Papst Benedikt XVI. verlässt die Versammlung mit den Kardinälen, auf der er seinen Rücktritt bekannt gab. © Osservatore Romano/Reuters

Geht man nach der Liste des irischen Buchmachers Paddy Power, steht der Nachfolger für Papst Benedikt XVI. bereits fest: Marc Ouellet, der kanadische Erzbischof von Quebec. Ouellet, der auch Kardinalpräfekt der Kongregation für die Bischöfe ist, galt bereits 2005 als einer der möglichen Nachfolger von Johannes Paul II. und wird unter anderem deshalb als höchst notierter Kandidat bei Paddy Power geführt.

Ouellet scheint sich um den Posten nicht zu reißen, zumindest wenn man nach dem geht, was er in einem Interview mit einer kanadischen Zeitung im Jahr 2011 gesagt hat. Die Vorstellung, Papst zu werden, sei für ihn "ein Albtraum": "Ich sehe die Arbeit, die der Papst zu erledigen hat", sagte Ouellet. "Es ist mit Sicherheit keine beneidenswerte Stelle." Dennoch ist Ouellet in vielerlei Hinsicht ein idealer Kandidat.

Er steht dem scheidenden Papst, der ihn zum Präfekt der Bischöfe ernannte, sehr nahe. Im Vatikan wird außerdem seine Ablehnung einer liberalen Auslegung der Lehre des zweiten Vatikankonzils hoch geschätzt. Darüber hinaus hat er eine enge Beziehung zur südamerikanischen Kirche. Er arbeitete mehrere Jahre in Kolumbien und ist zurzeit Vorsitzender der päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Diese Tatsache könnte bei der Wahl entscheidend sein. Denn im bevorstehenden Konklave – sagen die Vatikanexperten – wird es auf jeden Fall eine Partei geben, die einen nicht-europäischen Kandidat befürwortet.

Turkson soll Aufführung eines antimuslimischen Films organisiert haben

So wie Ouellet ist auch der zweite und dritte Papabile auf der Paddy-Power-Liste – so werden Kardinäle genannt, die Chancen auf das Amt des Papstes haben – keine Europäer. Sowohl der Präsident des Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Peter Turkson, als auch der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentordnung, Francis Arinze, kommen aus Afrika.

Der 65jährige Turkson ist der erste Erzbischof aus Ghana. Als er vor vier Jahren ernannt wurde, war er auch der jüngste Erzbischof Afrikas. Im Jahr 2008 fragte ihn ein amerikanischer Journalist, ob es Zeit sei, einen afrikanischen Papst zu haben. Turkson antwortete kurz und bündig: "Warum nicht?"

Seine Mission – sagt er – sei sowohl geistig als auch politisch. Er nahm zum Beispiel kein Blatt vor den Mund, als es darum ging, die Ausbeutung der afrikanischen Bodenschätze durch europäische und amerikanische Konzernen zu kritisieren. Turksons Kandidatur ist jedoch heftig umstritten. Seine Stellungnahme gegen eine neue Verhütungspolitik in Afrika wurde als erzkonservativ kritisiert. Vor einigen Monaten soll er zudem die Aufführung eines antimuslimischen Films im Vatikan organisiert haben.