Männer-ProstitutionAlles außer küssen
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Viele Stricher sagen, sie sind nicht schwul

Mahia kommt aus einem kleinen bulgarischen Dorf, wo er wenige Jahre zur Schule gegangen ist, erzählt Schreiterer. Er ist deshalb einer von wenigen Strichern, die lesen und schreiben können. In Bulgarien haben Bekannte ihm gesagt: "Komm nach Deutschland, da kannst du viel Geld verdienen." Mehr nicht, kein Wort über das, was ihn hier erwartete.

Fast jeden Abend steht Mahia vor einem Sexkino oder an der Bar einer Schwulenkneipe. Seine Freier sind Männer zwischen 50 und 80 Jahren, schätzt Schreiterer. "Viele Stricher sagen, sie sind nicht schwul", erzählt sie. Aber auch die, die es sind, wollten nach außen nicht schwul erscheinen. Mahia ist es wichtig, nicht als Opfer zu erscheinen. Beim Analverkehr würde immer er den aktiven Part spielen: Er penetriert seine Freier, nicht sie ihn, sagt er. Und er küsst die Männer nicht – das sei zu intim.

In der Heimat ist ihr Job tabu

In den Heimatdörfern der jungen Männer ist ihr Job in Deutschland tabu. Viele wüssten es, aber niemand spreche davon, sagt Schreiterer. Offiziell spielen Mahia und die anderen Jungs Akkordeon auf der Straße oder arbeiten auf dem Bau. Trotz ihres jungen Alters haben viele schon Frau und Kinder zu Hause. Was sie nachts wirklich tun, wissen nur die engsten Freunde.

Mahias Hauptproblem ist aber, dass er inzwischen wie ein gestandener Mann aussieht. Er findet pro Woche nur noch etwa einen Freier. Einmal Sex kostet 50 Euro, er kommt auf 200 Euro im Monat. Mahia ist darauf angewiesen, dass ihm Freunde aushelfen, die besser verdienen.

Er will diese Krise nun zum Anlass nehmen, etwas Neues zu beginnen. Er versucht seit einigen Monaten, auszusteigen. Mit Streiterers Hilfe hat er sich auf mehrere Stellen als Pflegehelfer beworben. Eine Ausbildung hat er zwar nicht. Aber er hat seine Großeltern in Bulgarien gepflegt. Bislang war keine seiner Bewerbungen erfolgreich, aber er bleibt dran.

* Name von der Redaktion geändert

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unterstellende Äußerungen. Die Redaktion/mak

  2. Das Problem mit den Rumänen und Bulgaren ist, das sie problemlos hier einreisen dürfen, aber hier in der Regel nicht legal arbeiten dürfen. Deswegen arbeitsn sie schwarz für weniger als 3 € pro Stunde, betteln oder gehen auf den Strich. Die Situation ist politisch konstruiert. Entweder man dürfte sie nicht einreisen lassen, oder man sollte ihnen auch eine Arbeitserlaubnis zugestehen.

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    Die Argumentation - nur einreisen lassen, wem man auch die Arbeitsaufnahme gestatten will - führt zu unsinnigen Ergebnissen. Sollte man auch Touristenvisa abschaffen, weil nur einreisen dürfen soll, wen man auch arbeiten lassen will? Im übrigen dürften Analphabeten ohne ausgezeichnete Sprachkenntnisse auch so praktisch keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

    Von den Legenden, was diese Stricher angeblich nicht mit sich machen lassen, glaube ich kein Wort. Gesprochene Worte sind Schall und Rauch und noch viel geduldiger als Papier. Wenn es nicht lächerlich wäre, wäre es fast rührend. Und allerdings wiederum deshalb nicht, weil sie eine zynische Verachtung für ihre Kunden kultivieren, die insgesamt recht widerwärtig ist.

    • zfat99
    • 30. Januar 2013 9:59 Uhr

    ... innerhalb der EU überall, auch in Deutschland. Das Problem nur, was sie arbeiten können, nämlich: "Die meisten sind nur kurz zur Schule gegangen, viele von ihnen sind sogar Analphabeten."

    Welche Arbeit kann ein Analphabet heute noch verrichten?

    Kriminalität und/oder Prostitution sind für bestimmte Bevölkerungsgruppen die einzigen Möglichkeiten, besser zu leben als ihr Sozialstatus erlauben würde. Sowohl der "Romajunge" als auch die "Edelnutte mit akademischer Bildung" haben durch Prostitution einen deutlich höheren Lebensstandard als Menschen mit gleicher "Qualifikation" aber ohne Selbstverkauf.

    Eine Lösung gibt es nicht.

    Ist es nicht so,dass auch wer Legal Arbeiten kann nur geringe Chance auf einen Job hat?

    Und wenn,dann wahrscheinlich einer der,die dass *JOB-Wunder* ermoeglichten,Niedriglohn usw.

    Im pädophilen Deutschland
    (http://www.bdkj-re.de/missbrauch/statistiken-kindesmissbrauch.php ),
    wo die Freier die eigenlichen Machthaber sind ist das wie xvkdjo schon schrieb systematisiet. Wieso solle man denn das Touristen-Visum abschaffen müssen, wenn man Immigranten ein Arbeitsvisum gewährt. Unsinn.

  3. Was sagt eigentlich Alice Schwarzer dazu?

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    • Fabiana
    • 30. Januar 2013 11:08 Uhr

    Hier geht es doch gerade nicht um Frauen, sondern um Männer, die von Männern ausgenutzt werden. Frau Schwarzer könnte sogar triumphieren und feststellen, dass der schmutzigere Teil der Prostitution, der Straßenstrich, auch dann noch fest in Männer-Freier-Hand bleibt, wenn junge Männer auf der Angebots-Seite stehen. Frauen investieren in ihre eventuellen „Toy Boys“ mehr Geld und vielleicht auch etwas Pseudoromantik – anscheinend holen sie sich jedoch keine Jungs von der Straße.

    • lm.80
    • 30. Januar 2013 11:33 Uhr

    Frauen reisen nach Fernost und Afrika, wo es den feministischen Voyeurismus nicht gibt. Letztlich funktionieren Frauen wie Männer - nur hier im Westen sind sie eher dem Druck von feministischen Klischees ausgesetzt.

    http://www.srf.ch/player/tv/rundschau/video/weiblicher-sex-tourismus?id=...

    • gooder
    • 30. Januar 2013 15:09 Uhr

    Es sind doch wieder Männer, die die Not dieser jungen Menschen ausnutzen.Obwohl es sich dabei um homosexuelle Männer handelt,die diese Dienste in Anspruch nehmen, sind es immer noch Männer.

    Was Männer Männern antun, ist nicht ihr Thema.

  4. Die Argumentation - nur einreisen lassen, wem man auch die Arbeitsaufnahme gestatten will - führt zu unsinnigen Ergebnissen. Sollte man auch Touristenvisa abschaffen, weil nur einreisen dürfen soll, wen man auch arbeiten lassen will? Im übrigen dürften Analphabeten ohne ausgezeichnete Sprachkenntnisse auch so praktisch keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

    Von den Legenden, was diese Stricher angeblich nicht mit sich machen lassen, glaube ich kein Wort. Gesprochene Worte sind Schall und Rauch und noch viel geduldiger als Papier. Wenn es nicht lächerlich wäre, wäre es fast rührend. Und allerdings wiederum deshalb nicht, weil sie eine zynische Verachtung für ihre Kunden kultivieren, die insgesamt recht widerwärtig ist.

    7 Leserempfehlungen
  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
  6. "Die Argumentation - nur einreisen lassen, wem man auch die Arbeitsaufnahme gestatten will - führt zu unsinnigen Ergebnissen. Sollte man auch Touristenvisa abschaffen, weil nur einreisen dürfen soll, wen man auch arbeiten lassen will?"

    Es geht hier nicht um Touristenvisa und die Frage der Einreise, es handelt sich um EU-Bürger mit Freizügigkeits- und Niederlassungsrecht aus EU-Ländern, allerdings jenen, in denen ganze Bevölkerungsschichten in bitterer Armut leben. Ein Problem, das den Verwaltern der EU auch vor deren Aufnahme 2007 hinreichend bekannt war. Somit ist das Problem armer Vagabunden auch bei uns hausgemacht.

    Will man das Problem lösen, nachdem man nun einmal diese Länder aufgenommen hat, müssen einerseits Armut und Diskriminierung der Roma in jenen Ländern wirksam bekämpft und andererseits der EU-Status zweiter Klasse abgeschafft werden. Dies werden diese Länder nicht allein schaffen können, solange sie der Wirtschaft/West lediglich als billige Werkstätten und Absatzmärkte dienen.

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    Danke für die Replik. Ich weiß natürlich, daß die hier Betreffenden nicht per Topuristenvisum in Deutschland sind. Letzteres habe ich nur als ein Beispiel angeführt, daß es Möglichkeiten, gibt, die Einreise zu gestatten, ohne damit zwingend eine Arbeitserlaubnis zu verbinden.

    Was den Status als EU-Bürger betrifft: Die gesonderte Behandlung rumänischer und bulgarischer Staatsangehöriger wird gegenwärtig noch jedenfalls von denselben Verträgen grundsätzlich erlaubt, die den Bürgern anderer EU-Staaten das Recht auf Niederlassung einschließlich Arbeitsaufnahme garantieren. Sie schieben die Verantwortung für die sozialen Konsequenzen politischer Entscheidungen (konkret der EU-Mitgliedschaft Rumäniens und Bulgariens) auf "die EU-Verwalter" ab; in der Praxis sind dies aber die Mitgliedstaaten, und die Regelung, daß im konkreten Fall Rumänen und Bulgaren während einer Übergangsfrist bestimmte Freizügigkeitsrechte nicht genießen, stellt gerade einen (vertraglich vereinbarten) Versuch dar, mit dem von Ihnen erwähnten Problem zurechtzukommen, daß Länder mit extremer Armut und dementsprechend Migrationsdruck in die EU aufgenommen wurden. Man kann fragen, ob es eine gute Lösung ist. Aber auch die Freizügigkeit ist kein selbstverständlicher Naturzustand, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen.

    [...]

    Gekürzt. Die Redaktion/ls

    Ja es sind EU-Bürger, aber sie haben hier leider bisher e keine Niederlassungserlaubnis und keine Arbeitserlaubnis. Sie können aber problemlos einreisen und sich dauerhaft hier mit Personalausweis aufhalten. Eine Kontrolle, wie lange sie sich hier aufhalten, ist nicht möglich.
    Mein Lebenspartner arbeitete eine Zeit lang in einem gut frequentierten türkischen Imbiss in der Fankfurter Innenstadt. Ausser ihm waren dort Tag und Nacht nur türkischsprachige Bulgaren (keine Roma also!) beschäftigt,
    die für 3 € pro Stunde dort bis zu 12 Stunden täglich schwarz arbeiteten. Für eventuelle Kontrollen gab es einen
    Hinterausgang.
    Mit Arbeitserlaubnis würde niemand hier für 3 € arbeiten.
    Es sind nicht nur Roma, die hierher kommen. Die Roma können
    zumindest noch versuchen einen Asylantrag zu stellen und so für eine Zeit lang einen legalen Status erlangen.

  7. "Er verdient sein Geld mit Sex und ist mit 26 fast schon zu alt dafür. Seine Konkurrenten sind selten älter als 22. Jungs."

    Steht "Jungs" nicht etwas euphemistisch auch für die minderjährigen Stricher? Weil die meisten "Freier" eher auf Jugendliche, ggfs. auch auf Kinder, stehen?

    Es wäre interessant gewesen, der Autor hätte seinen Blick erweitert - wie groß ist die Relation von "freiwilliger" Armutsprostitution und (Zwangs)prostitution von Minderjährigen? Gibt es Minderjährige, die von ihren Familien zur Prostitution genötigt werden und/oder Zuhälter haben? Hört das mit 18 schlagartig auf? Gibt es Unterschiede zu anderen Großstädten wie Berlin oder Frankfurt (abgesehen vom "Sperrbezirk")? Wie viele Beratungsstellen speziell für männliche Prostituierte/Stricher gibt es deutschlandweit? Wie viele Stricher machen Gewalterfahrungen?

    Schade, dass der Autor nur einen Teil des Gesamtkomplexes anreisst.

    17 Leserempfehlungen
  8. 8. Danke

    ... dass Sie dieses Thema ansprechen, wenn auch wenig darüber gesagt wird, wie die männlichen Prostituierten ihren Job empfinden.

    Dennoch ist es notwendig, das Thema Prostitution im Ganzen zu erfassen, um ernsthaft darüber zu diskutieren.

    Ich denke zur Zeit viel darüber nach, und mir fällt es schwer, dem so offen und tolerant gegenüber zu stehen, wie es viele meiner Mitmenschen tun.

    8 Leserempfehlungen
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    Prostitution in Deutschland ist ein weites Feld, da gebe ich Ihnen recht.
    Nur inwieweit Toleranz da kontraproduktiv ist, kann ich nicht nachvollziehen. Könnnten Sie mir das näher bringen?
    Dass Zwangsprostitution ein absolutes NoGo zu sein hat, steht für mich völlig außer Frage. Ebenso wie Menschenhandel (und zwar nicht nur in der Sexarbeit)
    Ich bin jedoch der Meinung, dass nur mit Toleranz in der breiten Gesellschaft die Voraussetzung geschaffen werden können, die Branche so transparent zu machen, dass die Zwangsprostitution auch wirksam bekämpft werden kann.
    Sehen Sie das anders?

    Ich möchte dazu hinweisen, dass transsexuellen bzw. transgender Jugendlichen keine Erwähnung finden. Die sind eine Randgruppe mit sehr höhen Inzidenz von HIV und anderen STD, haben aber noch weniger Möglichkeiten Hilfe zu bekommen.

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