Auf der italienischen Insel Giglio haben Angehörige der Opfer des Costa-Concordia-Unglücks vor einem Jahr gedacht. Ein Teil des Felsens, den das Kreuzfahrtschiff damals abgerissen hatte, wurde mit einer Gedenktafel wieder an seinen ursprünglichen Ort gesetzt. Der Bürgermeister von Giglio, Vertreter der Reederei Costa Crociere und Angehörige von Opfern brachten den Felsen auf einem Schiff zu dem Riff vor der Küste.

Erzbischof Guglielmo Borghetti hielt unweit der Unglücksstelle eine Messe und dankte den Bewohnern von Giglio, die nach dem Unglück zum Hafen geeilt waren, um den Schiffbrüchigen zu helfen. In der Kirche, in der die Messe stattfand, hatten viele der etwa 4.200 geretteten Passagiere und Crewmitglieder nach dem Unglück Zuflucht gefunden.

Die Costa Concordia war am Abend des 13. Januar 2012 dicht vor Giglio auf Grund gelaufen und leck geschlagen. Innerhalb kurzer Zeit neigte sich das Schiff zur Seite, bevor es halb im Wasser auf den Felsen vor der Küste zu ruhen kam. Dem Kapitän, Francesco Schettino, wird vorgeworfen, zu nah an die Küste herangefahren zu sein. Der italienische Umweltminister, Corrado Clini, war zum Jahrestag ebenfalls nach Giglio gekommen. Er sagte, Schettino habe das Bild Italiens im Ausland negativ geprägt.

Reederei will Überlebende von Gedenkfeier fernhalten

Auf der Insel vor der toskanischen Küste versammelten sich auch Überlebende der Katastrophe. "Es ist gut, hier zu sein", sagte die Französin Anne Marie Royer. "Wir sind gekommen, damit der Kreis sich schließt." Die Reederei hatte die Überlebenden im Vorfeld der Gedenkfeiern aufgefordert, nicht zum Jahrestag nach Giglio zu kommen. Der Gedenktag solle den Angehörigen der 32 Menschen vorbehalten sein, die bei der Havarie ums Leben kamen – aus Platzgründen. Ein entsprechender Brief des Unternehmens hatte für Empörung gesorgt.

Ebenso empörend fanden viele, dass die juristische Aufarbeitung des Unglücks nur langsam vonstattengeht. Gegen Schettino und neun weitere Verdächtige laufen derzeit Verfahren wegen Totschlags, ein Prozess wird wohl aber erst in einigen Monaten starten.

Kurz vor dem Jahrestag war auch bekannt geworden, dass die Bergung des Schiffs länger dauert und deutlich teurer wird als ursprünglich angenommen. Die Reederei Costa Crociere rechnet nun mit Kosten von 400 Millionen Dollar (etwa 305 Millionen Euro) – das sind 100 Millionen Dollar mehr als erwartet. Auf einen Termin für das endgültige Abschleppen des Wracks vor Giglio wollte sich die Reederei nicht festlegen. Einen genauen Termin für die komplizierte Bergung zu nennen, sei "irreführend und unzuverlässig", teilte die Reederei mit. Man rechne aber mit einer Bergung noch vor Ende des Sommers.