Antisemitismus-Vorwürfe Augstein erhält Unterstützung aus dem Zentralrat der Juden

Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, verteidigt Jakob Augstein: Die Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Journalisten seien "nicht klug".

Der Vizepräsident des Zentralrates der Juden hat sich vom Antisemitismus-Vorwurf gegen den Journalisten und Verleger Jakob Augstein distanziert. Das US-amerikanische Simon-Wiesenthal-Zentrum habe bei seiner Kritik an Augstein offensichtlich nicht genügend recherchiert oder sich kundig gemacht, sagte Salomon Korn im Deutschlandradio Kultur.

"Offensichtlich ist das Simon-Wiesenthal-Center ziemlich weit weg von der deutschen Wirklichkeit", sagte Korn mit Bezug auf die Liste der US-Menschenrechtsorganisation, die Augstein auf Platz neun der schlimmsten Antisemiten der Welt gesetzt hatte.

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Das Simon-Wiesenthal-Center hatte sich bei der Erstellung der Rangliste auf die Einschätzung des Publizisten Henryk M. Broder berufen. Dies sei nicht klug gewesen, sagte Korn. Damit sei die Organisation in das Fahrwasser von Broder geraten, der als Polemiker bekannt sei. "Man kann nicht immer alles wörtlich nehmen, was er sagt, und man kann auch nicht immer alles ernst nehmen, was er sagt." Broder hatte Augstein als einen "lupenreinen Antisemiten" bezeichnet.

Kein Freibrief für Augstein

Erneut bekräftigte das Simon-Wiesenthal-Center die Entscheidung: Der für die Liste mitverantwortliche Rabbi Abraham Cooper sagte, "nur weil er ein Journalist ist, geben wir Herrn Augstein keinen Freibrief zu sagen, was er will, und sich dann hinter journalistischer Integrität zu verstecken".

Dass es in Deutschland nun eine Debatte über die Rangliste gebe, begrüßte Cooper. "Ich fordere Herrn Augstein und die Kritiker, die ihn in Schutz nehmen, dazu auf, seine Äußerungen noch einmal anzuschauen. Sie sind unhaltbar."

Als Beleg für die Aufnahme Augsteins in die Rangliste hatte die Organisation mehrere Zitate Augsteins aufgeführt. Darin schließt sich der 45-Jährige der Einschätzung des Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass an, die Atommacht Israel sei eine Gefahr für den Weltfrieden. Zudem vergleicht er die ultraorthodoxen Juden in Israel, die zehn Prozent der Bevölkerung ausmachten, mit islamischen Fundamentalisten.

Augstein habe eine Grenze überschritten

"Wenn man das Bild von islamischen Extremisten heraufbeschwört, deren wesentlicher Beitrag zur Welt aus Selbstmordbombenanschlägen, Extremismus und Hass besteht, und dann eine gesamte religiöse Gemeinschaft nimmt und sie so stereotypisiert, dann hat das nichts mehr mit Journalismus zu tun. Damit wird eine Grenze überschritten", sagte Cooper.

Die Rangliste wird von den ägyptischen Muslimbrüdern und dem iranischen Regime angeführt. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner und Linksfraktionschef Gregor Gysi hatten Augstein bereits gegen die Antisemitismus-Vorwürfe in Schutz genommen. Augstein selbst sprach von Diffamierung.

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Leserkommentare
  1. "uns wie ist das mit der Islamophobie?"

    Wessen Islamophobie, die von Natanjahu, von Israel, die des Wiesenthal Zentrums oder von Broder?
    Wie im Fall Israels kann man gegen den Staat Israel bzw. dessen Politik sein, aber absolut nichts gegen Juden haben, denn der israelische Staat repräsentiert nicht das weltweite Judentum, ebensowenig vertritt der Iran oder Saudi Arabien die Moslems in der Welt.

    Und auch der Islam darf, kann und muss kritisiert werden, selbst wenn das übliche Programm abgespielt wird, Flaggen verbrennen, die jewielige Nation als Satan beschimpfen und Botschaften belagern.
    Die unbestrittene Theorie besagt ja immernoch, je nieriger der Bildungsschnitt der Bevölkerung, umso aggressiver die Antwort, darum war der Protest zum Mohammed Film im Sudan auch stärker, als etwa in Deutschland.

    Islamophobie ist auch so ein Unwort, alleine schon die Aussage "Burkas sind Frauenfeindlich" gilt bei vielen schon als Islamophobie 3. Grades.
    Nun kommts immer auf dem Blickfeld der jeweiligen Person drauf an, in meinem Fall ein atheistisches Weltbild, mit humanistischer Prägung, mit dem Grundgesetz als oberste Gesetzesvorgabe. Und somit stell ich grundsätzlich die Ethik und Rationalität aller Religionen in Frage.

    Und mit diesem Weltbild, sehe ich Kommentare als sachliche Kritik welche im Iran schon für die Todesstrafe reichen würde. Oder reichen um im Wiesenthal-Center als knallharter Antisemit durchzugehen.

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  2. 58. Nein,

    aber ein irregeleiteter Pazifist, der aus dem kalten Krieg nichts gelernt hat.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Bin ich ein Antisemit?"
  3. 59. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Aussagen. Danke, die Redaktion/jp

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    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jp

  4. 60. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "H. Broder"
  5. 61. [...]

    Entfernt. Kein Themenbezug. Danke, die Redaktion/jp

  6. Möglichkeit; das Waffenarsenal in Israel (als einzige Atomwaffen), seine ausgebildeten Soldaten, aber vor allem das Säbelrasseln in der Regierungspolitik lassen sie, diese Möglichkeit, zu.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf ""könnte""
  7. „hätte nicht gedacht, dass sich noch einer zur "Gegnerschaft zum Antiimperialismus" bekennt.“

    Das mag auf den ersten Blick absurd klingen, ergibt innerhalb der „antideutschen“ Vorstellungswelt durchaus einen gewissen Sinn – wenn man nämlich davon ausgeht, dass Antiimperialismus und Antizionismus lediglich Erscheinungsformen des „den Deutschen“ innewohnenden Antiamerikanismus/Antimodernismus bzw. Antisemitismus seien.

    Nach manichäischer Logik folgt daraus, dass Imperialismus, auf jeden Fall aber Zionismus, etwas unterstützenswertes ist. Googeln Sie mal nach Moshe Zuckermann (Universität Tel Aviv) - er hat dieses Phänomen aus Sicht der israelischen Postzionisten analysiert. Natürlich steht er damit weit abseits des israelischen Mainstreams und wird in Deutschland leider nahezu ausschließlich in der linksextremen Subkultur wahrgenommen.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Interessant"
    • 50AE
    • 04. Januar 2013 21:04 Uhr
    64. [...]

    [...] im Interview mit einem BRD-Rundfunksender sagte er (Korn) auch:

    "Nun, Grosser kritisiert Israel obsessiv einseitig und sehr einäugig. Er wirft gleichzeitig dabei Juden und Israelis immer in einen Topf. Es ist so, als seien alle Juden in der Welt Israelis, oder alle Israelis Juden, was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Es gibt allgemeine Vorwürfe und die sind für uns einfach nicht tragbar, weil Grosser mit dem Holzhammer vorgeht statt mit dem Skalpell." ( http://www.dradio.de/dlf/... )

    Der hier obsessiv verteidigte Augstein erfährt leider eine mildere Behandlung. Warum? Andere Zeiten? Oder ist Korn nur einfach vor der BDS-Lobby und dem in der BRD herrschenden (Un)Zeitgeist eingeknickt? Fragen über Fragen...

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie darauf, andere User_innen persönlich anzugreifen. Danke, die Redaktion/jp

    3 Leserempfehlungen
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    "obsessiv verteidigte Augstein" ... "Warum? Andere Zeiten?" ... "BDS-Lobby" ... "in der BRD herrschenden (Un)Zeitgeist"
    "Fragen über Fragen..."

    Ich denke mal, wer so mit Begrifflichkeiten jongliert und die Übertreibung scheint´s dauergebucht hat, der stellt nicht wirklich Fragen. Der hat für alles schon ne Antwort parat.

    Und das ist es schließlich, was ein Gespräch, ein vernünftiges Miteinander recht mühsam macht. Die Frage, was Antisemitisch ist und was nicht, sollte man nicht dogmatisch und verletzend diskutieren. Das spielt denen in die Hände, die allzugerne unsere Geschichte relativieren möchten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Jakob Augstein | Salomon Korn | Günter Grass | Henryk M. Broder | Gregor Gysi | Extremismus
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