BallonkatastropheUnglücksfirma von Luxor hatte einen guten Ruf

Die Ballonflüge in Luxor waren eine beliebte Attraktion. Unfälle gab es bis zur tödlichen Katastrophe kaum, den Tourismus in Ägypten trifft sie hart. von 

 Heißluftballons in Luxor

Die Startbereich der Heißluftballons in Luxor rund 40 Minuten vor dem Unglück  |  © Christopher Michel

Erst gab es einem heftigen Knall. Sekunden später stand der Ballon in Flammen und raste zu Boden. 19 der 20 Touristen in der Passagiergondel starben, als am Dienstag früh in Luxor Brenner und Gasflasche ihres Heißluftballons in rund 300 Metern Höhe explodierten. Die meisten Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Katastrophe ereignete sich bei einer beliebten Touristenattraktion, die Fahrten mit den Heißluftballons zum Sonnenaufgang über dem Tal der Könige, dem Hatschepsut-Tempel oder den Kolossen von Memnon, gehören zu den populärsten Ereignissen für Luxor-Besucher. Sie werden seit bereits 15 Jahren angeboten.

In der Vergangenheit gab es zwar einige wenige Unfälle, bei denen jedoch niemand zu Tode kam. Im Mai 2009 streifte ein Ballon vor der Landung einen Handymast, 16 Touristen erlitten Arm- und Beinbrüche. Im Februar 2008 stießen drei Heißluftballons zusammen, dabei wurden sieben Menschen verletzt.

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Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Mena stammen neun der Todesopfer vom Dienstag aus Hongkong, vier aus Japan, zwei aus Frankreich und drei aus Großbritannien. Eine ägyptische Reiseleiterin befindet sich ebenfalls unter den Toten. Nach Angaben der Ballonfirma Sky Cruise könnte das Unglück durch ein Leck in der Leitung zwischen Gasflasche und Brenner ausgelöst worden sein. Drei Insassen, der Pilot und zwei britische Touristen, überlebten, weil sie laut Sky Cruise kurz vor dem Aufprall – bevor die Explosion den Ballon für einen Moment noch einmal hoch in die Luft geschleudert habe – aus dem Korb gesprungen seien.

Die britische Botschaft in Kairo erklärte, zwei ihrer Staatsbürger lägen im Krankenhaus, einer allerdings erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. Auch der Ballonfahrer schwebt nach ägyptischen Angaben in Lebensgefahr. Die beiden Überlebenden sollen mit einem Ambulanzflugzeug in ein Spezialkrankenhaus für Brandwunden nach Kairo verlegt werden.

Ägyptens Tourismusindustrie geht es ohnehin schlecht

In Luxor teilen sich acht Ballonfirmen das Geschäft. Einige von ihnen sind bei lokalen Tourismusmanagern schlechter beleumundet, weil sie die Ballonkörbe überladen, mit Sicherheitsregeln lax umgehen oder ihre Piloten an Bord gern den Macho spielen. Die Mehrheit der Firmen arbeitet jedoch zuverlässig und professionell, ihre Ballonfahrer haben eine offizielle Ausbildung und müssen regelmäßig ein Sicherheitstraining der zivilen Luftfahrtbehörde auf dem Flughafen von Luxor absolvieren. Die Unglücksfirma Sky Cruise genießt einen guten Ruf. Der Reiseveranstalter Kuoni, bei dem die neun getöteten chinesischen Touristen aus Hongkong gebucht hatten, gab an, man arbeite mit dem Unternehmen seit vielen Jahren ohne Probleme zusammen. Die Staatsanwaltschaft leitete inzwischen Ermittlungen ein. Der Gouverneur der Provinz Luxor verhängte bis auf weiteres für alle Firmen ein absolutes Startverbot.

Das Unglück trifft die seit zwei Jahren ohnehin am Boden liegende Tourismusindustrie Ägyptens hart. Seit dem Sturz von Hosni Mubarak und den regelmäßig wiederkehrenden Gewaltwellen im Land ist die Zahl der ausländischen Gäste stark zurückgegangen. Sie sank nach offiziellen Angaben von 14,7 Millionen Besuchern im Jahr 2010 auf gut 9 Millionen in den beiden Folgejahren – statistische Angaben, die sehr wahrscheinlich geschönt sind. Denn selbst im oberägyptischen Luxor, der pharaonischen Hauptstadt Theben, mit seinen weltberühmten Tempeln und Königsgräbern, kämpfen viele Hotels mit Belegungsraten zwischen zehn und zwanzig Prozent.

Von den 270 Hotelschiffen, die auf dem Nil zwischen Luxor und Assuan verkehren, sind zurzeit höchstens zehn im Einsatz. Auch in Kairo sind die Pyramiden von Gizeh seit zwei Jahren praktisch verwaist. Für weitere verheerende Schlagzeilen sorgten zuletzt bewaffnete Banden nahe dem Tahrir-Platz, die in das an der Nil-Corniche gelegene Fünf-Sterne-Hotel Semiramis eindrangen, Gäste bedrohten, die Lobby verwüsteten und die Luxusgeschäfte im Erdgeschoss plünderten.

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Leserkommentare
  1. mal werden Touristen einfach erschossen (Massaker am Hatschepsut-Tempel 1997), notfalls wird der Bus über Land von korrupter Polizei angehalten um Wegegeld zu erpressen (habe ich selbst erlebt), was einem dann die Laune verdirbt.
    Ich habe derzeit wenig Lust auf Urlaub in Ägypten und wundere mich über diesen Artikel, der nur Werbung macht und hauptsächlich beschreibt, daß doch alles in Ordnung sei. War es nicht, denn sonst wäre der Ballon nicht wegen eines solchen Defektes abgestürzt!
    Mein Beileid den Angehörigen der Opfer, die eigentlich nur einen schönen Urlaub in einem sehr schönen Land verbringen wollten.

    5 Leserempfehlungen
    • scoty
    • 26. Februar 2013 19:19 Uhr

    gibt Auskunft über den Leumund der Firma die diesen Ballon gewerblich betrieben hat aber vor allen Dingen über die jetzige Lage im Tourismus-Gewerbe in Ägypten.

  2. Muss man beim heutigen Stand der Technik unbedingt in einen Heißluftballon einsteigen?

    Muss man unbedingt Bungee-Jumping ausprobiert haben?

    Muss man unbedingt einen 8.000er bestiegen haben?

    2 Leserempfehlungen
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    Kann man aber, und selbst wenn man alles noch so kontrolliert, kann es trotzdem zu Unfällen kommen oder jemand, auf den man keinen Einfluss hat, sorgt dafür, dass einem etwas passiert. Ein Flugzeugabsturz auf das eingene Haus, wenn man gerade genüsslich ein Buch liest, ein außer Kontrolle geratenes Fahrzeug, das einen auf dem Weg zum Post holen erwischt, ein Baum, der innerlich verrottet, aber äußerlich nicht auffällig ist, fällt um und macht Sie platt, wenn Sie vom Einkaufen kommen... . Sicherlich bergen manche Unternehmungen ein etwas höheres Gefahrenpotential, aber ein ordnungsgemäß durchgeführter Bungeesprung dürfte weniger riskant sein, als eine Autofahrt von Hamburg nach München.

    • SonDing
    • 26. Februar 2013 20:05 Uhr

    Die Firma Sky Cruise wurde seit einem Unfall im Jahre 2011 aus dem Katalog eines holländischen Reiseveranstalters gestrichen. De Telegraf berichtete von diesem Vorfall:

    http://www.telegraaf.nl/b...

    Hier noch zwei Videos von Augenzeugen und selbst betroffenen Fahrgästen:
    Luxor Balloon Flight Crash
    https://www.youtube.com/w...
    Hot airballoon crash in Luxor, Egypt on 2011-10-19
    https://www.youtube.com/w...

    Der abgestürzte Ballon war offensichtlich genau jener, der am 19.10.2011 in einen Crash am Nil verwickelt war, bei dem mit sehr viel Glück offensichtlich nur Sachschaden an einem Schiff und am Ballonkorb selbst verursacht wurde. Ursache damals: menschliches Versagen. Man schaue sich die Fotos vom abgestürzten Ballon heute an - offenbar dasselbe grün-gelbe Design, wie beim Unfall 2011:

    http://rt.com/news/egypt-...

    Wer weiss ob beim 2011er Crash nicht irgendein Teil des Gasbrenners beschädigt wurde und bis heute als tickende Zeitbombe herumgeflogen ist.

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    Ballon gewesen sein, offensichtlich benutzt jede Ballonfirma ihre eigenen Farben - aus dem Bild zu ersehen. Die betreffende Firma hat vermutlich alle ihre Ballons so produzieren lassen.

    • Mahoni2
    • 26. Februar 2013 21:09 Uhr

    Wirklich schlimm - mein Beileid an die Angehörigen.

  3. egal ob Flugzeugabsturz,Kreuzfahrtunglück oder irgendetwas anderes,viele menschen (ich auch) fühle mich eher unwohl wenn lange nichts passiert ist,weil der Mensch von Natur aus dann nachlässig wird.
    Kreuzfahrten sind im Moment sicher sehr sicher,ebenso wie Ballonfliegen in der nächsten zeit.

  4. Ballon gewesen sein, offensichtlich benutzt jede Ballonfirma ihre eigenen Farben - aus dem Bild zu ersehen. Die betreffende Firma hat vermutlich alle ihre Ballons so produzieren lassen.

  5. Daß Technik dort nicht oder nur als Glückssache und Zufall funktioniert, weiß doch jeder, der nur einmal in Ägypten Urlaub gemacht hat.

    Wer mit den altersschwachen pickups, den regelmäßig nur notdürftig reparierten Bussen oder rumpeligen alten, manchmal noch aus dem Ostblock stammenden Eisenbahnen durchs Land gefahren ist, wer einmal vom Egypt-Air Piloten gehört hat "wir werden in 2 Stunden in Assuan ankommen -in scha' allah", wer sich dem Wagnis ausgesetzt hat, die ratternden und rumpelnden Aufzüge in den aus Ismail Paschas Zeiten stammenden, einstmals wunderschönen, jetzt aber völlig heruntergekommenen Häuser im Zentrum Kairos zu besteigen, wer versucht hat, dort mal ein Festnetz-Telefonat zu führen, wer die regelmäßig auftauchenden Nachrichten von aufgrund fehlerhafter Statikberechnungen oder Baupfusch einstürzenden Gebäuden gelesen hat, der weiß, das es keine gute Idee ist, dort eine Ballonfahrt zu machen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hosni Mubarak | Ägypten | Frankreich | Großbritannien | Hongkong | Japan
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