Winnenden : Bewährungsstrafe für Vater des Amokläufers

Die spätere Mordwaffe war nicht gesichert, dafür ist der Vater von Tim K. nun zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Sein Sohn hatte 15 Menschen erschossen.
Am Landgericht Stuttgart wurde der zweite Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden verhandelt. © Bernd Weißbrod/dpa

Der Vater des Amokläufers von Winnenden ist vom Stuttgarter Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Das Gericht sprach den Angeklagten unter anderem der fahrlässigen Tötung schuldig, weil er die Waffe nicht ordnungsgemäß gesichert hatte, mit der sein Sohn Tim K. am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst getötet hatte.

Da nur die Verteidigung und nicht die Staatsanwaltschaft Revision beantragt hatte, kann die Strafe nicht höher ausfallen als im ersten Prozess. Die Staatsanwälte forderten vor rund zwei Wochen in ihrem Plädoyer erneut 21 Monate. Die Verteidigung dagegen sieht nur einen Verstoß gegen das Waffengesetz und keine fahrlässige Tötung. Anwalt Hubert Gorka forderte, von einer Strafe ganz abzusehen: Der Tod seines Sohnes sei Strafe genug für den 54-jährigen Unternehmer.

Die Pistole hatte der Vater im unverschlossenen Schlafzimmerschrank verwahrt. In einem ersten Verfahren hatte ihn das Gericht dafür unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Wegen eines Formfehlers musste der Prozess jedoch neu begonnen werden: Eine Zeugin hatte sich erst in Widersprüche verwickelt und schließlich ihre Aussage verweigert.

Nebenkläger spricht von "Verhöhnung" der Opfer

Der Vater hatte den zweiten Prozess kontinuierlich verfolgt – im ersten Verfahren hatte er mehr als drei Monate lang aus Krankheitsgründen gefehlt. Im Schlusswort sprach er erneut allen Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. Er bedauere es zutiefst, dass sein Sohn Zugriff auf Waffen gehabt habe. An sein totes Kind gewandt sagte er, es tue ihm Leid, dass er Tims Not nicht erkannt habe. Unter Tränen fügte er hinzu: "Du fehlst mir."

Das allerdings löste bei den Angehörigen der Opfer Unmut aus. Der Anwalt der Nebenkläger ergriff noch einmal das Wort und sprach von Verhöhnung: "Wie hört es sich bitte für die Angehörigen an, wenn Tim K. ohne mit der Wimper zu zucken in die Reihe der Opfer gestellt wird?"

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Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Jetzt muss ich aber mal fragen

Warum sind Sie Verfechter des freien Waffenbesitzes? Denn ich frage mich immer, für was man in Deutschland eine Waffe braucht? Wenn man kein Cop oder Sportschütze ist? Die Annahme, weil jemand heute als Zuverlässiger Bürger gilt, den Besitz einer Waffe zu erlauben, sieht morgen schon ganz anders aus. Haben wir das nicht oft genug schon erlebt? Insofern frage ich noch mal: Für was braucht man eine Waffe? Zum an die Wand hängen? Zum Anstarren?

cheers