Was an einem Papst ist Person, und was ist Amt? Und wie sehr wird das Amt von der Person bestimmt? Anders gefragt: Wie kann es sein, dass ein Papst zurücktritt?

Benedikt XVI. und Joseph Ratzinger: Sie sind derselbe. Und doch scheint es, es seien bisweilen zwei gewesen. Der jüngste und stärkste Hinweis darauf ist Benedikts Rücktritt. Bis auf eine Ausnahme in 2.000 Jahren ist jeder Papst im Amt gestorben. Bei Johannes Paul II. waren Person und Amt gar so eng verzahnt, dass er nicht mehr als Mensch im Privaten starb, sondern sein Sterben als Papst öffentlich machte.

Sein Nachfolger aber hebt die Einheit zwischen ihm und seinem Auftrag auf aus freien Stücken. Die Kraft seines Körpers und Geistes lasse nach, begründet er. Doch zur gefühlten Schwäche gehört die Bürde, die einer zu schultern hat. Diese Last war groß in den letzten acht Jahren.

Beschwingt hatte es angefangen. Nachdem Joseph Ratzinger am 19. April 2005 nach nur 26 Stunden im vierten Wahlgang gewählt war, trat er voller Elan auf die Loggia des Peterdoms, riss die Arme hoch und nahm freudestrahlend den Jubel der Menge entgegen. Beim Weltjugendtag in Köln wenige Wochen später wurde er von Zehntausenden euphorisch empfangen. Auch der Empfang in Polen, wo sein Vorgänger schon zu Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt wurde, war äußerst herzlich. Ratzinger blühte als Papst förmlich auf.

Verbal zeigte sich der neue Mann an der Spitze bescheiden. Gleich bei seiner ersten Rede am Tag der Wahl stellte sich der Pontifex Maximus als "einen einfachen unwürdigen Arbeiter im Weinberg des Herrn" dar. Später erzählte er von den letzten Momenten im Konklave: "Als das Fallbeil auf mich herabfiel", sei ihm "ganz schwindelig zumute" gewesen. Er habe zu Gott gebetet: "Bitte tu' mir das nicht an."

Ratzinger wusste, was ihn erwartete: Fast 25 Jahre war er Präfekt der Glaubenskongregation, die früher Inquisition hieß. Er galt als mächtigster Mann hinter Johannes Paul II. Und doch war er ein Mann in der zweiten Reihe, in den Machtkämpfen der Kurie maximal Anführer einer Fraktion, Erster einer Seilschaft, nicht aber an der absoluten Spitze, wo alle Interessen aufeinanderprallen und auszugleichen sind.

In der Welt des Kampfes, der Intrige, der harten Interessengegensätze hatte es Ratzinger weit gebracht. Und doch war dies eigentlich nicht seine Welt. Er erlebte eine behütete Kindheit, wenn er von seiner Heimat sprach, wurde er wehmütig: die Spaziergänge mit der Mutter zur Waldkapelle, das Moossammeln für die Weihnachtskrippe, die feierlichen Gottesdienste mit Weihrauch und lateinischem Gesang – eine heile, bayerische, katholische Welt.