Unglück232 Tote und viele Verletzte bei Disco-Brand in Brasilien
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Präsidentin Rousseff bricht Reise ab

Augenzeugen machten mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen für die Katastrophe mitverantwortlich. "Das war eine zu kleine Tür für so viele Leute", sagte Luana Santos Silva TV Globo. "Es war der Horror. Ich habe einen sehr engen Freund verloren", sagte eine junge Frau dem Fernsehsender Band News. "Die Notausgänge reichten nicht aus, es gab Panik, in dem Durcheinander habe ich meinen Freund aus den Augen verloren."

Die eintreffende Feuerwehr versuchte, mit Äxten und Hämmern ein Loch in die Außenwand der Disco zu brechen, um einen zusätzlichen Fluchtweg zu schaffen und um das Feuer bekämpfen zu können. Sie brauchte insgesamt fünf Stunden, um den Brand zu löschen.

Die Diskothek hatte eine Kapazität für 2.000 Menschen. Wie viele in der Nacht zum Sonntag wirklich in dem Gebäude feierten, war zunächst unklar, in Medien ist von 500, aber auch von 1.000 Besuchern die Rede. Es soll sich um eine Party von Studenten gehandelt haben. 

Präsidentin Dilma Rousseff brach ihre Teilnahme an einem internationalen Gipfel in Chile vorzeitig ab. Vor ihrer Abreise nach Brasilien sprach sie unter Tränen im Fernsehen zu den Opfern. "Ich möchte den Brasilianern und der Bevölkerung von Santa Maria sagen, dass wir in diesem traurigen Moment zusammenstehen", sagte sie. Der Gouverneur des Bundesstaates Rio Grande do Sul, Tarso Genro, sprach von einem "traurigen Sonntag".

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls an dem Gipfel in Chile teilnahm, sprach Rousseff ihr Beileid aus. Auch Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich betroffen. "Ich bin zutiefst bestürzt über dieses furchtbare Unglück und möchte den Brasilianern mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen", erklärte er.

Die Stadt Santa Maria ordnete noch am Sonntagvormittag eine 30-tägige offizielle Trauer an. Die Stadt mit rund 270.000 Einwohnern ist bekannt für ihr quirliges Nachtleben, denn sie beherbergt eine der größten öffentlichen Universitäten des Landes mit vielen Studenten.


So sind auch die Toten meist junge Menschen. Die Katastrophe schockte die Einsatzkräfte. "Ich bin 40 Jahre bei der Feuerwehr, aber eine Tragödie solchen Ausmaßes habe ich noch nicht gesehen", sagte Feuerwehrmann Moisés da Silva Fuchs.

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Leserkommentare
    • scoty
    • 27. Januar 2013 14:02 Uhr

    ausgelegte Disco und nur ein Ausgang ?

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    sind ein Wahnsinn.

    Da fehlt es wohl an feuerpolizeilichen Forderungen.

    Bzw. deren Erfüllung.

    Die Sicherheit in unseren Diskotheken beruht auf schrecklichen, ähnlichen Unfallen.

  1. Das so oft gehasste, strenge Reglement in Deutschland hat nicht nur Nachteile...

    Mein Mitgefühl allen Angehörigen, Opfern und auch den psychisch stark betroffenen Rettungskräften!

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    Es mag noch so viel über Brandschutzvorschriften, Reglementierung von Feuerwerk usw. hergezogen werden - diese für einige "typisch deutschen Beamtenstaat-Bevormundungen" sogen im Endeffekt dafür, dass solche Unglücke bei uns bisher nicht passiert sind und auch in Zukunft sehr, sehr unwahrscheinlich bleiben.

    Aus anderen Teilen der Welt, in denen man es mit derartigen Bestimmungen nicht so genau nimmt, kommt es alle paar Monate zu solchen Katastrophen. Ich erinnere mich an mehrere große Brände in Discos mit dutzenden bzw. hunderten Toten allein in den letzten paar Jahren.

  2. ...jetzt müssen internationale Brandschutz-Standards verbindlich gemacht werden. Es darf nicht sein, dass eine Veranstaltung mit Pyrotechnik zu einem solchen Brand führt. Die Bauteile (wie die Decke etc.) hatten wohl keine erforderlich Feuerwiderstandsklasse.

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  3. Es mag noch so viel über Brandschutzvorschriften, Reglementierung von Feuerwerk usw. hergezogen werden - diese für einige "typisch deutschen Beamtenstaat-Bevormundungen" sogen im Endeffekt dafür, dass solche Unglücke bei uns bisher nicht passiert sind und auch in Zukunft sehr, sehr unwahrscheinlich bleiben.

    Aus anderen Teilen der Welt, in denen man es mit derartigen Bestimmungen nicht so genau nimmt, kommt es alle paar Monate zu solchen Katastrophen. Ich erinnere mich an mehrere große Brände in Discos mit dutzenden bzw. hunderten Toten allein in den letzten paar Jahren.

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    ...aber zunächst möchte ich ebenfalls meine Bestürzung über das Unglück in Brasilien bekunden.

    Es gibt diese Impressionen oder Erinnerungen von Zügen in Argentinien, derer Türen bei schneller, aber nicht rasanter Fahrt geöffnet sind. Draußen ist es vielleicht 35 Grad, und wer jetzt möchte, kann sich auf die Bänke fläzen und die Füße hochlegen, während die erfrischende Brise durch das Abteil weht.
    Es gibt sie auch von Zügen in Bangladesh, derer Dächer kurzerhand zum zweiten Abteil verwandelt werden, und wer jetzt möchte, kann sich noch ein Plätzchen suchen oder seinen Körper aus dem Fenster baumeln lassen.
    Es gibt sie auch von zwölfspurigen Kreuzungen in Ägypten, derer Ampelschaltungen irgendetwas zwischen Dekoration und Empfehlung darstellen, und wer jetzt möchte, kann auf seinem Mofa einfach durchbrettern, Haken schlagen wie ein Hase. Wird schon schief gehen.

    Mit diesen Beispielen will ich keineswegs mangelnden Brandschutz gutheißen. Ich will auch nicht, dass der ICE von Düsseldorf nach Berlin mit geöffneten Türen weiterfährt, wenn die Klimaanlage mal wieder den Geist aufgegeben hat.
    Trotz der hiesigen Unglücksprävention, die allerorten durch strenge Vorschriften gewährleistet wird, darf man jedoch nicht vergessen, dass uns Menschen in Zentraleuropa auf dieser Zivilisationsstufe auch einiges abhanden kommt:
    Freiheitsempfinden, Körpergefühl, Kreativität, Bewältigungsstrategien.

    Kein Wunder, dass hierzulande bis zu 9 Millionen das Dschungelcamp verfolgten.

    Ja Wohl! Wir werden die Love Parade als Vorbild für uns hier in Brasilien nehmen, so dass wir solche Katastophen nach deutscher Rezept vermeiden können!

  4. haben die Türsteher von den Flüchtenden noch den zu zahlenden Betrag für Getränke usw. gefordert und haben diese deshalb wohl noch blockiert.

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    in brasilien (zumindest in rio grande do sul und in sao paulo) ist es sehr verbreitet beim betreten von bars und clubs eine sogenannte "comanda" zu bekommen, auf der von den barkeepern dann angekreuzt wird, was konsumiert wurde. vorm verlassen des clubs wird diese dann an der bar bezahlt und gestempelt.

    • chavez
    • 27. Januar 2013 17:29 Uhr

    Dass die Betreiber der Disco so blöd waren und das Spielen mit dem Feuer in einem geschlossenen Raum als "Teil der Show" zugelassen haben, ist ein klarer Zeugnis für Dummheit hoch 3. Dass aber auch der Band so blöd war und mit dem Feuer in einem Raum gespielt hat, gibt mir zu bedenken, dass dort in der allgemeinen Erziehungsmethoden der Familien etwas schief gelaufen ist. Sofern ich weiß, gab es schon einen Mal ähnlichen Fall, in dem Feuerwerkskörper in eine Disko zu einem verheerendem Brand geführt haben. Dass in eine Disco viele kleine ahnungslose Kinder hinkommen, denen einiges an Blödsinn zuzutrauen ist, sollte den Erwachsenen Betreibern der Diskos einleuchtend sein, daher sehe ich die Schuld nur bei den Betreibern der Discos. Diese haben eindeutig fahrlässig gehandelt und haben das Leben von vielen kleinen Kindern, wegen eines "Shows", bei dem sich besseres Geld verdienen lässt in Gefahr gebracht. Daher sage ich: Sperrt die kriminellen ins Gefängnis ein und lässt sie nie wieder raus.

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    • 29C3
    • 27. Januar 2013 17:44 Uhr

    Für mich ist es vollkommen unverständlich, dass man so etwas einerseits überhaupt erlaubt, und es andererseits überhaupt erwachsene Menschen gibt, die mit so was in diesen, ergo geschl. Räumen bedenkenlos hantieren.
    <a>

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  5. 4.4. Great White

    Great White, eine richtig tolle Rockband ... daran musste ich denken. Wer sich das Amateurvideo von einem ihrer Konzerte ansieht, der muss sich zwangsläufig fragen, warum irgendwo auf der Welt Feuer auf Veranstaltungen in geschlossenen Räumen legal sein kann.

    https://www.youtube.com/w...

    Schade, dass man irgendwie nichts gelernt hat.

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    Ja, das war auch die sekundenschnelle Assoziation. Ein Freund von mir war vor 10 Jahren im Club, glücklicherweise hat er mit leichten Verletzungen überlebt.

    Einfach nur furchtbar.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, rav
  • Schlagworte Angela Merkel | Dilma Rousseff | Guido Westerwelle | Band | Brand | Feuerwerk
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