtsansprachen an Gemeinschaftsgefühl, Besonnenheit und Respekt appellierte. Jüngst erst hatte sie deutlich auf die Bedeutung Europas hingewiesen und dazu aufgerufen, das Misstrauen zu überwinden, das die Euro-Krise verschärft.

Auch in die hitzige Integrationsdebatte hatte die Monarchin vor Jahren eingegriffen und Mäßigung angemahnt. Beobachter sahen darin einen Rüffel für den Rechtspopulisten Geert Wilders. Just durch dieses Thema wurde klar, dass die Niederlande ihren lange gelebten Konsens zu verlieren drohten. Mäßigung war nach zwei politischen Morden und jahrelang aufgewühlten Diskussionen über Multikulturalismus und Islam dringend nötig. Dass die Königin dazu beitrug, überzeugte viele, die der Monarchie eigentlich skeptisch gegenüberstehen.

Beatrix wird mehr respektiert als geliebt

Während der 33-jährigen Regentschaft Beatrix' hat sich die Einstellung der Niederländer zum Königshaus gewandelt. Die kritischen Stimmen sind leiser geworden. Als sie 1980 antrat, endete der Tag ihrer Thronbesteigung in Straßenschlachten zwischen Polizei und Hausbesetzern. Für den Slogan "Keine Wohnung, keine Krönung" gab es viel Sympathie im gesellschaftlichen Mainstream. Der Volkskrant schrieb, allzu oft habe "Oranjegetöse wie eine Decke über gesellschaftlichen Konflikten gelegen". Die Linke machte aus ihrer Abneigung gegen die Oranjes kein Hehl und die Sozialistische Partij wollte die Monarchie gar abschaffen. Vielen Gewerkschaftern war es bei den Feierlichkeiten zum Koninginnedag nicht wohl, während sich heute vom Baggerfahrer zum Banker alles an den Grachten tummelt, wenn die Königin gefeiert wird.

Beatrix wird im Unterschied zu ihrer Mutter Juliana mehr respektiert als geliebt. Welche Stellung sie genießt, illustrieren die Reaktionen aus dem Umfeld der monarchiekritischen Neurepublikanischen Genossenschaft. Beatrix spiele ihre Rolle gut, nur die Institution sei schlecht, twitterte ein User nach ihrer Rücktrittsankündigung.

Es ist kaum zu erwarten, dass die große Zustimmung, die die Oranjes zur Zeit genießen, umschlagen wird. Das dürfte Beatrix' Nachfolger, Prinz Willem-Alexander und dessen Frau Maxima, garantieren. Der Thronfolger hat sein Image als trinkfreudiger Schürzenjäger abgestreift. Sein Interesse gilt inzwischen einer anderen Flüssigkeit: dem Wasser und der Frage des Wassermanagements – ein Thema, das die Niederländer in Zeiten des Klimawandels zunehmend in Beschlag nehmen wird.

Ehefrau Maxima wird allgemein als herzliche, warme Ergänzung des etwas knöchern wirkenden Prinzen gesehen und mischt sich auch in gesellschaftliche Debatten ein, wie es ihre Schwiegermutter getan hat. Zuletzt punktete sie auf der Beliebtheitsskala mit einer Premiere: Als erstes Mitglied des Königshauses schwamm Maxima für einen wohltätigen Zweck durch die Grachten Amsterdams.