VatikanBenedikt verspricht Nachfolger "bedingungslosen Gehorsam"

Beim Abschied von den Kardinälen hat Benedikt XVI. seinem Nachfolger Ehrfurcht zugesagt. Ein Kardinal äußerte Kritik am Rücktritt des Papstes.

Papst Benedikt XVI. bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz (Archiv)

Papst Benedikt XVI. bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz (Archiv)   |  © Alessandro Bianchi/Reuters

Papst Benedikt XVI. hat sich im Vatikan von den anwesenden Kardinälen verabschiedet und sich dabei zu seinem Nachfolger geäußert: "Unter Euch ist auch der künftige Papst, dem ich meinen bedingungslosen Gehorsam und Ehrfurcht verspreche", sagte das scheidende Oberhaupt der katholischen Kirche. Er spendete den Geistlichen seinen Segen und verabschiedete sich von jedem Kardinal einzeln.

Der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, hatte sich zuvor in einer kurzen Ansprache bei Benedikt bedankt. Die Purpurträger befinden sich bereits im Vatikan, um die Vorbereitungen für das im März anstehende Konklavezu treffen.

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Unterdessen gab es aber auch Kritik an Benedikts Rücktritt. Der ranghöchste australische Geistliche, Kardinal George Pell, sagte im dortigen Fernsehen, Benedikt mache es seinen Nachfolgern schwer, weil "Menschen, die mit einem der kommenden Päpste nicht einverstanden sind, jetzt Kampagnen für ihren Rücktritt anstoßen können. Benedikt XVI. sei sich "sehr bewusst" darüber, dass sein Rücktritt ein "Bruch mit der Tradition" sei und auf die Kirche "eher destabilisierend" wirke.

"Regieren war nicht seine Stärke"

Pell, der mit seinen 71 Jahren am Konklave zur Wahl eines Papstnachfolgers teilnehmen darf, kritisierte zudem, der scheidende deutsche Papst sei zwar ein "brillanter Lehrer", aber "Regieren war nicht seine Stärke". Die katholische Kirche brauche nun einen Nachfolger, "der sie führen und wieder ein bisschen enger zusammenbringen kann".

Benedikt XVI. hatte am 11. Februar als erster Papst der Neuzeit seinen Rücktritt zum Ende des Monats angekündigt. Er gibt sein Pontifikat nach eigenen Angaben aus Altersgründen auf.

Um 20 Uhr endet Benedikts Amtszeit

Am Mittwoch hatte sich Benedikt mit einer Generalaudienz auf dem Petersplatz vor etwa 150.000 Gläubigen öffentlich verabschiedet. An seinem letzten Arbeitstag wird Benedikt um 17.00 Uhr mit dem Hubschrauber nach Castel Gandolfo vor den Toren Roms fliegen. Am frühen Abend wird ein Gruß an die Gläubigen von der Loggia des Palastes aus Benedikts letzter öffentlicher Akt sein. Um 20.00 Uhr endet seine Amtszeit nach knapp acht Jahren, und die Sedisvakanz ("leerer Stuhl Petri") beginnt.

In Castel Gandolfo wird der emeritierte Papst die kommenden Monate verbringen. Danach zieht er in ein ehemaliges Kloster in den Vatikanischen Gärten.

In Deutschland werden abends in vielen katholischen Kirchen die Glocken läuten. Außerdem gibt es Dankgottesdienste, darunter einen zentralen in der Kathedrale St. Hedwig in Berlin, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird.

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Leserkommentare
    • Laoyafo
    • 28. Februar 2013 13:06 Uhr

    Irgendwie ein Verzicht auf die Unfehlbarkeit -- das war mein Gedanke. Unfehlbarkeit ist etwas, was man keinem Machthaber dieser Welt so zugesteht wie dem Chef im Vatikan. Dieser kann mit Berufung auf Gottes Wort den Laden umkrempeln, wenn er will. Niemand hätte ihn daran hindern können, drastische Konsequenzen aus Fehlentwicklungen zu ziehen. Im Grunde könnte er alle Dogmen umstoßen und Kursänderungen befehlen. Wer soll ihn hindern? Es war allein das Befangensein in einem konventionellen Denken, das diesen und die früheren Päpste daran gehindert hat, echte Veränderungen vorzunehmen, selbst da, wo Durchgreifen wirklich angezeigt gewesen wäre.
    Wer aber das tun soll, der muss Kraft haben, nicht nur Entschlossenheit.
    Aus der Erkenntnis der eigenen Hinfälligkeit zu handeln ist respektabel. Es war auch respektabel, dass der frühere Papst den Menschen gezeigt hat, dass Leiden und Sterben zum Menschsein gehört. Auch beim Papst. Es war ein Aufbäumen des Willen gegen die körperliche Kondition. Das ist nicht jedem gegeben.
    Spirituelle Kraft sehe ich -- auch darin, dass er sich mit dem Dalai Lama unterhalten hat -- in besonderer Weise bei Johannes Paul VI. Die trug über seinen Tod hinaus. Ein Papst ist in erster Linie ein spirituelles Oberhaupt. Das fordert ihm Besonderes ab. Zu gehen oder zu bleiben ist gleichermaßen eine Möglichkeit, sich vor dieser Forderung zu bewähren.

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    "Unfehlbarkeit ist etwas, was man keinem Machthaber dieser Welt so zugesteht wie dem Chef im Vatikan. Dieser kann mit Berufung auf Gottes Wort den Laden umkrempeln, wenn er will. Niemand hätte ihn daran hindern können, drastische Konsequenzen aus Fehlentwicklungen zu ziehen."
    Sie zeigen ziemlich deutlich, dass Aussenstehende oft ein sehr realitätsfernes Bild von der katholischen Kirche haben, besonders was die Machtbefugnisse angeht. Denn andererseits muss man sagen, dass auch kein Machthaber, sofern diese Bezeichnung überhaupt treffend sein sollte, in derart ritualisierte Entscheidungsfindungsprozesse mit derart vielen Menschen und Interessengruppen eingebunden ist. Der Papst kann deshalb eben nicht Kraft seiner Unfehlbarkeit den Laden einfach umkrempeln. Selbst was die angeblichen "Fehlentwicklungen" sein sollten, kann ein Papst gar nicht entscheiden.
    Übrigens bezieht sich die vielzitierte Unfehlbarkeit lediglich auf eine Sondersituation, nämlich die Verkündigung eines Dogmas. Dies ist seit der Einführung dieser Regel im 19. Jahrhundert ein einziges Mal vorgekommen und auch nur der Endpunkt eines jahrzehnte- bzw. jahrhundertelangen Prozesses der Gläubigen auf spiritueller Ebene.
    Meinen Sie wirklich, dass Benedikt durch die Aufhebung der "Unbefleckten Empfängnis" (bitte nicht mit sexueller Enthaltsamkeit verwechseln, die Bedeutung vorsichtshalber auf Wikipedia nachschlagen) "den Laden umgekrempelt hätte"? Ich habe da meine Zweifel.

    deaktivierter Mut!

    Wann beginnt bei solchen Menschen das Bewußtsein ihrer persönlichen Verantwortung.

    Mit Demut kann man alles wegschieben. Auf der obersten Ebene der Hierarchie ist sie nur noch unehrliches Getue.

    • short24
    • 28. Februar 2013 15:47 Uhr

    Johannes Paul VI?
    Vielleicht Johannes Paul II

    Das Gespräch mit dem Dalai Lama spirituell über seinen Tod hinaus bedeutsam? Das ist vielleicht etwas überbewertet.

    • Laoyafo
    • 28. Februar 2013 16:35 Uhr

    Ich meinte, die spirituelle Kraft trug über den Tod hinaus. Das mit dem Dalai Lama meinte ich so: Er ist ebenfalls eine der großen spirituellen Persönlichkeiten unserer Welt, und Papst Johannes Paul könnte seine Bedeutung erkannt haben. Soweit ich weiß, hat sich Benedikt nie mit ihm getroffen, vielleicht aus Rücksicht auf China.

  1. "Menschen, die mit einem der kommenden Päpste nicht einverstanden sind, jetzt Kampagnen für ihren Rücktritt anstoßen können." Dieses Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Benedikt, der sich der Brisanz seines Schrittes bewusst ist, wird sich ausserdem mit Sicherheit nicht mehr öffentlich äussern wollen. Aber in Zukunft könnte es dazu kommen, dass eine graue Eminenz aus dem Off ständig dazwischen funkt, "um Schaden von der Kirche abzuwenden". Das wäre in der Tat äusserst destabilisierend.

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  2. jetzt jeder Katholikenpups in der (freien) Presse breitgetreten werden?

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    . . .

    • wowman
    • 28. Februar 2013 13:13 Uhr

    Völlig verständlich, dass er Gehorsam verspricht.
    Dennoch: Ich an seiner Stelle wäre nach Avignon gezogen. Wunderschöne Stadt, und für den Fall, dass er es sich anders überlegt, bildet sie eine gute Ausgangsbasis.
    Wär' nicht das erste Mal...

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  3. Bedingungsloser Gehorsam?

    Only a Sith deals in absolutes...

    2 Leserempfehlungen
  4. "Unfehlbarkeit ist etwas, was man keinem Machthaber dieser Welt so zugesteht wie dem Chef im Vatikan. Dieser kann mit Berufung auf Gottes Wort den Laden umkrempeln, wenn er will. Niemand hätte ihn daran hindern können, drastische Konsequenzen aus Fehlentwicklungen zu ziehen."
    Sie zeigen ziemlich deutlich, dass Aussenstehende oft ein sehr realitätsfernes Bild von der katholischen Kirche haben, besonders was die Machtbefugnisse angeht. Denn andererseits muss man sagen, dass auch kein Machthaber, sofern diese Bezeichnung überhaupt treffend sein sollte, in derart ritualisierte Entscheidungsfindungsprozesse mit derart vielen Menschen und Interessengruppen eingebunden ist. Der Papst kann deshalb eben nicht Kraft seiner Unfehlbarkeit den Laden einfach umkrempeln. Selbst was die angeblichen "Fehlentwicklungen" sein sollten, kann ein Papst gar nicht entscheiden.
    Übrigens bezieht sich die vielzitierte Unfehlbarkeit lediglich auf eine Sondersituation, nämlich die Verkündigung eines Dogmas. Dies ist seit der Einführung dieser Regel im 19. Jahrhundert ein einziges Mal vorgekommen und auch nur der Endpunkt eines jahrzehnte- bzw. jahrhundertelangen Prozesses der Gläubigen auf spiritueller Ebene.
    Meinen Sie wirklich, dass Benedikt durch die Aufhebung der "Unbefleckten Empfängnis" (bitte nicht mit sexueller Enthaltsamkeit verwechseln, die Bedeutung vorsichtshalber auf Wikipedia nachschlagen) "den Laden umgekrempelt hätte"? Ich habe da meine Zweifel.

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    Antwort auf "Schwäche?"
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    • Laoyafo
    • 28. Februar 2013 13:55 Uhr

    wie verkrustet die Strukturen sind. Aber es gibt Hoffnung: Wenn seit 700 Jahren zum ersten Mal ein Papst in den Ruhestand gegangen ist, kann ja auch mal einer den Laden umkrempeln.

  5. Bedingungsloser Gehorsam klingt aus dem Mund eines Deutschen, der ihn schon einmal in seiner Biografie einem anderen, verbrecherischen Herrscher, leisten musste, unangenehm.

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    • TDU
    • 28. Februar 2013 14:17 Uhr

    Ist Gehorsam jetzt eine Sekundärtugend mit der man auch ein KZ betreiben kann? Was hätten Sie gesagt? Loyalität, ich mische mich nicht ein oder was?

    Er braucht den Begriff im religiösen Kontext, und da ist er eine verbindliche Kategorie wie "Parteisoldat" bei der SPD. Auch der Respekt vor Mehrheitsentscheidungen in der Politik.

    Soll man den jetzt auch relativieren, weil eine solche Entscheidung zum Afghanistaneinsatz geführt hat? Ich mag das Wort auch nicht aber manchmal ist er von Nutzen. Bei Kindern, die Gefahren nicht übersehen können und einfach das tun was die Eltern sagen.

    Übrigens sind wir alle irgendwie gehorsam. Sonst könnten wir nur nach konkreter Anweisung handeln oder man befieklt appelliert die Einsicht in die Notwendigkeit.

    ...bedingungslosen Gehorsam gibt es eben NICHT mehr im Militär, zumindest nicht in der Bundeswehr. Ich empfehle die Lektüre des Soldatengesetzes und hier insbesondere den § 11 Abs. 1 und 2.

    Immer schön, Klischeebildern anzuhängen, nicht wahr?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa AFP, sk
  • Schlagworte Benedikt XVI | Angela Merkel | Vatikan | Katholische Kirche | Bundeskanzler | Garten
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