MissbrauchsstudieKirche geht gegen Pfeiffer vor

Die Katholische Kirche wehrt sich per Unterlassungserklärung gegen die Zensurvorwürfe des niedersächsischen Kriminologen. Er soll diese nicht mehr wiederholen.

Die Auseinandersetzungen zwischen der Katholischen Kirche und dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) beschäftigt nun auch die Anwälte beider Seiten. Auslöser des juristischen Streits sind die Zensurvorwürfe, die Christian Pfeiffer gegen die Kirche erhoben hat.

Diese soll der Kriminologe nun künftig nicht mehr verbreiten dürfen. Dazu will ihn die Kirche per Unterlassungserklärung zwingen. Pfeiffer selbst teilte in Hannover mit, dass er ein entsprechendes Schreiben erhalten hat.

Anzeige

Zunächst, so der Forscher, sehe er "keinen Anlass", um von seiner Position abzurücken. Allerdings will er sich nach eigenen Angaben noch juristisch beraten lassen.

"Ein Gutachten nach ihrem Geschmack"

Die Vorwürfe hatte Pfeiffer erhoben, nachdem die Kirche den Vertrag mit seinem Institut über ein umfangreiches Forschungsprojekt zum jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch vorzeitig aufgekündigt hatte. Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, bezeichnete das Vertrauensverhältnis zum KFN als "zerrüttet".

Pfeiffer zufolge hat die Kirche darauf bestanden, sowohl über die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse als auch über die Auswahl der beteiligten Mitarbeiter mitbestimmen zu wollen. Zudem seien in mehreren Diözesen Missbrauchsakten vernichtet worden. Der Passauer Neuen Presse sagte er: "Die katholische Kirche wollte offenbar ein Gutachten ganz nach ihrem Geschmack."

Dies wollte die Bischofskonferenz nicht so stehen lassen. "Es ist falsch und irreführend, uns den Vorwurf zu machen, wir würden die Freiheit der Wissenschaft nicht respektieren", sagte ihr Sprecher Matthias Kopp im Mannheimer Morgen. Der Wechsel des Projektpartners habe "ausschließlich persönliche Gründe im Zerwürfnis mit dem Projektleiter".

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Per Unterlassungserklärung will die Kirche also verbieten, dass jemand sagt sie zensiere die freie Meinungsäusserung.

    43 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TiSch73
    • 10. Januar 2013 12:36 Uhr

    Verleumdungen sind kein Ausdruck der freien Meinung.

    Auf den ersten Blick haben Sie Recht mit Ihrem ironischen Blick.

    Streng juristisch allerdings behauptet Pfeiffer Tatsachen, nicht seine Meinung. Die Grenze dazwischen ist zwar fließend, aber juristisch entscheidend. Kann er die Tatsachen nicht beweisen, wird gerichtlich die Unterlassung angeordnet.

    Die Kirche sollte aber über den Behauptungen stehen und nicht mit schärfstem Schwert zurückschlagen. Das gerichtliche Vorgehen zeugt nicht von Souveränität.

    • sfgrw
    • 10. Januar 2013 15:11 Uhr

    wem man Macht gibt.
    Ich gebe dem Gottleutnant und seinen Heerscharen keine.
    Austritt in Frömmelländern kostet so um die 30€, in den säkularen Bundesländern geht's auch kostenlos.
    In Herrgotts Namen, bei entsprechend konsequentem Handeln der Mehrzahl sind dann Gottseidank diese Debatten vorbei.
    Die RKK hätte dann genügend Zeit für eine Nabelschau.
    Katholische Kirche und Aufklärung ist nicht erst seit den aufgedeckten Vergewaltigungen von Kindern ein Antagonismus.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au

    Eine Leserempfehlung
  3. Auch wenn die Aufarbeitungsstudie nicht zustandekommt, ist die Ganze Sache doch nützlich und erhellend, zeigt die Kirche doch einmal mehr ihr wahres Gesicht.

    21 Leserempfehlungen
    • TiSch73
    • 10. Januar 2013 12:36 Uhr

    Verleumdungen sind kein Ausdruck der freien Meinung.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nicht frei von Ironie"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie viel Freiheit wollen wir wagen? Die Erde als Scheibe, Zweifel am einzigen Gott, Priester, die mit Knaben die Matratze teilen? Darf man es nur glauben, oder darf man es auch sagen? Hinaus gehen in die Welt und das wahre Wort verbreiten?

    Die Kirche hat sich den medial oft präsenten Kriminologen Pfeiffer ausgesucht. Sicher war hier das Kalkül mit dem prominenten Forscher eine "Marke" zu finden, die medial und glaubhaft wirkt.

    Was Pfeiffer gesagt hat, und warum sollte er unsinn verbreiten, klingt sehr nach Untersuchung von Gnaden der Kirche.

    Hier geht es wohlgemerkt nur um eine externe Untersuchung, nicht um Anerkennung, Strafverfolgung oder Entschädigung.

    Das Verhalten der Kirche mit diesem Thema ist immer wieder eins: ein Schlag ins Gesicht der Opfer, aber die sollen ja, getreu der Religion, immer ihre Backen, nein jetzt Wangen, hinhalten...

    Aber der Konsument hat es in der Hand: Austritt. Bei jeder blöden Bohrinsel, man denke an Brent Spar, gibt es mehr Volkszorn, aber wenn es um sexuelle Straftaten und den Umgang mit dem Thema, den Tätern und der Strafverfolgung geht, da bleiben wir alle schon zu Haus..

    ist es denn eine Verleumdung, oder berichten wir hier über den Vorwurf einer Verleumdung.
    Am besten zu klären, wenn damit absolute Transparenz mit neuem Untersuchungsausschuss aufgestellt wird.
    Es müffelt schrecklich nach Manipulation.
    Es könnte auch der bekannte Maulkorb vermutet werden, der erstmal greift und bis die gerichtliche Untersuchung durch ist, verschwindet es aus dem Focus der Bevölkerung. Es gibt auch politische Parteien, die nach dem selben Verfahren agieren. Erfolgreich - bis die dann doch bestätigende Wahrheit bekannt wird, interessierts kein Schwe.n mehr.
    Alles bingo oder was?

    • cielo
    • 10. Januar 2013 12:37 Uhr

    kann beginnen, die kath. Kirche wirft wie wild um sich...
    Nach Mertes und dem Aufkündigen einer wissenschaftl. Untersuchung bleibt der Kirche nur noch Schlamm.
    Ich finde es so schade, dass keiner der Kirchenoberen etwas anderes möchte als dieses uralte Prinzip des Verurteilens und Gegnervernichtens.
    Angst vorm Wandel? Warum? - Machtverlust!!!

    Machtbesessene alte Männer, weiter nichts!

    11 Leserempfehlungen
  4. Wie viel Freiheit wollen wir wagen? Die Erde als Scheibe, Zweifel am einzigen Gott, Priester, die mit Knaben die Matratze teilen? Darf man es nur glauben, oder darf man es auch sagen? Hinaus gehen in die Welt und das wahre Wort verbreiten?

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Verleumdungen "
  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

  6. 8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/au

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, kg
  • Schlagworte Kirche | Katholische Kirche | Wissenschaft | Bischofskonferenz | Diözese | Mannheimer
Service