Sexismus Wir sind nicht schwach!
Frauen stilisieren sich in der Sexismus-Debatte zu Opfern, kommentiert Lisa Caspari, Männer schlagen zurück. Dabei müssen wir gemeinsam für Gleichberechtigung kämpfen.
Schon zu Beginn der aktuellen Sexismus-Debatte störte mich etwas gewaltig. Das hat sich in den vergangenen Tagen verstärkt. Lange konnte ich es nicht in Worte fassen. Schließlich bin ich eine junge Frau, Journalistin und ich halte mich für emanzipiert. Ist es also nicht gut, dass wir das Thema öffentlich diskutieren? Doch.
Aber der hysterisch anmutende Schlagabtausch, der da geführt wurde, wird uns nicht weiterhelfen. Davon bin ich inzwischen überzeugt.
Es ist wichtig, Sexismus offen anzuprangern. Es ist wichtig, dass wir über sexuelle Anzüglichkeiten am Arbeitsplatz und in unserer Gesellschaft sprechen und klar machen, dass sie inakzeptabel sind. Denn es gibt sie natürlich, die unverbesserlichen Chauvinisten, die Flache-Witze-Reißer, die ekeligen Zu-nahe-Kommer, die Dauer-Tatscher. Es gibt sie in der Politik, im Journalismus und in anderen Branchen, auch im privaten Umfeld, sogar in Familien. Gegen diese Säcke müssen wir uns konsequent wehren.
Aber mir gefällt nicht, dass wir Frauen in dieser Debatte nur als das schwache Geschlecht vorkommen, ja, dass wir uns sogar teilweise selbst dazu machen. Wir sind nicht schwach – und wir sind meistens auch nicht schutzbedürftig. In 90 Prozent der Fälle können wir uns selbst wehren. Wir müssen also darüber reden, wie wir herabwürdigende Witzeleien am besten selbst verurteilen können. Wir müssen darüber reden, wie wir Menschen helfen können, die in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis zu einem Sexisten stehen. Wir müssen klarer definieren, was sexuelle Belästigung ist – und was ein unschöner Spruch, hinter dem aber nicht immer allgemeine Verachtung für Frauen stecken muss.
Die Tonalität ist das Problem
"Junge Journalistinnen (…) sind kein Freiwild", so verteidigte stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn seine Autorin Laura Himmelreich, deren Porträt des FDP-Politikers Rainer Brüderle die Debatte ausgelöst hatte. Es ist richtig, dass er sie in Schutz nimmt, schließlich sieht sie sich krassen und unfairen Anfeindungen ausgesetzt. Aber die Tonalität dieses Satzes schadet der Gleichberechtigung.

Wenn ich für mich spreche: In meinen zweieinhalb Jahren als Politikredakteurin habe ich mich nie als Freiwild gefühlt. Die meisten Politiker, ob jung oder alt, sind mir mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet. Es gab das ein oder andere Erlebnis, das ich als distanzlos empfunden habe. Kürzlich stellte mich ein Spitzenpolitiker auf einer Wahlkampfveranstaltung den örtlichen Parteimitgliedern vor. Dabei meinte er, mir den Arm um meine Hüfte legen zu müssen. Ich bin abgerückt, habe signalisiert, dass ich das nicht will. Er hat verstanden. Thema erledigt.
Auch mit dem Herrenwitz habe ich Bekanntschaft gemacht. Oft wird er, gerade von Vertretern der älteren Generation, unbedacht formuliert. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, zu sagen, dass ich das jetzt nicht lustig finde. Oft hat mein Gegenüber mit Scham reagiert, und ich hoffe, dass das ein Auslöser war, über seine Witzchen nachzudenken.
- Datum 31.01.2013 - 19:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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ehrlich. Wir armen, armen Männer sind die Opfer der bösen Frauen, weil die es sich doch tatsächlich erdreisten, beim Thema Sexismus darauf hinzuweisen, dass es die Tatscher etc. GIBT.
Es wäre ein geniales Sozialexperiment, wenn alle Bürger der Erde für eine Woche ihr Geschlecht ändern müssten. Dann würden sich vielleicht eine ganze Reihe von Fragen erübrigen.
Es gibt eine Sache, die mich extremst nervt und das bei sehr vielen sensiblen Themen, bei denen es nur notwendig ist, sich in die Gegenseite hineinzuversetzen. Es ist zum einen das sich-persönlich-angesprochen-und-angegriffen-fühlen und dann selbst am liebsten in die Opferrolle schlpüpfen. Egal bei beim Thema Rassismus (die sollen sich nicht so haben), Antisemitismus (das wird man doch mal noch sagen dürfen), Diskriminierung (die böse political correctness), Sexismus (man weiß ja gar nicht mehr, was erlaubt ist) egal welches Thema, das Schema ist immer das gleiche. Man entfernt sich immer vom Kern des Problems und hängt sich an eigenen Formulierungen auf. Ich drück es mal ganz platt aus. Diskriminierung jedweder Art ist Mist und gehört gesellschaftlich geahndet und nicht toleriert und vor allem gehört es beim Namen genannt. Die ganzen Begriffe mögen negative Assoziationen wecken und das zu recht, denn es gibt sie, die "die unverbesserlichen Chauvinisten, die Flache-Witze-Reißer, die ekeligen Zu-nahe-Kommer, die Dauer-Tatscher" und es gibt keine besseren Bezeichnungen für diese Art von Männer!
Frau Caspari erhält Applaus von der falschen Seite, weil sie es sich zu leicht macht: Sie tut so, als ob es darum geht, ob Frauen "schwach oder stark" seien. Das beruhigt alle Männer, die sich damit herausreden können, dass die Frau einfach nur ein bisschen stark sein sollte, sich aus der Umarmung herauswinden kann evtl. mit den Worten: Das ist nicht lustig.
Was sie verschweigt, ist ihre Forderung an alle Frauen, eine permanente Abwehrbereitschaft in ihr Gefühlsleben einzubauen. Ihnen wird abverlangt, zusätzlich zum Besprechungsthema immer noch eine hellwache Verteidigungshaltung aufrecht zu halten, die zum verbalen oder körperlichen Konter auf eine Übergriffigkeit befähigt.
Männer würden SOFORT aufschreien, wenn ein gleichgeschlechtlich veranlagter Chef in einer Besprechung den Arm um sie legen würde oder verbal entsprechendes äußern würde.
Ein Mann
kann man ihnen noch einen Strick drehen, und sie vielleicht noch als homophoben hinstellen.
Im Grunde ist der Artikel ziemlich korrekt gehalten, finde es trotzdem respektlos, wenn hier von alten Saeckeng eredet wird, selbst wenn sie gerne etwas schluepfriger sind (was uebrigens frueher noch als lustig empfunden wurde, wenn ein aelterer herr einer jueneren Frau mit Anmachspruechen oder dergleichen kam, also nicht ernst genommen)
Ich gebe auch zu, daß es mir als Mann schwer gemacht wird nicht sexist zu sein, wenn selbst schon das Anschauen einer Frau dir mir gefaellt (und dazu sehr locker,aufreizend etc gekleidet ist) schon unter Sexismus faellt, klar suche ich in gespraechen den Augenkontakt, aber auch ich mustere hin und wieder, Flachwitze reiße ich auch sehr gern,sogar mit sexuellen konnotierungen aber auch bei maenner, bin ich dadurch ein Sexist?
kann man ihnen noch einen Strick drehen, und sie vielleicht noch als homophoben hinstellen.
Im Grunde ist der Artikel ziemlich korrekt gehalten, finde es trotzdem respektlos, wenn hier von alten Saeckeng eredet wird, selbst wenn sie gerne etwas schluepfriger sind (was uebrigens frueher noch als lustig empfunden wurde, wenn ein aelterer herr einer jueneren Frau mit Anmachspruechen oder dergleichen kam, also nicht ernst genommen)
Ich gebe auch zu, daß es mir als Mann schwer gemacht wird nicht sexist zu sein, wenn selbst schon das Anschauen einer Frau dir mir gefaellt (und dazu sehr locker,aufreizend etc gekleidet ist) schon unter Sexismus faellt, klar suche ich in gespraechen den Augenkontakt, aber auch ich mustere hin und wieder, Flachwitze reiße ich auch sehr gern,sogar mit sexuellen konnotierungen aber auch bei maenner, bin ich dadurch ein Sexist?
es gibt einen Satz, den ich uneingeschränkt unterschreiben kann; es ist der letzte in Ihrem Artikel:
"Vor allem sollten wir Frauen und Männer gemeinsam um Gleichberechtigung kämpfen, nicht gegeneinander."
Seit Jahrzehnten wird dieser Appell, dieser Wunsch und diese Hoffnung von Frauen geäußert. Sehr viele Männer haben sich diesem angeschlossen. Es liegt also nicht daran, dass die Frauen zu schwach sind. Es liegt daran, dass die Strukturen so verkrustet und ihre Sachwalter so stark sind.
Der Skandal ist, dass dieser Appell im Jahre 2013 immer noch geschrieben werden muss.
Sicherlich geht der Artikel in die richtige Richtung. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene müssen immer wieder daran erinnert werden, wie sie sich gegenseitig würdevoll zu behandeln haben. Gleichberechtigung wird deswegen immer ein aktuelles Thema bleiben, den Zustand den wir erreichen wollen, müssen wir auch erhalten. So wie unsere Demokratie immer weiter erhalten und gelehrt werden muss.
Meine Lebenserfahrung lehrt mich jedoch, dass hinter vielen Demütigungen und Beleidigungen mehr steckt als die reine Handlung selbst. Die Triebfeder ist meistens der Neid. Jemand der Ausländer mit Kriminalität in Verbindung bringt, ist meist neidisch auf den Neuwagen. Jemand der jüdisch Gläubige kritisiert, ist meist neidisch auf ihren Zusammenhalt. Jemand der schlechte Schlagzeilen über Politiker verbreitet, ist meist neidisch auf ihren Erfolg. Ein Mann der eine Frau herabwürdigt, ist häufig neidisch auf die junge, aufstrebende Dame. Was die Frauen wissen sollten, ist dass der selbe Mann, auch neidisch auf einen jüngeren aufstrebenden Mitarbeiter sein kann. Das geht dann so, dass man um 17Uhr noch einen Bericht für Morgen schreiben soll. Und man sitzt bis 23 Uhr im Büro. Das könnte Einem auch eine Woche vorher gesagt werden.
Neid verursacht problematisches Sozialverhalten. Wir dürfen uns durch die Neider, nicht in Mann oder Frau, reich oder arm, links oder rechts spalten lassen.
"Der Mann im Allgemeinen ist jetzt unser Feind.
Außerdem provoziert die öffentliche Erregung auf der anderen Seite hässliche Abwehrreflexe."
Diese zwei Sätze stehen in diesem schönen Artikel sehr schön hintereinander, wenn auch nicht im gleichen Absatz. Da kann man sogar einen richtigen Zusammenhang vermuten: Wenn man jemanden pauschal verurteilt, dann wird sich diese Person wehren. Es ist, wie in einem unguten Streit in einer Beziehung, in dem einer dem anderen Sätze an den Kopf wirft, die mit "du machst immer" anfangen. Solche Vorwürfe nimmt niemand an, egal um was es geht und egal ob Mann oder Frau.
Dem Kernpunkt dieses Artikels möchte ich als Mann zustimmen: Frauen sind nicht schwach. Ob Sexismus oder andere Dinge: Lernen kann mann dann, wenn frau klar sagt, dass etwas nicht OK war und warum.
Das hilft auch in jedem konkreten Fall, denn die Orientierung fehlt dem Mann. Ich als Mann habe schon Anschiss gekriegt, weil ich einer Frau die Tür aufgehalten habe. Eine andere Frau war dankbar, dass ich bei ihrem Umzug den Transporter fuhr, denn sie "als Frau" (Zitat) könne das nicht. Bei dieser Bandbreite an Einstellungen hilft nur die individuelle Rückmeldung.
kann man ihnen noch einen Strick drehen, und sie vielleicht noch als homophoben hinstellen.
Im Grunde ist der Artikel ziemlich korrekt gehalten, finde es trotzdem respektlos, wenn hier von alten Saeckeng eredet wird, selbst wenn sie gerne etwas schluepfriger sind (was uebrigens frueher noch als lustig empfunden wurde, wenn ein aelterer herr einer jueneren Frau mit Anmachspruechen oder dergleichen kam, also nicht ernst genommen)
Ich gebe auch zu, daß es mir als Mann schwer gemacht wird nicht sexist zu sein, wenn selbst schon das Anschauen einer Frau dir mir gefaellt (und dazu sehr locker,aufreizend etc gekleidet ist) schon unter Sexismus faellt, klar suche ich in gespraechen den Augenkontakt, aber auch ich mustere hin und wieder, Flachwitze reiße ich auch sehr gern,sogar mit sexuellen konnotierungen aber auch bei maenner, bin ich dadurch ein Sexist?
die Empörungsartikel der letzten Tage "ergänzt".
vorbildlich hier die Konkurrenz mit Petra Sorge:
http://www.cicero.de/berl...
die im Gegensatz zu Frau Casparis Erlebnisbericht auch Recherche zum Thema liefert.
... kenne ich in umgekehrter Weise: "Ach das kann die eben nicht, ist halt eine Frau!"
Vielleicht sind solche Sprüche von Frauen einfach nur eine Reaktion auf das, was sie einst selbst erlebt haben. Aber selbst dann ist ein solches Verhalten respektlos und einfach nicht zu entschuldigen, von beiden Seiten!
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