ZEIT ONLINE: Welche Rolle spielte Henryk M. Broder, den das SWZ in der Liste zitiert, bei der Entscheidung, Augstein in das Ranking zu hieven?

Cooper Wir haben nicht mit Broder gesprochen, er hatte keinen Einfluss auf die Entscheidung. Aber ein Großteil unserer Mitglieder kennt Augstein nicht, deswegen wollten wir Broders Perspektive dazunehmen. Er ist ein in der jüdischen Gemeinde weltweit respektierter Wortarbeiter, und anders als wir ist er vor Ort in Deutschland. Augstein hat auf seine Kritik übrigens nie reagiert, das halte ich für sehr vielsagend.

ZEIT ONLINE: Ist es überhaupt möglich, Antisemitismus zu messen und in einem Ranking darzustellen?

Cooper: Wir versuchen das, indem wir verschiedene Stufen des Antisemitismus aufzeigen. Ein Regime wie das in Teheran hat direkten Zugriff auf Macht und Militär. Es ist in der Lage, in der ganzen Region ein Armageddon anzurichten, das nicht nur Juden beträfe. Die Muslimbrüder in Ägypten und Mahmud Ahmadinedschad stehen darum ganz vorne.

ZEIT ONLINE: Andere in der Liste haben diese Macht nicht…

Cooper: … wie etwa Louis Farrakhan, der religiöse Führer der Nation of Islam. Er steht auf einer anderen Ebene, aber er hat Einfluss und verteilt sein Gift, konsequent und über Jahre hinweg. Ob jemand dann auf Rang acht oder neun steht, ist nicht so wichtig.

ZEIT ONLINE: Augstein sagte zu dem Vorwurf: "Für den Kampf gegen den Antisemitismus hat das SWZ meinen ganzen Respekt. Umso betrüblicher ist es, wenn dieser Kampf geschwächt wird. Das ist zwangsläufig der Fall, wenn kritischer Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiert wird."

Cooper: Damit ist es nicht getan. Er sollte sich nicht hinter seiner Funktion als Journalist verstecken, sondern hinterfragen, wofür er kritisiert wird. Israel kann nicht tun und lassen, was es will, ohne sich der Kritik zu stellen – ebenso erhält ein Journalist keinen Freifahrtschein, nur weil er einen Presseausweis besitzt. Augstein sollte sich bei seinen Lesern und dem jüdischen Volk entschuldigen.