Kurdinnen-MordPKK droht Frankreichs Regierung

Die PKK warnt vor Konsequenzen, sollte der Kurdinnen-Mord in Paris nicht aufgeklärt werden. Die Türkei hat Frankreich geraten, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen.

Ein Kurdin hält ein Bild in der Hand, das die drei getöteten Frauen in Paris zeigt: Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Soylemez.

Ein Kurdin hält ein Bild in der Hand, das die drei getöteten Frauen in Paris zeigt: Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Soylemez.  |  © Frederick Florin/AFP/Getty Images

Erst vor wenigen Tagen haben die Friedensverhandlungen zwischen der Türkei und der PKK begonnen, da werden die Gespräche durch den Mord an drei Kurdinnen in Paris überschattet. In internationalen Medien wird spekuliert, die Arbeiterpartei Kurdistans PKK stecke hinter den Anschlägen. Zugetraut wird die Tat aber auch türkischen Hardlinern, die die Friedensgespräche verhindern wollen. Und auch eine interne Abrechnung ist denkbar, denn offenbar gibt es seit Längerem Streit zwischen unterschiedlichen Kurdengruppierungen in Paris.

Jetzt hat sich die PKK zu Wort gemeldet – und den französischen Behörden indirekt gedroht. Der bewaffnete Flügel der PKK fordert auf seinen Internetseiten eine vollständige Aufklärung der Morde. Ansonsten werde die Regierung in Paris für das "Massaker an den Kampfgefährten" zur Verantwortung gezogen. Es habe sich bei den Morden um einen vorsätzlichen und organisierten Angriff gehandelt.

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Die Türkei versetzte ihre Botschaften in Alarmbereitschaft. Ein Regierungsvertreter sagte, auch die französischen Behörden seien angehalten worden, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen.

Drei Aktivistinnen wurden hingerichtet

Die französischen Behörden wissen noch immer nichts über die Hintergründe. Der französische Innenminister Manuel Valls sprach jedoch von einer regelrechten Hinrichtung.

Die drei Frauen waren in der Nacht zum Donnerstag erschossen in den Räumen des Kurdischen Instituts aufgefunden worden, das eng mit der PKK verbunden ist. Eines der Opfer war Sakine Cansiz, PKK-Gründungsmitglied und eine treue Anhängerin von PKK-Chef Öcalan. Bei den anderen beiden Opfern handelt es sich um eine junge Aktivistin namens Leyla Söylemez sowie um Fidan Dogan, eine 32-jährige Angestellte des Zentrums. Sie war nach Angaben des Vereinigung der Kurdenverbände in Frankreich auch Vertreterin des Kurdischen Nationalkongresses in Paris.

Die PKK kämpft seit Jahrzehnten gewaltsam für mehr Autonomie der Kurden in der Türkei. Aktuell gibt es in der Türkei Friedensgespräche zwischen dem türkischen Geheimdienst MIT und dem inhaftierten PKK-Führer Öcalan. Die türkische Regierung will erreichen, dass die PKK die Waffen niederlegt und führende PKK-Kader die Türkei verlassen.

Demonstrationen in Istanbul und Berlin

In Istanbul demonstrierten am Freitag etwa 300 Menschen gegen den Anschlag. Begleitet von einem starken Polizeiaufgebot trugen die Protestierer am Mittag Bilder der Erschossenen und Fahnen der Kurdenpartei BDP über die Istiklal-Straße im europäischen Teil der Stadt. In Sprechchören wurden die Opfer als Märtyrer bezeichnet. Auch am Pariser Platz in Berlin erinnerten Menschen mit einer Solidaritätskundgebung an den Anschlag.

Kurdische Organisationen in Frankreich und Europa haben für diesen Samstag zu einer zentralen Protestkundgebung in Paris aufgerufen. In Frankreich leben rund 150.000 Kurden. Erwartet werden auch Teilnehmer aus anderen Ländern.

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Leserkommentare
  1. Beisst sogar die Hand , die sie füttert.
    Präsident Hollande sagte nach den Morden , das er sich regelmäßig mit der PKK Mitbegründerin getroffen hat , und bei einem Tee geplaudert hat.
    Heuchel Politik und Terroristen Förderung zahlt sich nicht aus.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sk
  • Schlagworte PKK | Türkei | Anschlag | Aufklärung | Autonomie | Behörde
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