Ballonkatastrophe : Unglücksfirma von Luxor hatte einen guten Ruf

Die Ballonflüge in Luxor waren eine beliebte Attraktion. Unfälle gab es bis zur tödlichen Katastrophe kaum, den Tourismus in Ägypten trifft sie hart.
Die Startbereich der Heißluftballons in Luxor rund 40 Minuten vor dem Unglück

Erst gab es einem heftigen Knall. Sekunden später stand der Ballon in Flammen und raste zu Boden. 19 der 20 Touristen in der Passagiergondel starben, als am Dienstag früh in Luxor Brenner und Gasflasche ihres Heißluftballons in rund 300 Metern Höhe explodierten. Die meisten Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Katastrophe ereignete sich bei einer beliebten Touristenattraktion, die Fahrten mit den Heißluftballons zum Sonnenaufgang über dem Tal der Könige, dem Hatschepsut-Tempel oder den Kolossen von Memnon, gehören zu den populärsten Ereignissen für Luxor-Besucher. Sie werden seit bereits 15 Jahren angeboten.

In der Vergangenheit gab es zwar einige wenige Unfälle, bei denen jedoch niemand zu Tode kam. Im Mai 2009 streifte ein Ballon vor der Landung einen Handymast, 16 Touristen erlitten Arm- und Beinbrüche. Im Februar 2008 stießen drei Heißluftballons zusammen, dabei wurden sieben Menschen verletzt.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Mena stammen neun der Todesopfer vom Dienstag aus Hongkong, vier aus Japan, zwei aus Frankreich und drei aus Großbritannien. Eine ägyptische Reiseleiterin befindet sich ebenfalls unter den Toten. Nach Angaben der Ballonfirma Sky Cruise könnte das Unglück durch ein Leck in der Leitung zwischen Gasflasche und Brenner ausgelöst worden sein. Drei Insassen, der Pilot und zwei britische Touristen, überlebten, weil sie laut Sky Cruise kurz vor dem Aufprall – bevor die Explosion den Ballon für einen Moment noch einmal hoch in die Luft geschleudert habe – aus dem Korb gesprungen seien.

Die britische Botschaft in Kairo erklärte, zwei ihrer Staatsbürger lägen im Krankenhaus, einer allerdings erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. Auch der Ballonfahrer schwebt nach ägyptischen Angaben in Lebensgefahr. Die beiden Überlebenden sollen mit einem Ambulanzflugzeug in ein Spezialkrankenhaus für Brandwunden nach Kairo verlegt werden.

Ägyptens Tourismusindustrie geht es ohnehin schlecht

In Luxor teilen sich acht Ballonfirmen das Geschäft. Einige von ihnen sind bei lokalen Tourismusmanagern schlechter beleumundet, weil sie die Ballonkörbe überladen, mit Sicherheitsregeln lax umgehen oder ihre Piloten an Bord gern den Macho spielen. Die Mehrheit der Firmen arbeitet jedoch zuverlässig und professionell, ihre Ballonfahrer haben eine offizielle Ausbildung und müssen regelmäßig ein Sicherheitstraining der zivilen Luftfahrtbehörde auf dem Flughafen von Luxor absolvieren. Die Unglücksfirma Sky Cruise genießt einen guten Ruf. Der Reiseveranstalter Kuoni, bei dem die neun getöteten chinesischen Touristen aus Hongkong gebucht hatten, gab an, man arbeite mit dem Unternehmen seit vielen Jahren ohne Probleme zusammen. Die Staatsanwaltschaft leitete inzwischen Ermittlungen ein. Der Gouverneur der Provinz Luxor verhängte bis auf weiteres für alle Firmen ein absolutes Startverbot.

Das Unglück trifft die seit zwei Jahren ohnehin am Boden liegende Tourismusindustrie Ägyptens hart. Seit dem Sturz von Hosni Mubarak und den regelmäßig wiederkehrenden Gewaltwellen im Land ist die Zahl der ausländischen Gäste stark zurückgegangen. Sie sank nach offiziellen Angaben von 14,7 Millionen Besuchern im Jahr 2010 auf gut 9 Millionen in den beiden Folgejahren – statistische Angaben, die sehr wahrscheinlich geschönt sind. Denn selbst im oberägyptischen Luxor, der pharaonischen Hauptstadt Theben, mit seinen weltberühmten Tempeln und Königsgräbern, kämpfen viele Hotels mit Belegungsraten zwischen zehn und zwanzig Prozent.

Von den 270 Hotelschiffen, die auf dem Nil zwischen Luxor und Assuan verkehren, sind zurzeit höchstens zehn im Einsatz. Auch in Kairo sind die Pyramiden von Gizeh seit zwei Jahren praktisch verwaist. Für weitere verheerende Schlagzeilen sorgten zuletzt bewaffnete Banden nahe dem Tahrir-Platz, die in das an der Nil-Corniche gelegene Fünf-Sterne-Hotel Semiramis eindrangen, Gäste bedrohten, die Lobby verwüsteten und die Luxusgeschäfte im Erdgeschoss plünderten.

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