Vorurteile : Migrant erster Klasse

Weil sein Vater Brasilianer ist, gilt Philipp Alvares de Souza Soares als interessant. Aber auch schmeichelhafte Klischees sind hohl.

Ich habe erst spät gemerkt, dass ich nur ein halber Deutscher bin. Als ich ungefähr acht war, Anfang der neunziger Jahre, gab es eine Kampagne: "Mein Freund ist ein Ausländer." Meine Grundschullehrerin nahm das zum Anlass, mit uns über das Thema zu sprechen. Für mich waren die ausländischen Kinder in der Klasse bis dahin Waldemar und Elnaz. Ich war mir meines Andersseins nicht bewusst.

Mein Vater ist Brasilianer, meine Mutter Deutsche. Aber in die Kategorie "Ausländer" wollte ich nicht gehören. Sie war mit dem Wort "Problem" verknüpft. Kinder spüren sehr genau, welche Gefühle mitschwingen, wenn Erwachsene bestimmte Begriffe benutzen. Die Abneigung zeigt sich in Tonfall und Gestik. Sie kommt in Tarnfarben daher.

Das Wort ist noch immer negativ besetzt. Auch die Floskel "Menschen mit Migrationshintergrund“ erzeugt keine besseren Assoziationen. Jeder denkt sofort an türkische Parallelgesellschaft, Armut, Neukölln. Wenn in Zeitungen oder Studien die Rede von Migranten ist, sind meist diejenigen gemeint, die Probleme haben, gefördert werden müssen, benachteiligt sind oder von Nazis bedroht werden. Dabei steht der Begriff inzwischen für 16 Millionen Menschen in Deutschland aus über 180 Ländern – und ihre hier geborenen Nachkommen. Eine sehr heterogene Gruppe also.

Rückblickend wird schnell klar, warum ich mich nicht wie die anderen Ausländerkinder fühlte. Ich sehe schon nicht so aus, habe keinen Akzent. Außerdem wurde ich als Deutscher erzogen, sendete also Signale der Zugehörigkeit.

Aber was noch viel wichtiger ist: Brasilianer – sofern sie helle Haut haben – gelten als wertvoller als etwa Türken und Albaner, und sogar als Polen, die doch aus einem Nachbarland kommen und auch Christen sind.

Mit den Brasilianern teilen die Deutschen keine durch Kriege belastete Vergangenheit, dafür gibt es viele Klischees vom tropischen Paradies, Samba tanzenden Bikinischönheiten und genialen Fußballspielern. Ok, es gibt Armut, die Favelas – aber die Menschen scheinen doch trotzdem so glücklich zu sein! Es ist leicht, so ein Abziehbild zu mögen.

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Kommentare

166 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

@Gruppen

In meinem Beitrag wollte ich eher darauf hinaus, dass Interesse, Sympathie nie fair und gleichmäßig verteilt sind. Ich kann daraus auch nichts Schlimmes erkennen: Odessa hört sich halt cooler an als Dnjepropetrowsk.

Da kann man sich den Kopf zerbrechen, oder es akzeptieren, dass es nicht fair zugeht. Warum werden Somalis tendenziell als "schön" wahrgenommen und andere Leute nicht - nur weil sie kleiner und stämmiger sind - gerecht ist halt nicht. Ich glaube bloss nicht, dass jemand seinen Rassismus kaschieren will, wenn er erfreut ausruft: "Eyy Rio, da will ich unbedingt hin." Soll ich mich jetzt grämen, weil die Stammheimat meiner Mutter eher die gegenteilige Reaktion (Ach ja, darum musst du da hin!") auslöst?

Und zu Gruppenurteilen. Das ist immer komplex. Hier hat keiner schlimme Erfahrungen mit Brasilianern, in Brasilien sieht es vermutlich anders aus. Oder mal ganz was wildes: Wenn man deutschstämmige Sinti und Roma, die hier ein Geschäft haben, über Sinti und Roma aus Rumänien reden hört, fällt einem auch nichts mehr. Kompliziert eben.

Was ich jedoch absurd finde: In den Medien wird non stopp gefordert "Islamisten? Bomben druff!" und dann wundert man sich, dass die Stimmung gegenüber Muslimen leidet.

Darum geht es doch garnicht ein erster Linie

es zeigt nur das Mann oder Frau in DEUTSCHLAND:

Menschen aller Religionen mit Hilfe des Staates es zur was bringen können und wenn es mal nicht klappen sollte läßt die Regierung einem nicht fallen.

Die die Erfolgreich geworden geben es natürlich zurück indem Sie z.B. MB,BMW oder Audi fahren und sich einen Einfamilienhaus kaufen oder auch in ihr Geschäft investieren.

Stück für Stück arbeitet man sich dann Hoch und dies kann nur ein positives Signal für Deutschlands Ansehen auf der Erde bedeuten.
Vor allen Dingen läßt dies euere Geschichte in den Schatten.
Auch ein positiver Signal Deutschland.