Sexismus: Femen-Aufschrei in der Herbertstraße
Protest gegen Prostitution: Die Frauenrechtsbewegung Femen zog am Freitag durch die Herbertstraße auf St. Pauli. Ein weiterer #aufschrei gegen Sexismus.
Femen hätte sich eigentlich keinen besseren Zeitpunkt für den lang geplanten Sturm auf die Hamburger Bordelle aussuchen können. Dass ihr Protest gegen Prostitution in eine Woche fällt, in der in Deutschland über Herrenwitze und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und auf der Straße debattiert wird, konnten die Aktivistinnen vorher nicht wissen. Aber es passt. Aus Stuttgart, Köln, Kiel und Berlin sind sie angereist. Am Nachmittag treffen sie sich zur Vorbereitung im Frauenkulturhaus in Hamburg-Harburg.
Sie malen sich mit schwarzer Plakatfarbe "Stop Sex Slavery" auf ihre Brüste, wie immer demonstriert Femen oberkörperfrei. Für die Frauen ein Zeichen der sexuellen Selbstbestimmung, ein Zeichen der Freiheit. Und für die Kameras das Zeichen für den Auslöser: Schaut auf uns, wir wollen euch etwas sagen.
Ein bisschen aufgeregt sind sie, weil Sasha heute da ist. Sasha ist Alexandra Schewtschenko, eine der ukrainischen Gründerinnen von Femen. Schewtschenko hat als Jugendliche in der Ukraine nach einer Beschäftigung gesucht, nach einer Aufgabe. Als 16-Jährige wollte sie, dass in ihrem Land endlich über Frauenrechte gesprochen wird. Als 24-Jährige will sie nun eine weltweite feministische Bewegung anstoßen. Sie will die Herrschaft der Männer nicht aufheben, sondern umdrehen, weil sie daran glaubt, dass Frauen besser mit Macht umgehen, keine Kriege führen würden. "Warum sonst hat uns die Natur die Fähigkeit gegeben, über die Fortführung von Leben zu entscheiden?" Jetzt steht sie vor den acht Frauen aus Deutschland und schreit sie an: "Sex industry is facsism". Die Frauen schreien zurück. Aufwärmübungen. In der nach oben gestreckten Hand ein Holzstock, mit Bandagen umwickelt. Später auf der Demonstration wird der Stock dann zur Fackel.
"Ich bin freiwillig hier, ich bin freiwillig hier"
Kurz nach 18 Uhr ist die Herbertstraße noch leer, als die Femen-Frauen ihre Jacken ausziehen. Die Leuchtreklamen der Bordelle verblassen jetzt gegen das Feuer der Fackeln und das Blitzlichtgewitter der Fotografen. Nur einzelne Männer kommen hinter der Absperrung hervor. Die Barriere am Eingang der Herbertstraße, auf der jetzt eine Zigarettenwerbung prangt, wurde 1933 angebracht. Im Nationalsozialismus war Prostitution verboten, außer hier im Verborgenen. An diese Wand werden die Femen-Frauen später mit weißer Farbe "Arbeit macht frei" schmieren. Vorher laufen sie durch die Straße, in der Frauen der Zugang untersagt ist.
Normalerweise sitzen Frauen in der Herbertstraße nur in den Schaufenstern, wo jetzt verlassene Drinks stehen und Handtücher über den Stühlen hängen. Eine Prostituierte kommt kurz ans Fenster, macht ein Handyfoto von den halbnackten Frauen, die in drei Reihen ihre Plakate in die Kameras halten. Bevor sie gefragt werden kann, sagt sie schnell: "Ich bin freiwillig hier, ich bin freiwillig hier." Und: "Die prostituieren sich doch selber." Dass Femen dafür belächelt werden, weil sie sich ausziehen, ist ihnen egal. Antonia, Irina und die anderen benutzen den eigenen Körper als eine Plattform gegen die Sexindustrie und gegen das Patriarchat.
Nach wenigen Minuten sind die Fackeln heruntergebrannt und der Ruf "Die Frau ist keine Ware" verstummt. Alexandra Schewtschenkos Marsch durch die Herbertstraße war ein Schritt auf ihrem Feldzug. Die Frauen von Femen-Germany sind der Ikone aus der Ukraine hinterhergelaufen, aber sie gehen einen eigenen Weg. Zana Ramadani zum Beispiel ist nicht nur bei Femen-Germany aktiv, sondern auch seit zwei Jahren CDU-Mitglied. Öffentliches Blankziehen für eine oberflächliche Aufmerksamkeit – für sie schön und gut; aber sie will auch politisch mitarbeiten, um etwas zu erreichen. Frauenrechte sind ihr Thema. In ihrem Leben gibt es aber nicht nur das große Ziel, Prostitution verhindern und den damit verbundenen Menschenhandel eindämmen. Auch Ramadani kennt aus ihrem eigenen Alltag und aus der politischen Welt die kleinen sexistischen Bemerkungen, wie sie unter #aufschrei gesammelt werden, und wehrt sich dagegen: "Ich sag das den Männern, dass das nicht geht."
Ihre Femen-Aktion am Freitag auf St. Pauli war geplant und hat vor allem Bilder erzeugt. Der virtuelle #aufschrei dagegen entstand spontan und könnte mit seinen Tweets mittlerweile wohl das Kopfsteinpflaster der 80 Meter langen Herbertstraße ausfüllen. Letzterer hat sicherlich mehr zur öffentlichen Debatte beigetragen, doch beider Aufschrei hat dasselbe Ziel: mehr Respekt vor und für Frauen.







... jedoch ist es richtig, dass sehr viele Prostituierte Zwangsprostituierte sind. Seit der Legalisierung der Prostitution hat sich Deutschland zu einem Drehkreuz des Menschenhandels entwickelt. http://daserste.ndr.de/pa... Zudem gibt es wahnsinnig viele Armutsprostituierte, die aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks nach Deutschland kommen: http://www.dradio.de/dlf/... Vom Geld, das sie verdienen, sehen sie oft wenig. Das geht an die Zuhälter. Dass es irgendetwas schon immer gab, ist übrigens kein Argument dafür, es auch beizubehalten. Sklaverei gab es auch schon immer und ist geächtet. Der Großteil der Prostituierten in Deutschland sind ja gar keine Deutschen mehr. Warum wohl? Wenn man die Möglichkeit hat, von Hartz 4 zu leben, ist Prostitution wohl kein attraktives Feld mehr.
Katharina die Große? Maria Theresia? Elisabeth I? Unter der Herrschaft dieser Frauen wurden natürlich Kriege geführt. Mein Gott, wie kann man so naiv sein? Und wenn eine Frau lieber mit einem Mann ins Bett springt als Klos zu putzen, dann sollte sie sich dafür nicht rechtfertigen müssen. Nicht jede Frau wird mit Drogen und Gewalt zur Prostitution genötigt, es gibt nicht wenige STudentinnen, die lieber im Escort arbeiten als sich von Burger King ausnutzen zu lassen. Ich kann es zwar nicht nachvollziehen, aber ich könnte auch nicht Tiere schlachten, am Wertstoffhof arbeiten oder im Klärwerk. Und mein Öeben riskieren in gefährlichen Jobs wollte ich auch nicht. Viele Frauen sehen anscheinend nicht, dass nicht wenige Männer für sie die "Drecksarbeit" machen, für die sie sich zu schade sind und das für ein paar Kröten. Während Mami den Latte Macchiato trinkt darf die indische Reinigungskraft ruhig das Klo im Café säubern. Erniedrigung ist ein Gefühl, was mit Ausbeutung zusammenhängt, die muss nicht allein sexueller Natur sein. Und nebenbei gesagt, die Dunkelziffer der Callboys ist bestimmt höher als manche glauben, wieso sprechen eigentlich alle bei sexueller Ausbeutung nur von den Frauen?
Prostitution ist hier in Norwegen verboten. Die illegale Protitution blüht und gedeiht und einghergehend Drogen- und Menschenhandel, und das trotz Ausstiegsprogrammen und der Verfolgung der Freier durch die Justiz. Liebesdienste sind in Grauzonen abgewandert. Ein besseres Geschenk hätte man der organisierten Kriminalität nicht machen können.
"Nicht sein kann, was nicht sein darf" kann nicht ernsthaft die Lösung des Problems sein.
So heißt es in dem von mir anfangs zitierten Artikel weiter:
["Der aktuelle Leiter der zuständigen Abteilung für organisierte Kriminalität, Jörn Blicke, formuliert es vorsichtiger: "Ein sehr hoher Anteil der Prostituierten arbeitet nicht selbstbestimmt oder nicht für sich selbst." Manche Frauen werden erpresst, andere geschlagen, manche werden von ihren Partnern oder ihrer Familie dazu angehalten, und trauen sich nicht, sich zu wehren."]
http://www.zeit.de/gesell...
Wir sind noch nicht bei einem kleinen Dutzend.
Im Vergleich zu den regelrechten Schaaaren männlicher Kriegstreiber und zwar bis in unsere Gegenwart, kann ich dieses Statement einfach nicht seriös nehmen.
Zählen Sie bitte die aktuellen Kriegplätze. Allein die _augenblickliche_ männliche Kriegsrealität reicht vollkommen aus, ohne längst vergangenes Zeitgeschehen herauf zu beschwören.
Diese Vergleiche sind hanebüchen, sorry.