RechtsextremismusMagdeburger verhindern Nazi-Aufmarsch in Innenstadt

Mit einem Straßenfest und mehreren Gegendemonstrationen haben die Magdeburger den Verlauf eines Neonazi-Marsches verändert. Dabei kam es vereinzelt zu Ausschreitungen.

Mit einem Straßenfest und einer Reihe von Gegendemonstrationen haben die Einwohner Magdeburgs einen Aufmarsch von Neonazis in der Innenstadt verhindert. Etwa 800 Rechtsextremisten mit schwarzen Fahnen mussten stattdessen durch den Stadtteil Salbke am südlichen Rand der Stadt ziehen.

Im Zentrum Magdeburgs beteiligten sich Tausende an dem von der Stadt organisierten Straßenfest "Meile der Demokratie". Zudem hatten linke Gruppierungen und die evangelische Kirche zu Gegendemonstrationen und Blockaden gegen Rechtsextremismus aufgerufen.

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Noch vor Beginn des Neonazi-Aufmarsches zum 68. Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg kam es zu ersten Zwischenfällen. Wie die Polizei mitteilte, wurden aus einer Gruppe von 150 bis 200 Gegendemonstranten Flaschen auf die Polizei geschleudert. Bei einem anderen Protestzug wurden nach Angaben von Augenzeugen vereinzelt Rauchbomben und Feuerwerkskörper gezündet.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot von deutlich mehr als 2.000 Beamten aus insgesamt zehn Bundesländern im Einsatz. Es war einer der größten Polizeieinsätze in der Geschichte Sachsen-Anhalts.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) lobte die rege Beteiligung der Menschen und die friedliche Stimmung. "Wir wollen damit zeigen, die Stadt gehört nicht den Rechtsextremen", sagte er. "Wir wollen in Magdeburg rechtem Gedankengut keinen einzigen Fuß breit Platz bieten."

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Leserkommentare
    • RobioZ
    • 12. Januar 2013 15:28 Uhr

    Ohne die politische Agenda von Rechtsextremisten beschönigen zu wollen: Die Überschrift des Artikels legt nahe, dass die Ausschreitungen auf der Demo der Rechtsextremisten stattgefunden hätten, während es - mal wieder - die Antifa war, die die Polizei angegriffen hat. Solche stark missverständlichen Formulierungen passieren auffällig häufig, wenn mal wieder irgendwo Rechtsextreme demonstrieren, ich würde mir wünschen, dass die Redaktion darauf in Zukunft stärker achtet.

    Zum Inhalt des Artikels: Gerade der Umstand, dass ein Fest unter dem Titel "Meile der Demokratie" durch gewaltsame Ausschreitungen gegen eine demokratische Willensbekundung überschattet wird, ist tragisch und zeigt, dass der Kampf um die Wahrung demokratischer Grundrechte weiter geführt werden muss.

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    "demokratische Willensbekundung"? Gehts noch?

    Da marschieren über 1000 Neofaschisten durch Magdeburg und realitivieren die Schrecken des dritten Reichs und die Kriegsschuld der Deutschen (nicht der Nazis, wohlgemerkt sonder der Deutschen). Mit Demokratie hat diese Willensbekundung ungefähr soviel zu tun wie die BFE-Einheiten mit "Freunden und Helfern"

    Die Polizei, die diesen Gegenden leider allzu oft Gesinnungsgenosse der Rechtsextremen ist, schützt leider ebenso allzu oft recht einseitig. Und würde man hier das Geschehen aus Sicht der Gegendemonstranten drucken, stünde hier sicher eine andere Geschichte.
    Man kann den Gegendemonstranten nur dankbar sein, dass sie die Courage aufbringen sich gegen die Demokratiefeinde zur Wehr zu setzen. Und wenn das die Polizei mit einschließt, dass sei es so.

    Zur Erinnerung - Rechtsextreme haben seit der Einheit ca. 150 Menschen ermordet, linkextreme (genauer: die inzwischen aufgelöste RAF) ermordeten einen Menschen. Das sollte klar stellen von wem hier mehr Gewalt ausgeht.

    • dachsus
    • 12. Januar 2013 17:09 Uhr

    ... der sich fragt, warum 2 gegensätzliche Demonstrationen am gleichen Tag genehmigt werden müssen.
    Jeder kann für alles demonstrieren, aber das kann man doch zeitlich um einige Tage trennen. Das folgende Wochenende wäre für die Gegendemonstration doch früh genug gewesen.
    Dann begegnet sich keiner, man muss nicht darüber berichten und weder linke noch rechte Extremisten bekommen einen Platz in der Presse...

    Dass der braune Sumpf in Deutschland wieder solche Ausmaße erreicht, ist eine Schande für unser Land.

    • peter.n
    • 12. Januar 2013 19:26 Uhr

    Auf einmal hat sich der Titel geändert. Nur sind jetzt die Schlagwörter "Rechtsextremismus" und "verhindert" zusammengesetzt, also mit positiver Assoziation - nichts mehr von "Gewalt".

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine differenzierte Argumentation und diskutieren Sie zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/jp

    "Gerade der Umstand, dass ein Fest unter dem Titel 'Meile der Demokratie' durch gewaltsame Ausschreitungen gegen eine demokratische Willensbekundung überschattet wird, ist tragisch und zeigt, dass der Kampf um die Wahrung demokratischer Grundrechte weiter geführt werden muss."

    Es sollte besser heißen: "...das der Kampf um die Wahrung demokratischer Grundrechte a n d e r s geführt werden muss."

    Denn bei Wahrnehmung von M e i n u n g s f r e i h e i t muss

    1. jedwede Meinung öffentlich ausgedrückt und zur Diskussion gestellt werden können,

    2. man darauf vertrauen können, dass sich Wahrheit (das ist das, was sein soll) stets durchsetzen wird.

    Eine Wahrheit, die ex cathedra oder mittels Verbot erlassen wird, ist keine Wahrheit. Ihre "Erlass" ist Kern nichts anderes als ein Diktat der Macht, mit der Diktaturen in aller Welt bestimmen, was wahr ist und was falsch...

    @dachsus: Die linke Kundgebung (keine Demonstration!) wurde in einem recht weiten Abstand zu jenem Demonstrationszug der Rechten genehmigt. Der daraufhin folgende linke Demonstrationszug wurde vor Ort als spontane Demonstration angemeldet und fand deshalb auch auf einer festgelegten Route statt. Jedoch wurde dieser Zug, obwohl er soweit ich das erkennen konnte friedlich auf der festgelegten Route verlief, von Einsatzkräften der Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray niedergeschlagen und beendet. Das die Teilnehmer danach nicht mehr gut auf die Einsatzkräfte zu sprechen sind, sollte wohl jeder verstehen.

    Auch als sich dann eine weitere spontan angemeldete Kundgebung ergeben hat, welche die Einsatzkräfte bewusst auf zwei Stunden hingezogen hat (Absprache der neuen Route), wurden die Menschen bewusst zur Eskalation bewegt, in dem sich immer wieder Polizisten in Angriffsstellung und in Reihe vor die Demonstranten gestellt haben, jedoch immer nach etwa zehn Minuten wieder verschwunden sind.

    Als dann eine alternative Demonstrationsroute genehmigt wurde zum Hauptbahnhof, wurde auch diese kurz davor niedergeschlagen.

    Ich möchte nicht beschönigen, dass es auch bei Linken Menschen gibt, die nur auf Krawall aus sind, aber das berechtigt die Einsatzkräfte in keiner Weise derart unangemessen und gewaltsam vorzugehen.

    • khasar
    • 12. Januar 2013 15:32 Uhr
    2. @1

    Ja die Armen Neonazis die keiner Fliege was zu Leiden tun könnten werden beschuldigt, was für eine Schweinerei von der Presse .

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    Irreführende Berichterstattung gehört sich nicht, auch rechstextremen Gruppierungen gegenüber nicht - denn das ist genau DEREN Methode.

    • khasar
    • 12. Januar 2013 15:34 Uhr
    3. und

    Die demokratischen Grundrechte können nur die Neonazis wahren nicht die aggressiven Antifaschisten .
    Ich muss Kotzen

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    Es ist nun mal so, daß die "Neonazis" klug genug sind, keine Gewalt anzuwenden.

    • khbk
    • 12. Januar 2013 15:34 Uhr

    bei solchen Zusammenstößen gewöhnlich die Gewalt ausgeht. Bestimmt nicht von den bösen Rechten.

    11 Leserempfehlungen
    • khasar
    • 12. Januar 2013 15:37 Uhr
    5. @4

    Natürlich von den Bösen Demokraten .

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    • khbk
    • 12. Januar 2013 15:42 Uhr

    "Demokraten" würde ich dieses Klientel, welches mit Gewalt eine Demonstration verhindern will, ja nicht gerade nennen. Auch der Name "Meile der Demokratie" ist in diesem Zusammenhang ja geradezu pervers.

    • RobioZ
    • 12. Januar 2013 15:44 Uhr

    Mit den "Demokraten" meinen Sie die Burschen, die Steine auf die Polizei werfen, ja?

    Der korrekte, demokratische Umgang mit rechtsextremen Demonstration ist die Organisation einer Gegendemonstration, wie es die Stadt Magdeburg ja scheinbar in der Innenstand getan hat. Wer die Rechtsextremen mit Gewalt an der legitimen Ausübung ihrer demokratischen Grundrechte hindert, macht sie nur zu Märtyrern einer fehlerhaften Demokratie.

    • khbk
    • 12. Januar 2013 15:42 Uhr
    6. Also,

    "Demokraten" würde ich dieses Klientel, welches mit Gewalt eine Demonstration verhindern will, ja nicht gerade nennen. Auch der Name "Meile der Demokratie" ist in diesem Zusammenhang ja geradezu pervers.

    19 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@4"
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    Die Meile der Demokratie brachte dieses Jahr zum 5. Mal mehrere 1 000 Menschen zusammen - auf einer angemeldeten Demonstration, wohlgemerkt. Sie zeigten auf der traditionellen Hauptstraße Magdeburgs etwas von der Vielfalt demokratischer und bürgergesellschaftlicher in der Landeshauptstadt - und gleichzeitig können Neonazis nicht auf dieser Route marschieren.
    Wo sehen sie hier Gewalt?
    Ist das nicht eher Courage - die Courage, die sonst vielfach - und m.E. zu Recht - gefordert wird? Lebt nicht unser demokratisches Staatswesen davon, dass mit friedlichen Mitteln Nein gesagt wird gegenüber Rassismus und Geschichtsklitterung?

    • RobioZ
    • 12. Januar 2013 15:44 Uhr

    Mit den "Demokraten" meinen Sie die Burschen, die Steine auf die Polizei werfen, ja?

    Der korrekte, demokratische Umgang mit rechtsextremen Demonstration ist die Organisation einer Gegendemonstration, wie es die Stadt Magdeburg ja scheinbar in der Innenstand getan hat. Wer die Rechtsextremen mit Gewalt an der legitimen Ausübung ihrer demokratischen Grundrechte hindert, macht sie nur zu Märtyrern einer fehlerhaften Demokratie.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@4"
  1. "demokratische Willensbekundung"? Gehts noch?

    Da marschieren über 1000 Neofaschisten durch Magdeburg und realitivieren die Schrecken des dritten Reichs und die Kriegsschuld der Deutschen (nicht der Nazis, wohlgemerkt sonder der Deutschen). Mit Demokratie hat diese Willensbekundung ungefähr soviel zu tun wie die BFE-Einheiten mit "Freunden und Helfern"

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    Antwort auf "Fehlleitender Titel"
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    • RobioZ
    • 12. Januar 2013 15:54 Uhr

    Ich gehe davon aus, dass die Demonstration korrekt angemeldet wurde - immerhin ist Polizei anwesend - und somit auch juristisch legitimiert wurde. Nach Ansicht des Landes Sachsen-Anhalt handelt es sich bei der Demonstration um eine legitime Meinungsbekundung, die wie jede Demonstration unter Berücksichtigung der rechtsstaatlichen Regeln in der Öffentlichkeit stattfinden darf.
    Wie Sie auch, lehne ich die politische Agenda der Veranstalter ab, dennoch spreche ich den Veranstaltern deswegen nicht ihre demokratischen Grundrechte ab.

    Sehen wir uns nachher auf der Gegendemo in der Magdeburger Innenstadt?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte SPD | Rechtsextremismus | Demokratie | Evangelische Kirche | Jahrestag | Oberbürgermeister
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