Sexueller Missbrauch : Katholische Kirche stoppt Missbrauchsstudie

Der Missbrauchsskandal der Katholischen Kirche wird vorerst nicht weiter untersucht. Bischöfe und Forscher überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen.

Das Forschungsprojekt zur Untersuchung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ist vorerst gescheitert. Wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte, wurde der Vertrag mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) "aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung" gekündigt. Die Kirche suche nun einen "anderen Vertragspartner" für die Fortsetzung der Studie.

Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und das Forschungsinstitut hatten im Juli 2011 das Projekt vertraglich vereinbart. Laut KFN war es als weltweit umfassendste Untersuchung zu dem Thema angelegt. Akten aller Diözesen sollten teilweise seit Kriegsende auf Missbrauchsfälle untersucht und sämtliche Opfer schriftlich befragt werden. Zudem waren vertiefende Interviews mit Opfern und Tätern geplant.

Die Bischofskonferenz spricht nun von einem zerrütteten Vertrauensverhältnis zwischen dem Direktor des KFN, Christian Pfeiffer, und den deutschen Bischöfen. Dessen Kommunikationsverhalten gegenüber der Kirche habe eine weitere konstruktive Zusammenarbeit verhindert. VDD-Geschäftsführer Hans Langendörfer nannte das Vertrauensverhältnis zu Pfeiffer "zerrüttet".

"Inakzeptable" Einflussnahme der Kirche

Pfeiffer seinerseits erhebt schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche. Das Projekt sei "an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Entgegen der ursprünglichen Vereinbarung habe die Kirche darauf beharrt, über die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse sowie über die Auswahl der beteiligten Mitarbeiter mitbestimmen zu dürfen.

Der Zeitung zufolge wollte der VDD die Vereinbarungen mit dem Forschungsinstitut dahingehend ändern lassen, dass die Kirche letztlich darüber hätte bestimmen können, ob die Ergebnisse veröffentlicht oder nie bekannt werden. Pfeiffer nannte dies im ZDF-Morgenmagazin "inakzeptabel". Gegenüber der SZ kritisierte er, dies sei "Auftragsforschung" und "unvereinbar mit der Freiheit wissenschaftlicher Forschung".

KFN kündigt eigene Studie an

Pfeiffer berichtete auch über Hinweise aus der Kirche, wonach in mehreren Diözesen Missbrauchsakten vernichtet worden seien. VDD-Mann Langendörfer widersprach dieser Darstellung. "Für eine Vernichtung von Täterakten habe ich keinerlei Anhaltspunkte", zitiert ihn die Süddeutsche.

So wie die Kirche will nun auch der Kriminologe das Projekt eigenständig weitertreiben. Pfeiffer rief die mutmaßlichen Missbrauchsopfer zudem auf, sich nun freiwillig zu melden, um das Projekt fortführen zu können. Dazu sollten entsprechende Fragebögen verschickt werden.

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Kommentare

244 Kommentare Seite 1 von 34 Kommentieren

Da wurde wohl die Reißleine gezogen

Laut Tagesschau http://www.tagesthemen.de... war der Wille zur Aufklärung bei einigen durchaus vorhanden , aber "größere Mächte" haben das erfolgreich verhindert ;)denn laut Spiegel war -
Zitat: "Vorbild der Untersuchung war eine Erhebung in München: Dort hatte eine Juristin Personalakten durchgesehen - und neunmal mehr Missbrauchsfälle identifiziert, als sie vorher dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums bekannt geworden waren." aus
http://www.spiegel.de/pan... was sich auf diese Untersuchung bezieht :
http://www.spiegel.de/pan...

Ihr Kommentar ist zynisch

Weder die Menschen, die in der Vergangenheit einen sexuellen Missbrauch durch Mitarbeiter der rkk durchlitten haben, noch die, die vermutlich jetzt gerade darunter leiden und von der Kirche geschützt werden, können 359 warten.

Und falls das Ganze ironisch gemeint war, dann ist es trotzdem nicht richtig. Da wurden und werden die Leben von Kindern nachhaltig zerstört.

@173 Danke für den Hinweis

Ich muss bei Ihnen Abbitte leisten, ich war zu vorschnell in einen Schlussfolgerungen. Wenn Sie recht haben, dann müssen wir nur bis zum Jahr 2372 warten und die Opfer des Kindesmussbrauchs in der katholischen Kirche werden "rehabilitiert", vielleicht indem die n auftrag gegebende Studie vervöllständigt und veröffentlicht wird.

Nochmals Dank für die den historischen Hinweis.

re: 8. Der "Typ" hat

Ich bitte Sie, selbst Herr Pfeiffer hat mittlerweile eingesehen, dass seine Studien ziemlich mau sind und ist in letzter Zeit davon abgerückt, einen Zusammenhang zwischen Gewalt und Konsum von Medien herzustellen. Ob es nun echte Einsicht oder nur Angst um die eigene Reputation ist, aber es spricht nicht gerade für einen Rückhalt in "fachlich kompetenten Kreisen". Er hat sich nun der verbreiteteren Meinung angeschlossen, dass soziales Umfeld / Familie und psychische Erkrankungen als Ursache gesehen werden können.

Meine Rechtschreibung war schon immer schlecht.

Nebenbei war ich schon lange mit der Schule fertig als WoW herauskam. Und ich spiele es auch nicht.

Seine Arbeiten zu Computerspielen wurden auch schon oft genug kritisiert und jemand der dort haufenweise Fehler macht, muss auch damit rechnen das seine Reputation auch in anderen Gebieten leidet.

So sehr ich die RKK auch kritisiere mit Pfeiffer hat man sich doch eine sehr polarisierenden Menschen ausgesucht.

Wer sagt mir denn, das er in diesem Bereich gute Arbeit geleistet hat?

Das wird schn so lange vertuscht und das geht auch so weiter

... nun da wird kein Staatsanwalt ermitteln ... verjährt und vor allem Frist für Straafantrag (3 Monate) versäumt ... nett gedacht, aber das alles wird schon so lange diskutiert, verschleiert und vertuscht (vgl. http://www.regensburg-dig...) . So wurde der Missbrauchsantrag eines ehemaligen Domspatzen zunächst nicht bearbeitet; auf Anfrage von Alois Glück bei Bischhof Ackermann, meldete sich dann doch die Leiterin der katholischen Familientherapie Regensburg, Frau Dr. Böhm beim Antragsteller, um ihm mitzuteilen, das sie keine sexuellen Motive bei den Missbrauchshandlungen des Präfekten erkennen könne. Durch die Blume drohte sie dem Antragsteller mit rechtlichen Konsequenzen (und bot ihm natürlich unentgeldliche Therapiesitzungen bei ihr in Regensburg an).