Anglikanische KircheSchwule Priester dürfen in England Bischof werden

Die Bischofsversammlung der Church of England will künftig offen homosexuelle Geistliche in ihren Reihen dulden. Sie sollen sich allerdings auf den Zölibat verpflichten.

Gene Robinson (links), der erste offen schwul lebende anglikanische Bischof, küsst den Drehbuchautor Dustin Lance Black bei der Verleihung eines Medienpreises in Los Angeles 2009.

Gene Robinson (links), der erste offen schwul lebende anglikanische Bischof, küsst den Drehbuchautor Dustin Lance Black bei der Verleihung eines Medienpreises in Los Angeles 2009.  |  ©Fred Prouser/Reuters

Die anglikanische Kirche in England hat offiziell bestätigt, dass sie das Verbot der Bischofsweihe für homosexuelle Priester in Lebenspartnerschaften aufhebt. Wie die Kirche in der Zeitung Church Times mitteilte, sollen künftig auch in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebende Priester Bischöfe werden können. Sie müssen allerdings geloben, sexuell enthaltsam zu bleiben. Die von der Bischofsversammlung der Church of England beschlossene Regelung trat unmittelbar in Kraft.

Schwule Priester, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, müssen demnach bei ihrer Weihe zum Bischof das Versprechen ablegen, sich an den Zölibat zu halten und die Partnerschaft nicht körperlich zu leben. Unter einer ähnlichen Regelung dürfen verheiratete Homosexuelle in der Church of England bereits Priester werden. Damit haben die Bischöfe einen wichtigen Meinungswechsel vollzogen.

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Vertreter anglikanischer Homosexuellen-Gruppen begrüßten den Schritt zwar, nannten es aber inkonsequent, die Sexualität auszuklammern. Konservative Anglikaner kritisierten, es gehe den Bischöfen nur darum, die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen; dabei würden grundlegende Lehren der Kirche übergangen.

Von Geistlichen in heterosexuellen Ehen erwartet die anglikanische Kirche keine sexuelle Enthaltsamkeit. Der designierte Oberste Geistliche der Kirche, der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, ist zum Beispiel fünffacher Familienvater.

Über schwule Kirchenmänner gab es in England seit 2003 Streit, als der homosexuelle Theologe Jeffrey John zum Bischof der Stadt Reading ernannt worden war. Nach dem Protest des konservativen Flügels der Kirche trat John zurück. 2010 zog er seine Bewerbung für das Bischofsamt der Londoner Diözese Southwark zurück, weil sich an seinem Bekenntnis zur Homosexualität abermals eine Debatte entzündet hatte.

Jeffrey John begrüßte laut Guardian den Beschluss der Bischofsversammlung: "Wenn es wirklich wahr ist, dass nunmehr alle Stufen von geistlichen Ämtern Schwulen und Lesben offener stehen als zuvor, dann ist dies eine sehr gute Sache."

Offen schwul – und Bischof in New Hampshire

Eine weitere Kontroverse in der anglikanischen Kirchengemeinschaft gab es um den Bischof von New Hampshire, Gene Robinson, nachdem die Episkopalkirche der USA seine Weihe aus dem Jahr 2003 bestätigt hatte. Robinson war der erste offen schwul lebende Bischof der Anglikanischen Kirche und hatte 2008 eine eingetragene Partnerschaft mit seinem Lebensgefährten geschlossen. Robinson gibt ausdrücklich nicht vor, zölibatär zu leben.

In Großbritannien können schwule und lesbische Paare seit 2005 ihre Partnerschaft eintragen lassen. Sie profitieren dann von eheähnlichen Privilegien. Die anglikanische Kirche erlaubt ihren Geistlichen zwar gleichgeschlechtliche Partnerschaften, aber nicht eine eingetragene Partnerschaft oder Ehe. Zwar hat die britische Regierung im vergangenen Dezember vorgeschlagen, gleichgeschlechtliche Ehen in kirchlichen Einrichtungen zu gestatten. Doch die Kirchen von England und Wales lehnten dies ab.

Auch die Weihe von Frauen zu Bischöfinnen hatte die Generalsynode der anglikanischen Kirche im vergangenen November mit knapper Mehrheit generell abgelehnt – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Frauen dürfen seit 1992 jedoch immerhin zu Priesterinnen geweiht werden. Mittlerweile sind ein Drittel der Geistlichen in der anglikanischen Kirche weiblich.

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Leserkommentare
  1. "Sie müssen allerdings geloben, enthaltsam zu leben !"

    Verstehe ich hier was falsch, oder soll das alles nur ein makabrer Scherz sein ?

    [...]

    Botschaft: Du darfst deine Art von Sexualität ja gerne haben, leben aber darfst Du Sie nicht!
    Ein mehr als unguter Twist aus boarderline und doublebind!

    Wann hört "christliche" Kirche jedweder Couleur ENDLICH auf, Sexualität zu verbieten und damit zu unterdrücken!

    Gekürzt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich. Danke, die Redaktion/se

    4 Leserempfehlungen
  2. ... schwul zu sein." Was für Freaks.
    greetz, BG

    4 Leserempfehlungen
  3. ein guter Kompromiss.

    • Bashu
    • 05. Januar 2013 17:15 Uhr

    ist in punkto Geschlechterbild und sexueller Toleranz noch etwas rückständig, milde formuliert. Unterboten wird das ganze nur noch vom Islam.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf
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    Meinen Sie, dass im Christentum die Scheidung und religiöse Wiederverheiratung eingeführt werden soll?

    In dem Punkt hat der Islam die Nase vorne.

    • Gerry10
    • 05. Januar 2013 17:22 Uhr

    ..sollte es tatsächlich einen/eine/eines/mehrere Gott/Göttin/Götter geben ich glaube nicht das sie sich dafür interessieren wer, auf dem dritten Planeten, einer kleinen Sonne, im Orion Arm der Milchstraße, mit wem schläft.

    Eine Leserempfehlung
    • aram62
    • 05. Januar 2013 17:43 Uhr

    soll dann eine Lebenspartnerschaft noch haben, wenn die Partner enthaltsam leben sollen? Ist das vielleicht der berühmte englische Humor?

    4 Leserempfehlungen
  4. dürfen anglikanische Priester denn "normal" heiraten und müssen diese nicht im Zöllibat leben? Das Zöllibat macht doch in dem Sinne Sinn sich eben komplett auf den Glauben zu konzentrieren, so ist es ja trotz einer Enthaltsamkeit nicht gegeben. Die andere Frage ist welcher Partner dies so mitmacht, vor allem wenn man vorher bereits körperlich intim war.

    2 Leserempfehlungen
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    und daher verstehe ich auch nach wie vor nicht, warum mein Kommentar Nr. eins gekürzt wurde.

    Die Josephsehe ist unter den Anglikanern doch keine Norm. Warum also wird so getan, als sei Sie es?

    • cordty
    • 05. Januar 2013 19:38 Uhr

    ...die gleichen Fragen habe ich mir auch gerade gestellt. Wie ist das in einer Heterobeziehung? Und wer macht das mit? Und wenn es so ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass es so gelebt wird -ist das nicht scheinheilig?

  5. und daher verstehe ich auch nach wie vor nicht, warum mein Kommentar Nr. eins gekürzt wurde.

    Die Josephsehe ist unter den Anglikanern doch keine Norm. Warum also wird so getan, als sei Sie es?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sc
  • Schlagworte England | Bewerbung | Bischof | Diözese | Ehe | Erzbischof
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