StrafjustizVergewaltigungsprozess in Neu-Delhi beginnt hinter verschlossenen Türen

In Indiens Hauptstadt ist der Prozess um die tödliche Vergewaltigung einer Frau mit einer Anhörung gestartet. Den Angeklagten droht die Todesstrafe.

Gut drei Wochen nach dem Tod einer vergewaltigten Inderin sind fünf ihrer mutmaßlichen Peiniger erstmals vor einem neuen Schnellgericht in Neu-Delhi erschienen. Vor der Sitzung in der Hauptstadt schloss der Richter die Öffentlichkeit aus.

Die Anhörung dauerte nur etwa 25 Minuten. Anwälte der Beschuldigten sagten anschließend, die Staatsanwaltschaft habe dem Richter die Anklageschrift übergeben, die bei der nächsten Sitzung am Donnerstag debattiert werden solle. Die Verteidiger haben bis zum Prozessauftakt die Gelegenheit, die Punkte der Anklageschrift vor Gericht infrage zu stellen. Der eigentliche Mordprozess beginnt erst, nachdem sich die Angeklagten für schuldig oder unschuldig erklärt haben. Ein Datum für den eigentlichen Prozessbeginn steht noch nicht fest.

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Den fünf Verdächtigen droht vor dem Schnellgericht die Todesstrafe. Der sechste Verdächtige soll minderjährig sein und daher vor ein Jugendgericht gestellt werden.

Ein Anwalt sagte, er habe bei Gericht beantragt, einen weiteren Angeklagten als Jugendlichen anzuerkennen. Sein Mandant sei am 1. März 1995 geboren worden und damit zum Zeitpunkt der Tat am 16. Dezember 2012 noch nicht volljährig gewesen. Er müsse daher ebenfalls vor ein Jugendgericht gestellt werden. Die Polizei habe den Geburtstag fälschlicherweise mit dem 1. März 1994 angegeben.

Anwalt fordert Ortsverlegung des Prozesses

Ein zweiter Anwalt beantragte außerdem beim Verfassungsgericht, den Prozess in ein Gericht außerhalb Neu-Delhis zu verlegen. Er argumentiert, wegen der Proteste und Berichterstattung in den Medien sei ein neutrales Verfahren nicht gewährleistet. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, das Gericht werde sich vermutlich am Dienstag mit dem Antrag befassen.

Die 23-jährige Inderin war am 16. Dezember in einem fahrenden Bus in Neu-Delhi von mehreren Männern brutal vergewaltigt worden. 13 Tage später starb sie an ihren Verletzungen. Die Tat hatte landesweit Proteste ausgelöst und auch international Entrüstung nach sich gezogen.

Eltern der 23-Jährigen fordern die Todesstrafe

Beide Eltern des Opfers verlangen für die Täter die Todesstrafe. Der Vater der 23-Jährigen sagte, es sei "die Pflicht des Gerichts und der Richter dafür zu sorgen, dass das Urteil schnell gesprochen wird und alle Männer gehängt werden". Kein Mensch habe das Recht, nach einem solch "abscheulichen" Verbrechen weiterzuleben.

Die hohe Zahl von Vergewaltigungen und allgemein der Umgang mit Frauen sind seit dem Fall zu einem breit diskutierten gesellschaftspolitischen Thema in Indien geworden. Die Zahl der Vergewaltigungen in Neu-Delhi nahm laut Polizeistatistiken im vergangenen Jahr um 23 Prozent zu. Für 2012 wurden 706 Fälle gezählt. Allein seit der Gruppenvergewaltigung vom 16. Dezember wurden 45 Fälle von Vergewaltigung und 75 Fälle von sexueller Belästigung gemeldet.

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Leserkommentare
  1. Wenn Sie das so sehen, dann muss das wohl so sein. Wie sollen denn die von Ihnen geforderten "Studien" aussehen? Also was soll da studiert werden? Und wieso ist es eine "Verschleierung von niederen Emotionen", wenn ich eine mögliche (!) Interpretation der Todesstrafe liefere, die sich ja nun in den allermeisten Kulturen und Epochen finden lässt? Aber gut, Sie werden schon recht haben, ich rede vermutlich Unsinn.

    Antwort auf "@gruener salon"
  2. In welcher Rechtsprechung? In der Rechtsprechung an und für sich, ihrem innersten und eigentlichsten Wesen nach? In der deutschen, der indischen, der monegassischen? Und was hat das alles mit dem zu tun, was ich geschrieben habe?

    Antwort auf "...und so!"
  3. Rache ist kein niederer Beweggrund, ganz im Gegenteil. Es ist sogar ein höchst ehrenwertes Gefühl.

    Es gibt verschiedene Arten wie Menschen ihren Schmerz teilen, weinen, beten, Gespräche, Therapie, etc. Eine andere Art den Schmerz zu teilen ist Rache. Hier erfolgt die Teilung und Mitteilung des Schmerzes sogar an die richtige Adresse, mit dem Täter. In der chinesischen Philosophie würde man sagen: das Gleichgewicht zwischen Ying und Yang ist wiederhergestellt.

    Eben "Django Unchained" gesehen. Man kann und muss es sagen, das Sklavenhalterpack bekommt in diesem Film was es verdient, die wohlverdiente Rache Tarantino's.

  4. 28. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Unterstellungen und belegen Sie Ihre Behauptungen. Danke, die Redaktion/jk

    • raflix
    • 22. Januar 2013 15:59 Uhr

    ... wäre für die Täter vermutlich eine schlimmere Bestrafung. Jeder im Land kennt sie ja jetzt und man weiß, wie in deutschen Gefängnissen die Mitinsassen mit Kinderschändern und Vergewaltigern umgehen. Die stehen ganz unten in der Hierarchie.

  5. Es gibt Taten, die sind so grausam, dass man sie am liebsten nicht wahr haben will.
    In dem man diese Tat mit dem Tode bestraft, loescht man den Taeter aus und damit auch einen Bestandteil der Tat. Und damit die Grausamkeit, unter der man selber ja auch leidet.

    Ich denke das ist der Hintergrund.
    Mag man die Todesstrafe Rache nennen - Rache hat auch etwas "befriedigendes" an sich, die Herstellung eines Friedens.

    Dass die Todesstrafe auch benutzt wurde um andersdenkende umzubringen, steht aussre Frage.

    Das Leben ist weder gerecht noch fair. So ist das nun mal.

  6. beweisen, ich habe es so erfahren während einer längeren Reise durch den Süden Indiens.
    Man spricht sehr wenig bis gar nicht darüber, genausowenig wie man über die sexuellen Übergriffe von katholischen Priestern und Mönchen in Deutschland vor 10 Jahren und früher sprach.
    In diesem Kulturkreis geht man gemeinsam zu einer Prostituierten, die man sich für die ganze Nacht mietet, für einen allein wäre sie zu teuer.
    Dann feiert man ein Fest.
    Es mag von daher kommen, dass Männer sich gern gemeinsam vergnügen, dass sie diese Sitte auch bei Vergewaltigungen ausleben.

  7. nicht den Mitgefangenen überlassen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, sk
  • Schlagworte Medien | Berichterstattung | Bus | Eltern | Gericht | Hauptstadt
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