ArbeitsmarktExperten fordern Feiertage für Muslime und Juden

Die Feiertagsregelung diskriminiert nichtchristliche Religionen: Dies beanstandet nach ZEIT-Informationen eine Kommission – und fordert Feiertage für Muslime und Juden.

Eine jüdische Gemeinde in Berlin feiert das Chanukka-Fest.

Eine jüdische Gemeinde in Berlin feiert das Chanukka-Fest.  |  © Sean Gallup/Getty Images

Eine hochrangig besetzte Expertenkommission zum Thema "Zukunft der Arbeit" fordert die Einführung von zwei gesetzlichen Feiertagen für Angehörige nicht christlicher Religionen. Dies berichtet die Wochenzeitung DIE ZEIT unter Berufung auf einen Bericht im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung.

Demnach konstatieren die Experten, dass das deutsche Feiertagsrecht sich zunehmend als "Ungleichbehandlung von Religionen" auswirkt. Die Kommission, in der auch der Chef der Chemiegewerkschaft Michael Vassiliadis vertreten ist, fordert den Gesetzgeber deshalb auf, die Feiertagsregelungen zu überprüfen.

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Entsprechende Regelungen gibt es bereits in den drei Bundesländern Hamburg, Bremen und Hessen, die ihre Beziehungen zu den nicht christlichen Religionsgemeinschaften per Staatsvertrag neu geregelt hatten. Dabei sind in den beiden Hansestädten drei islamische Feste als kirchliche Feiertage anerkannt.

Mehr als Symbolpolitik

Generell arbeitsfrei sind diese Tage dann aber nicht. Vergleichbar ist dies mit dem Buß- und Bettag, der beispielsweise in Hamburg zwar ein Feiertag ist, aber eben ein religiöser und kein gesetzlicher Feiertag. An solchen Tagen können Schüler dann frei nehmen und Arbeitnehmer Urlaub beantragen.

Die Staatsverträge fassen im Wesentlichen Regelungen zusammen, die schon seit Jahren gängige Praxis sind. Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Erol Pürlü, bewertete die jüngsten Verträge und insbesondere die Feiertagsregelung dennoch als nicht nur reine Symbolpolitik. "Das steht nicht mehr im Ermessen der Behörden oder der Schulen oder der Arbeitgeber, sondern Muslime haben einen Rechtsanspruch darauf", sagte er.

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Leserkommentare
    • zimra1
    • 27. Februar 2013 15:41 Uhr

    genommem werden können, so wie auch umgekehrt.
    Das zollt dem anderen Glauben und den Freisinnigen Respekt.

  1. Sehr geehrte Redaktion: Ich möchte mich der Frage von Gregore2012 anschließen: Wer sind die Experten der von Ihnen so bezeichneten "hochrangigen" Expertenkommission ?
    Können Sie die Namen nennen ?
    Wer hat diese Kommission eingesetzt ? In welchem demokratischen Gremium werden die Empfehlungen dieser Kommission beraten ?
    Wir erinnern uns, wie kürzlich eine KOmmission die ganze bisherige Familienpolitik für schädlich erklärt hat.
    Was sind denn die nächsten Expertenkommissionen ? Was soll denn noch alles abgeschafft werden von unseren Traditionen, mit denen wir seit Jahrhunderten leben ?

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    Antwort auf "Wer sind die?"
  2. Aha - jetzt geht es in unserer marktkonformen Demokratie also de facto den Feiertagen an den Kragen.

    Wir kennen das ja - da klagt eine 25jährige im öffentlichen Dienst, weil sie nur 26 Tage Urlaub bekommt und erst mit 30 Jahren 29 Tage Urlaub und mit 40 Jahren 30 Tage Urlaub.

    Effekt: Nun bekommen alle nur noch 29 Tage. Glückwunsch!

    Wieso dann eigentlich noch am Sonntag frei machen?

    Ach was - arbeiten wir einfach durch von der Wiege bis zur Bahre. Und wir Christen sind ja ohnehin ein bisschen plemplem - glauben an die Nächstenliebe und die Ehe - pah.

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    Sehr geehrter ...kleinerreißnagel, da haben Sie was Wichtiges angesprochen.
    Nämlich den Subtext dieser Forderungen einer Kommission der Wirtschaft: ist nämlich die Tradition und der Einfluß der Kirchen beiseite geräumt, wird der Weg frei in ein ökonomisches Management der Feiertage, in der dann auch gekürzt werden kann.

    • doof
    • 27. Februar 2013 16:40 Uhr

    Das war mir entfallen, dass das so ausging.
    Daran sieht man, dass es nicht so weit hergeholt ist solchen Forderungen und ähnlichen mit Vorsicht zu begegnen.

  3. Die Wirtschaftswoche schreibt: "Eine Expertenkommission fordert die Einführung von zwei gesetzlichen Feiertagen für Angehörige nichtchristlicher Religionen. Die Robert-Bosch-Stiftung, in deren Auftrag die Kommission "Zukunft der Arbeit" arbeitet, bestätigt eine entsprechende Meldung der Wochenzeitung DIE ZEIT."
    Es ist also eine Kommission der Bosch-Stiftung. Wenn man die Politik der Bertelsmann-Stiftung in Bezug auf die Universitäten kennt (hier ein Vortrag von W. Lieb über die Rolle von Bertelsmann beim Abbau des Sozialstaates: http://www.nachdenkseiten... ), dann weiß man/frau, daß die Stiftungen ihre eigene Politik machen. Z.B. der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (http://www.svr-migration....), der Empfehlungen herausgibt wie eine gegen die Optionspflicht bei doppelter Staatsbürgerschaft.
    Die Bosch-Stiftung gehört nicht zum Sachverständigenrat, hat ein Programm "Zukunft der Arbeitswelt" aufgelegt, das bis zu seinem Tod Prof. Norbert Walter , der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, leitete.
    http://www.bosch-stiftung...
    Eine Kommission der Robert-Bosch-Stiftung will also den innergesellschaftlichen Diskurs , wie wir leben und arbeiten wollen , bestimmen.
    Wir wollen aber darüber selbst bestimmen und keine kommissionsgelenkte öffentliche Meinung.

    3 Leserempfehlungen
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    sie ist verständlich.

    Aber bitte beschäftigen Sie sich mit dem Stiftungszweck der Robert Bosch Stiftung und v.a. auch mit dem Auszug aus dem Testament Robert Boschs. Ich selber habe an einem von der Robert Bosch Stiftung aufgelegten Programm teilgenommen und bin von der Stiftung begeistert.

    Bitte nicht pauschal die Bosch Stiftung mit der Bertelsmann Stiftung in einen Hut werfen.

    • snoek
    • 27. Februar 2013 16:02 Uhr
    101. .....

    Ja, da haben Sie recht. Über den arbeitsfreien Tag freue ich mich auch sehr. Mir ist auch völlig schnurz, wieso gerade frei ist. Aber ich frage mich schon, welche Daseinsberechtigung religiöse (christliche) Feiertage noch haben. An diesen Tagen ist die Stadt oft wie ausgestorben. Verglichen mit den Festen, die in anderen Ländern gefeiert werden oder auch mit nicht-religiösen Festivitäten ist doch an christlichen Feiertagen gar nichts los. Die wachsende Bedeutungslosigkeit des Christentums wird da sehr deutlich sichtbar.

  4. Eine Kommission zum Thema "Zukunft der Arbeitswelt", lange geleitet von Prof. Norbert Walter, dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Seinerzeit forderte Prof. Walter, "Raucher- und Teepausen vom Gehalt abzuziehen und zur Senkung der Arbeitskosten nur noch "echte Arbeitszeit" zu entlohnen". (http://www.rki-i.com/doc/... )
    Einen Blick auf den weltoffenen Hintergrund von Prof. Walter bei dem Thema, um das es hier geht, zeigt ein Interview mit dem Handelsblatt, das Prof. Walter forderte Zuwanderung aus Nahost mit den Worten: "Nein, wir müssen uns Richtung Nahost und Nordafrika orientieren. Die wichtigsten Länder sind die Türkei, Ägypten und Iran. Dort gibt es viele junge Menschen, und es gibt bereits Trampelpfade nach Deutschland." http://www.handelsblatt.c...
    Das gibt uns einen Blick auf den Horizont dieser KOmmission.
    Die deutsche Gesellschaft krankt heute noch an Entscheidungen, die gegen den Rat des Arbeitsministeriums für die kurzfristigen Interessen der Wirtschaft getroffen wurden.
    Man sollte den auf "diversity management" verkürzten Blick dieser Stiftungs-Kommission klar benennen.
    Was wir Bürgerinnen und Bürger der Mehrheitsgesellschaft wollen, ist eine verantwortungsvolle Debatte über Fragen der Gesellschaftspolitik und Zuwanderung, und nicht eine interessengeleitete Politik des Wirtschaftsmanagements.

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  5. Gesellschaftlicher Zusammenhalt benötigt gemeinsame Riten.
    Da die Bundesrepublik sich aus historischen Gründen dafür entschieden hat, auf nationale Riten und nationalen Pathos weitgehend zu verzichten, bleiben nur noch die religiös-kulturellen Riten.

    Ich halte von Ihrem (wirklich ernst gemeinten?) Vorschlag ziemlich wenig. Und ich bin sicher nicht religiös!

    3 Leserempfehlungen
  6. ...von denen sowieso keine Sau weiß, was sie eigentlich bedeuten einzuführen, sollten wir die restlichen Überbleibsel christlicher Feiertage abschaffen und sie wenn dann durch Feiertage ersetzen, mit denen die Menschen etwas verbinden. Nichts gegen Weihnachten, aber solche Dinge wie Fronleichnam, Christi Himmelfahrt etc. Wen interessiert das heutzutage noch aus religiösen Motiven? 5%?

    Feiertage sind gut, die Menschen haben mal Zeit für ein verlängertes Wochenende und zum Durchatmen, aber wie wärs bspw. mal mit einem Verbring-Zeit-mit-deiner-Familie-Tag?

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, kg
  • Schlagworte Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Behörde | Beziehung | Chef | Feiertag
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