Neu DelhiMutmaßliche Vergewaltiger kommen vor ein Schnellgericht

Fünf der sechs mutmaßlichen Vergewaltiger der indischen Studentin sind wegen Mordes, Entführung und Vergewaltigung angeklagt worden. Ihnen droht die Todesstrafe.

Indische Polizisten stehen vor dem Gericht Saket in Neu Delhi

Indische Polizisten stehen vor dem Gericht Saket in Neu Delhi  |  © Sajjad Hussain/AFP/Getty Images

In Neu Delhi ist gegen fünf der sechs mutmaßlichen Vergewaltiger der jungen Inderin Anklage erhoben worden. Sie müssen sich wegen Entführung, Mordes und Vergewaltigung verantworten. Dies teilte ein ermittelnder Beamter in Neu Delhi mit. Die Täter sollen außerdem versucht haben, Beweismittel zu vernichten. Bei einer Verurteilung droht den fünf Männern die Todesstrafe.

Die Beschuldigten waren nicht im Gerichtssaal anwesend. Doch vor Gericht wurden Details über Alter und Herkunft bekannt. Sie sind zwischen 17 und 35 Jahre alt und stammen teils aus armen Verhältnissen. Auch die Namen der fünf Angeklagten wurden veröffentlicht. Der Name des sechsten mutmaßlichen Täters ist nicht bekannt gegeben worden, weil es sich um einen 17-Jährigen handeln soll. Sein Alter soll noch überprüft werden. Sollte er tatsächlich minderjährig sein, würde er vor ein Jugendgericht gestellt werden.

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Das Verfahren gegen die fünf Angeklagten soll vor einem neuen Schnellgericht in Neu Delhi stattfinden und nach Angaben von Nachrichtensendern bereits diesen Samstag beginnen. Ein Datum für ein Urteil ist noch nicht abzusehen.

Neue Details zum Tathergang

Die Vergewaltigung der 23-Jährigen Mitte Dezember und ihr Tod am vergangenen Samstag hatten weltweit für Schlagzeilen und Demonstrationen in ganz Indien gesorgt. Auch sind immer wieder neue Details zu den Tätern und dem Tathergang bekannt geworden: Polizei und Medienberichten zufolge traf sich die Gruppe zuerst zum Essen, bei dem viel Alkohol floss. Danach machten sie mit einem Privatbus eine Spritztour durch Neu Delhi und lockten die 23-Jährige und ihren Freund in das Fahrzeug.

In dem Bus wurde die Frau schwer misshandelt und vergewaltigt. Lokalzeitungen und TV-Sender berichteten unter Berufung auf den tausendseitigen Polizeibericht, die mutmaßlichen Täter hätten zudem versucht, das Opfer direkt nach der Tat mit dem Bus zu überfahren. Ihr Freund habe sie gerade noch rechtzeitig wegziehen können.

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Leserkommentare
  1. Ihren Pessimismus kann ich in keinster Weise nachvollziehen.
    Ich für meinen Teil kann mir sehr gut vorstellen, dass in nicht wenigen Fällen, durch die starke Medienpräsenz in Indien selber und den starken Demonstrationen, Dämme gebrochen werden. Das gerade sehr viele sich anfangen zu trauen, über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen. Das auch jene, die schon die Ahnung hatten und das bedrückende Gefühl, meinem Mitmenschen, meiner Geliebten, meinem Bekannten wurde Gewalt angetan, nun endlich mit Gewissheit diesen Menschen in den Arm nehmen können, Hilfe geben können, beistehen. Die Aufhebung des Tabus ist einer der ersten und wichtigsten Schritte. Den hat Indien getan. Ich muss ehrlich gestehen, ich bin froh, dass ich solch ein historisches Ereignis erleben darf.
    Und hoffe, so schwer der Weg jetzt werden wird, die aufgebrochenen Gefühle und Wünsche in eine gesellschaftliche Realität zu überführen, das die indische Gesellschaft davon nicht so schnell abbringen lassen wird.

    4 Leserempfehlungen
    • hh59
    • 03. Januar 2013 17:26 Uhr

    Ich stimme Ihnen zu, aber ich kann hier an der Unschuldsvermutung nichts paradoxes finden.
    Ich bin ueber die Umstaende der Verhaftung sowie der Identifizierung der Taeter nicht auf dem Laufenden, aber grundsaetzlich ist auch hier eine Verwechslung oder Falschbeschuldigung nicht ausgeschlossen.
    Auch ist nicht klar wie die Struktur der Taetergruppe ist, also ob es Anstifter, Raedelfuehrer, Zwang, Mitlauefertum etc. gab. All dies sind Details, die unbedingt in einem rechtstaatlichen Verfahren geklaert werden muessen, insbesondere da es unklar zu sein scheint ob zumindest ein Angeklagter strafrechtlich minderjaehrig ist.

    Man kann es in diesem Zusammenhang nicht oft genug sagen: Ein rechtsstaatliches Verfahren und die Befolgung aller formalen Rechte der Angeklagten, gerade im Falle besonders grausamer Vebrechen, ist die Garantie fuer eine freie und offene Gesellschaft.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mutmaßlich"
  2. 11. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit Ihren Kommentaren zum konkreten Artikelthema. Danke. Die Redaktion/kvk

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  3. Ich kenne kaum Details zu der Tat, will sie auch nicht wirklich kennen, aber wenn sechs Männer dabei waren, dann ist es doch recht wahrscheinlich, dass sich deren Beteiligung an der Tat unterscheidet. Einer der sechs hat vielleicht "nur" den Freund der armen Frau im Schwitzkasten gehalten, damit die anderen fünf um so gezielter auf sie losgehen konnten. Zudem sollte ein guter Tatrichter schon versuchen, zu ermitteln, welche der Täter der Frau die besonders schweren und am Ende wohl zum Tode führenden inneren Verletzungen beigebracht haben (anderen Berichten zufolge wurde sie auch mit Eisenstangen malträtiert), oder anderweitig versuchten, ihr zu schaden (der Bus soll versucht haben sie zu überfahren), und/oder dazu aufforderten.

    Was ist mit dem Mann, der aus dem Bus geworfen wurde, weil er nicht mitmachen wollte? Hätten sich auch andere rauswerfen lassen können? Oder hätten die aufgrund dessen, wie der erste Mann rausgeworfen wurde, ihrerseits um Leben und Gesundheit fürchten müssen? Hat ein Täter zwischendurch vielleicht auch mal gesagt: "Es ist genug, lasst die Frau am Leben"?

    Es geht bei solchen Fragen nicht um Mitleid mit den Tätern. Wer treibend hinter solchem Gräuel steht, gehört sehr hart bestraft. Aber es geht um Gerechtigkeit. Wer von der Gruppe genötigt wurde, mitzumachen, gehört vielleicht nicht ganz so hart bestraft, wie die Rädelsführer.

    Jag

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  4. Die Opfer gehören zur modernen, aufstrebenden Mittelschicht. Diese will sich ihre erreichte Position sichern. Dafür braucht sie eine funktionierende Polizei, damit jegliche Delikte verfolgt werden. Und eine tätige Justiz, damit die Täter bestraft werden. Archaisches Denken stört die Entwicklung der Mittelschicht. Deshalb gibt es jetzt diese Demonstrationen.

    Es gibt nicht nur die Forderung nach einem Schnellverfahren. Es gibt auch Forderungen gegen die Korruption der Polizei, welche den Rechtsstaat aushöhlt. Für die Demonstranten geht es um mehr als den Einzelfall.

    In vielen Fällen verläuft sich ein Aufruhr. So gab es im März 2012 eine Demonstration in Marokko, weil eine 16-jährige nach einer Vergewaltigung ihren Vergewaltiger heiraten musste und Suizid beging (http://derstandard.at/133... und besser http://www.zeit.de/gesell...). Das Gesetz sollte geändert werden, aber man liest nichts mehr darüber. Es gibt offensichtlich keine Demonstrationen mehr.

    Aber Indien ist eine Demokratie mit NGOs, die Entwicklungen verfolgen und Änderungen einfordern. Wir wissen durch den Wandel unserer Gesellschaft nach „dem Kriege“, dass sich Einstellungen nur langsam ändern. Aber wenn ein Gedanke die Öffentlichkeit überzeugt und von NGOs getragen wird, dann wird er unaufhaltsam.

    Der Anlass für die nächste Demo kann schon ein Zeitungsartikel oder der Aufruf einer NGO sein.

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  5. Schnellgerichte sowie die zumind. gesetzliche Möglichkeit, Täter hinzurichten, mögen 2013 schon antiquiert anmuten (was zu Indien leider pass), aber das Problem liegt doch viel tiefer. Rein menschlich kann ich den Ruf nach Todesstrafe für so eine Tat nachvollziehen. Bloß frage ich mich, ob dadurch echter Fortschritt erreicht wird.
    Im indischen Lebensalltag - zumind. in dem der einfachen Bevölkerung - haben Frauen bzw. Töchter de facto wenig Wert. Kastendenken, Familienehre, Mitgift im Hochzeitsfall - all dies sind äußerst zweifelhafte Traditionen. Die althergebrachte Minderwertigkeit der Frau in Indien wird auch nicht durch Schnellgerichte für diese Täter verschwinden. Hier ist neues Denken in der indischen Gesellschaft gefragt. Werden die internationalen Medien noch ihren Fokus auf die Frauen Indiens richten, wenn die Täter erstmal gehängt oder auf ewig weggesperrt sind?
    Indien mag als Volkswirtschaft sehr laut an die Türen der Ersten Welt klopfen, doch haben wir es nach wie vor nicht mit einem modernen Land zu tun. Immerhin - die Lage der Frauen in Indien wurde vielen Menschen in anderen Teilen durch dieses grausige Verbrechen erst einmal richtig bewusst. Wäre zu hoffen, dass der Tod dieser Frau zu einem Umdenken führt. Sinnlos war ihr Tod so oder so, aber wenn er aufrütteln könnte ... Hoffnung ist erlaubt, aber ich würde diee Hoffnungen nicht zu hoch hängen. Leider.

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  6. Es gibt eine 1000-seitige Anklageschrift. Das Schnellverfahren soll etwa 2 Monate dauern. Doch kein Anwalt will Verteidiger sein. Das Gericht wird einen benennen müssen. Der Prozess würde an Legitimität gewinnen, wenn dieses ein sehr angesehener und umtriebiger Strafverteidiger ist.

    Selbst wenn das Urteil mit den Forderungen der Straße übereinstimmt, muss es doch als gerecht und nachvollziehbar erscheinen. Auch der Rechtsweg bis zur Forderung nach Begnadigung muss den Tätern offen stehen.

    Selbst wenn die Täter das Gesetz kannten, so wussten sie auch von der Verschleppung der Verfahren durch die Polizei. Es war eine Wette auf Nichtverurteilung. Mit dem Aufstand der Bürger konnten sie nicht rechnen. Deshalb dürfen sie auch nicht für nicht ergangene Verurteilungen büßen. Allein ihre Taten dürfen bewertet werden, was schwer genug wiegt.

    Für den Sinneswandel in Indien wäre es vorteilhaft, wenn die Täter ihre Taten eingestehen und Reue zeigen, weil dann viele Männer zum Umdenken gezwungen werden. Eine Todesstrafe macht die Ereignisse zu schnell vergessen, weil sie alles abschließt. Bei einer langen Haftstrafe kann man den Fall anhand der Täter immer wieder aufrollen und die gesellschaftliche Entwicklung bewerten.

    Ebenso fördert ein langer Prozess und Rechtsweg durch die Berichterstattung eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Vergewaltigungen. Es geht hoffentlich nicht nur um die Verurteilung dieser Täter, sondern um die Verhinderung zukünftiger Vergewaltigungen.

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  7. Hoffentlich werden auch die richtigen verurteilt. Es mutet zu klischeehaft an: Die Vergewaltiger kommen aus der Unterschicht und das Opfer aus der Oberschicht.

    Meine Frage ist: Wie viele Frauen werden aus der Unterschicht von der Oberschicht ohne Aufstand vergewaltigt?

    2 Leserempfehlungen
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    Mit der Rechtsstaatlichkeit ist es in Indien nicht weit her, wie dieser Fall deutlich zeigt. Und Schnellgerichte sind auch das Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit. Bedenklich finde ich ihr "Klischee"-Argument. In Indien Angehöriger der Unterschicht zu sein, ist sicher ein erbärmliches Los. Das berechtigt aber - so meine ich - nicht zu Vergewaltigungen, ganz gleich welcher Schicht das Opfer angehört.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sk
  • Schlagworte Alkohol | Alter | Bus | Demonstration | Entführung | Essen
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