Grünen-Parteichefin Claudia Roth kritisierte, Frauen würden in der Debatte "mehr und mehr zu Tätern gemacht", damit die männlichen Machtverhältnisse erhalten blieben, sagte sie auf NDR Info. Sie forderte Brüderle zum Handeln auf. "Es wäre nicht schlecht, wenn er sich erklären würde, wenn er sich entschuldigen würde, denn ganz offensichtlich hat die junge Journalistin sich angemacht gefühlt", sagte sie. Es sei schlimm, wie die Debatte geführt werde. "Es ist sehr traurig, dass ganz offensichtlich immer noch Männer meinen, Sexismus sei eine Lappalie oder sogar ihr gutes Recht."

Nach Ansicht der Grünen-Chefin müssen Frauen, nicht Männer, definieren, wo die Grenze zur Belästigung überschritten ist. Schlimm finde sie Äußerungen, die Journalistin hätte nicht nachts an einer Hotelbar sitzen sollen. "Das ist ungefähr so, wie wenn man bei Vergewaltigungsprozessen den Frauen unterstellt, sie könnten sich ja anders anziehen", sagte Roth.

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer sagte, seit Laura Himmelreich Klartext geschrieben habe, sei Brüderle "kein Politiker mit Zukunft mehr, sondern ein Mann von gestern". In ihrem Blog schrieb die 70-Jährige: "Das beklagte sexistische Verhalten disqualifiziert endlich auch den Mann."

"Sexismus-Debatte längst überfällig"

Für Katrin Göring-Eckardt, Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2013, ist die Sexismus-Debatte längst überfällig. Sie führe hoffentlich dazu, "dass Sexismus in Zukunft klarer benannt und nicht toleriert wird und die Frauen darin bestärkt, sich nichts gefallen zu lassen", sagte Göring-Eckardt der Welt am Sonntag.

Am heutigen Sonntag hat Brüderle beim Neujahrsempfang der NRW-FDP in Düsseldorf seinen ersten öffentlichen Auftritt. Dort hätte er die Chance, zu dem Vorwurf Stellung zu beziehen. Mit über 60 Journalisten hätten sich für den politischen Jahresauftakt des größten FDP-Landesverbands etwa doppelt so viele Medienvertreter angemeldet als sonst, sagte ein Parteisprecher in Düsseldorf.