Mexikanischer ÖlmultiAnschlag oder Unfall beim Ölkonzern Pemex?

Der mexikanische Ölkonzern Pemex steht vor tiefgreifenden Reformen. Just in dieser Phase kommt es zu einer Explosion, bei der mehr als 20 Menschen sterben.

Rettungskräfte vor der Zentrale des staatlichen Ölkonzerns Pemex in Mexiko-Stadt

Rettungskräfte vor der Zentrale des staatlichen Ölkonzerns Pemex in Mexiko-Stadt  |  © Thomas Bravo/Reuters

Die Explosion ereignete sich im Kellergeschoss. Die Detonation in der Zentrale des staatlichen Ölkonzerns Petróleos Mexicanos (Pemex) in Mexiko-Stadt war so stark, dass mindestens 25 Menschen kurz vor Feierabend getötet wurden. Mehr als 100 weitere sind verletzt. Noch immer suchen Einsatzkräfte unter den Trümmern nach Verschütteten, sagte der Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong.

Die Aussagen über die Ursachen der Explosion gehen derzeit noch weit auseinander: Pemex-Quellen erwähnten eine Überhitzung der Klimaanlage des Gebäudes. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Erdöl-Techniker, Moisés Flores, sprach von einer mangelhaften Wartung der Heiz- und Kühlanlage. Ein Sprecher des Katastrophenschutzes berichtete von einer Gasansammlung in einer elektrischen Anlage. Zeugen sprachen außerdem von zwei Detonationen.

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Vieles scheint auf einen Unfall hinzuweisen. Doch es gibt auch andere Überlegungen. Ein Mexiko-Korrespondent der New York Times verweist darauf, dass in mexikanischen Medien nicht von einem Unfall die Rede ist, sondern von einem Vorfall. Dies, so seine Überlegung, könne ein Hinweis auf einen gezielten Anschlag sein. Die Zeitung Proceso nährt weitere Spekulationen, es könnte sich um eine Bombenexplosion gehandelt haben.

Innenminister Chong hat – wie zuvor bereits Präsident Peña Nieto – dazu aufgerufen, Spekulationen zu unterlassen, berichtet CNN. Die Generalstaatsanwaltschaft (PGR) sei damit beauftragt, die Ursache zu suchen. Man müsse deren Gutachten abwarten, alles andere sei unverantwortlich.

Explosion ereignete sich kurz vor Feierabend

Viele der 3.500 Angestellten, die sich zum Zeitpunkt der Explosion noch in der Pemex-Verwaltung aufhielten, standen unter Schock: "Plötzlich gab es eine große Erschütterung, die erste Etage war voll von Trümmern, das Licht ging aus", sagte ein Angestellter.

Der 214 Meter und 54 Etagen hohe Gebäudekomplex wurde evakuiert, die Straßen der Umgebung gesperrt. Die Explosion geschah nicht im Hauptturm, sondern in einem der beiden Nebengebäude, dem Tower B2. Der 1984 eingeweihte Pemex-Tower, das zweithöchste Gebäude in Mexiko-Stadt, gilt als besonders erdbebensicher. Er konnte dem Beben der Stärke 8,2 von 1985 ohne Schäden widerstehen.

Kurz vor der Explosion hatte Pemex über Twitter mitgeteilt, in dem Gebäude gebe es Probleme mit der Elektrizität.

Keine Privatisierung geplant

Die Explosion ereignet sich zu einem Zeitpunkt, in der Pemex wegen der geplanten Reform der Energiepolitik in den Schlagzeilen steht. Über eine mögliche Privatisierung des Konzerns wird spekuliert. Noch am Vortag hatte Präsident Nieto dies energisch dementiert.

In der jüngeren Vergangenheit hat es bei Pemex mehrere tödliche Ereignisse gegeben. Am 30. September 2012 wurden bei einer Explosion in einer Erdgasanlage im Norden des Landes 30 Menschen getötet. Im Dezember 2010 starben 29 Menschen bei der Explosion einer Pemex-Pipeline, die Diebe angezapft hatten. Im Oktober 2007 wurden 21 Pemex-Arbeiter bei einem Gasleck an einer Ölplattform im Golf von Mexiko getötet.

Pemex soll außerdem Beziehungen zur Drogenmafia haben: Die Verstrickungen zwischen organisierter Kriminalität, Pemex-Funktionären und Politikern hat die Journalistin Ana Lilia Pérez in ihrem Buch El cártel negro (Das schwarze Kartell) aufgedeckt.

Das staatliche Unternehmen ist federführend für das gesamte Ölgeschäft Mexikos und gehört zu den größten Erdölkonzernen der Welt. Im vergangenen Jahr erzielte es einen Umsatz von 32 Milliarden Dollar.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa, sk
    • Schlagworte Anschlag | Mexiko | Oder | Mexiko-Stadt | New York
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