RechtsextremismusMagdeburger verhindern Nazi-Aufmarsch in Innenstadt

Mit einem Straßenfest und mehreren Gegendemonstrationen haben die Magdeburger den Verlauf eines Neonazi-Marsches verändert. Dabei kam es vereinzelt zu Ausschreitungen.

Mit einem Straßenfest und einer Reihe von Gegendemonstrationen haben die Einwohner Magdeburgs einen Aufmarsch von Neonazis in der Innenstadt verhindert. Etwa 800 Rechtsextremisten mit schwarzen Fahnen mussten stattdessen durch den Stadtteil Salbke am südlichen Rand der Stadt ziehen.

Im Zentrum Magdeburgs beteiligten sich Tausende an dem von der Stadt organisierten Straßenfest "Meile der Demokratie". Zudem hatten linke Gruppierungen und die evangelische Kirche zu Gegendemonstrationen und Blockaden gegen Rechtsextremismus aufgerufen.

Anzeige

Noch vor Beginn des Neonazi-Aufmarsches zum 68. Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg kam es zu ersten Zwischenfällen. Wie die Polizei mitteilte, wurden aus einer Gruppe von 150 bis 200 Gegendemonstranten Flaschen auf die Polizei geschleudert. Bei einem anderen Protestzug wurden nach Angaben von Augenzeugen vereinzelt Rauchbomben und Feuerwerkskörper gezündet.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot von deutlich mehr als 2.000 Beamten aus insgesamt zehn Bundesländern im Einsatz. Es war einer der größten Polizeieinsätze in der Geschichte Sachsen-Anhalts.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) lobte die rege Beteiligung der Menschen und die friedliche Stimmung. "Wir wollen damit zeigen, die Stadt gehört nicht den Rechtsextremen", sagte er. "Wir wollen in Magdeburg rechtem Gedankengut keinen einzigen Fuß breit Platz bieten."

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. "Ich kenne kein fall wo Antifaschisten Menschen ermordet haben ."

    Das Gedächtnis kann erstaunlich kurz sein.
    Wie war das denn mit der RAF?
    "Faschisten" waren die doch wohl eher nicht.
    Oder darf da gar "klamheimliche Freude" ausgelebt werden, weil von denen "nicht die Falschen" umgelegt wurden?

    Ich möcht mal ganz allgemein zur Diskusion stellen, weil dies immer quasi selbstverständlich unterstellt wird: kann die NSU-Sache als repräsentativ für die gesamte braune Szenen gelten? Ich bin auf jeden Fall auf den Prozeß gegen das überlebende Mitglied dieser Vereinigung gespannt.

    Nocheins zur Nazidemo:
    Erfährt die brauns Szene mit dem ganzen Rummel um die Gegendemonstrationen nicht eine mediale Aufwertung, die ihr eingentlich garnicht zukommt?
    Ich denke, Deutschland sei eine gefestigte Demokratie? Kann man da die paar (politisch chancenlosen) Radikalen am Rande nicht einfach "aushalten"?
    In aller Regel diskreditieren die braunen Akteure sich doch selbst - ist da die Kultur der Gegendemos wirklich so wahnsinnig notwendig?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@6@7"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ja und immer wieder ja, denn auch das bedeutet gelebte Demokratie und ignorieren kann man eine Menschenmenge von 800 Leuten ebenfalls nicht so einfach, zumal es noch deutlich mehr Sympathisanten gibt.
    Das beste Beispiel, für den Erfolg von Gegendemonstrationen ist Leipzig. Der Neonazi Worch meldete vor Jahren häufig Nazidemos an und immer wieder wurden die Nazis friedlich am marschieren gehindert. Kamen zu Beginn noch 1000e Neonazis, so wurden es immer weniger, bis endlich aus der braunen Ecke keine Demoanträge mehr kamen. Die Zivilcourage (ganz wichtig:die friedliche) hat sich behauptet und gezeigt, dass es in dieser Stadt keinen Platz gibt. Passend dazu wurde eine mehrere Meter großes Plakat, gegenüber der NPD-Zentrale in Leipzig Lindenau aufgehängt: "Leipzig ist tolerant, vielseitig, international vernetzt und seinen Einwohnern -egal woher- in der Welt freundlich verbunden" und dieser riesige Text ist umrahmt von vielen internationalen Flaggen. Protest gegen Rechts kann vielfältig und kreativ sein und es ist wichtig, dass er ausgeübt wird (nur bei Gewalt hört es auf, denn das spielt denen in die Karten).

    Den Unterschied im staatlichen Vorgehen gegen die RAF und gegen den braunen Sumpf?

    Die RAF hat 34 Menschen ermordet plus 27 Tote in den eigenen Reihen, durch Fremdeinwirkung, Selbstmord, Hungerstreik, Krankheit. Deutschland stand damals Kopf, Rasterfahndung, Generalverdacht gegen alles links von der CDU, Radikalenerlaß etc.pp.

    Je nachdem, wo man nachsieht, gehen auf das Konto des braunen Sumpfs allein seit der Wende zwischen 150 und über 180 Morde. Ich persönlich halte mehr für möglich, da z.B. nicht jeder ermordete Obdachlose einen sonderlich hohen Stellenwert bei polizeilichen Ermittlungen erfährt. Es sieht ganz so aus, als hätte der Staat >>durch gekaufte Nazis als V-Männer, Verwicklung der Schlapphüte, Finanzierung + Vertuschung und u.a. durch das Zurückweichen vor dem von westdeutschen Nazis angeheizten Mob in Rostock-Lichtenhagen nebst Erfüllung rechtsextremer Forderungen in Form der Abschaffung des individuellen Asylrechts und der äußerst milden juristischen Aufarbeitung des Pogroms<< der Ausbreitung des braunen Sumpfs aktiv Vorschub geleistet.

    Unter Berücksichtigung des unterschiedlichen staatlichen Agierens möchte ich zur Diskussion stellen, ob Deutschland wirklich eine SO 'gefestigte Demokratie' ist.

    Nein, Nazis werde ich nicht aushalten. Ich halte es nämlich für reines pures Glück, daß es bislang noch keinen deutschen Vona, Valkeniers, Metzger, Wilders, Haider, Le Pen etc.pp. gab, sondern sich das braune Pack in D stets selbst zerlegte, muß nicht so bleiben.

  2. wären die Hausbesetzer nicht gewesen, würden wunderbare Altbauten "dank" Kahlschlagsanierung nicht mehr stehen.
    Heute freuen sich die Investoren - können sie doch satte Mieten einfahren bzw. fette Rendite durch Verkauf machen.

    Ich weiß nicht, wo Sie wohnen - aber lassen Sie C. Ströbele außen vor - er hat mehr für das Allgemeinwohl geleistet als wir alle zusammen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Musterbeispiel"
  3. 99. [...]

    Entfernt. Kein sachlicher Beitrag. Danke, die Redaktion/jp

  4. 100. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine differenzierte Argumentation und diskutieren Sie zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/jp

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Fehlleitender Titel"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    [...] Erst vor kurzem gab es hier im Forum die Diskussion um Nationalstolz. Für mich ist es ein riesiger Unterschied, wenn jemand sagt, ich liebe meine Heimat und bin stolz auf das Land, oder aber sagt, ich bin stolz ein Deutscher zu sein (denn das ist einfach Zufall). Gerade dem linken Spektrum wird immer schnell das Keulenschwingen vorgeworfen, dabei wird missachtet, dass viele Menschen recht unbedenklich mit Phrasen um sich werfen, die man einer Prüfung unterziehen muss. Das hat nichts mit political correctness zu tun, sondern mit Respekt. Der Trend in der Diskussion geht mittlerweile dahin, dass jeder Versuch unbedachte Aussagen zu kritisieren, mit der Keulenkeule niedergebügelt werden. Achten Sie darauf, wie reflexhaft bei einer kritisierten Aussage folgender Satz kommt "Ah darauf hab ich ja nur gewartet, die Nazikeule". Damit werden mittlerweile allzugern Aussagen verharmlost und relativiert, bei denen es kein Spielraum geben sollte.

    Gekürzt. Der Beitrag, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile durch unser Moderationsteam entfernt. Danke, die Redaktion/jp

  5. [...] Erst vor kurzem gab es hier im Forum die Diskussion um Nationalstolz. Für mich ist es ein riesiger Unterschied, wenn jemand sagt, ich liebe meine Heimat und bin stolz auf das Land, oder aber sagt, ich bin stolz ein Deutscher zu sein (denn das ist einfach Zufall). Gerade dem linken Spektrum wird immer schnell das Keulenschwingen vorgeworfen, dabei wird missachtet, dass viele Menschen recht unbedenklich mit Phrasen um sich werfen, die man einer Prüfung unterziehen muss. Das hat nichts mit political correctness zu tun, sondern mit Respekt. Der Trend in der Diskussion geht mittlerweile dahin, dass jeder Versuch unbedachte Aussagen zu kritisieren, mit der Keulenkeule niedergebügelt werden. Achten Sie darauf, wie reflexhaft bei einer kritisierten Aussage folgender Satz kommt "Ah darauf hab ich ja nur gewartet, die Nazikeule". Damit werden mittlerweile allzugern Aussagen verharmlost und relativiert, bei denen es kein Spielraum geben sollte.

    Gekürzt. Der Beitrag, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile durch unser Moderationsteam entfernt. Danke, die Redaktion/jp

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
    • Genix
    • 13. Januar 2013 5:45 Uhr

    dass Sachsen-Anhalt inzwischen so viele Sicherheitskräfte parat hat, wenn es drauf ankommt. Das war nicht immer so. Das war vor allem dann nicht so, wenn es darauf ankam, Leib und Leben ethnischer oder politischer Minderheiten zu schützen. In solchen Fällen traten Polizei und Justiz doch eher als Mittäter der Nazis in Erscheinung.

    2 Leserempfehlungen
  6. ich fasse mal Ihre Ausrede für "gute" linke Gewalt wie folgt zusammen: wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld. Und solange die Rechten demonstrieren, solange können die Linken gar nicht anders, sie müssen einfach gewalttätig werden. Geht gar nicht anders, ist sowas wie ein Naturgesetz. Irgendwer muß es ja tun. Wenn die Rechten nicht wären, wäre die Antifa total lieb und kuschelig.
    Fein, fein.
    Wilfried Bade hat das so ähnlich wie Sie gesehen bzw. geschrieben. Gut, okay, der Typ war ein Nazi. Aber hey, einer guten Idee ist es doch völlig egal, wer sie hat. Oder?
    Tja, noch ein Dilemma.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Und solange die Rechten demonstrieren, solange können die Linken gar nicht anders, sie müssen einfach gewalttätig werden"

    fast richtig, solange rechte demonstrieren, können linke gar nicht anders, sie müssen gegendemonstrieren. sie können in dieser sache nicht ausschließlich die gewalt betrachten, was sie übrigens sehr einseitig tun, da es zur normalität gehört, dass die netten friedlichen nazidemonstranten nach der demo, wenn die polizei weg ist und man sich, wie hier in leipzig, in einem büro der npd trifft um richtig zu saufen und stress zu machen, anderen gewalt antun.
    wenn sie ersthaft an der thematik interessiert sind, müssen sie nach ursachen fragen und dann werden sie schnell feststellen, dass aus kleinen kindern nicht einfach so - hups di schwups - nazischläger oder steinewerfer werden.

    ich schrieb es schonmal - sie alle kritisieren zu recht, dass es zu ausschreitungen kommt, dass menschen ihrem hass aufeinander ohne rücksicht auf andere luft machen, aber sie sind alle nicht da, wenn es mal wieder soweit ist, um sich schützen vor andere menschen und deren eigentum zu stellen und diesen leuten zu sagen: "so nicht". verantwortung übernehmen sieht m.E.n. anders aus.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte SPD | Rechtsextremismus | Demokratie | Evangelische Kirche | Jahrestag | Oberbürgermeister
Service