HammerskinsDie Untergrund-Neonazis

Über Hammerskins ist wenig bekannt, dabei arbeitet die Extremistengruppe längst grenzüberschreitend. Die Neonazis sind gefährlicher als bisher bekannt. von 

Ein "Wanderverein" hatte die Sporthalle in Fürth am vergangenen Wochenende für eine Party gebucht. Den Anwohnern im südhessischen Odenwald fiel auf, dass viele der "Vereinsmitglieder" Glatze und Springerstiefel trugen: Es waren Skinheads. Und zwar keine Nazis aus der Region, sondern Funktionäre der "Hammerskin Nation" aus mehreren europäischen Ländern.

Szenekenner halten die Hammerskins für eine der gefährlichsten Neonazi-Organisationen überhaupt. Sie verhält sich besonders konspirativ und ist stramm hierarchisch organisiert. In den Verfassungsschutzberichten von Bund und Ländern wird sie bisher nur knapp erwähnt. Das hessische Landesamt formuliert es so: "Hammerskins treten im Vergleich zu sonstigen subkulturell orientierten Rechtsextremisten eher selten mit Straf- und Gewalttaten in Erscheinung".

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Jeder zweite ist straffällig

Eher selten? Ein interner Bericht des Bundeskriminalamts (BKA), der ZEIT ONLINE vorliegt, spricht von 193 namentlich bekannten Mitgliedern und Sympathisanten der Hammerskins in Deutschland. "Nur zu 45 Prozent", heißt es, lägen Erkenntnissen zu Straftaten vor – also von immerhin fast jedem zweiten Mitglied. Gewaltdelikte seien aber nur "in wenigen Fällen" darunter.

Die Ideologie der 1986 in den USA gegründeten "Bruderschaft" jedenfalls hat es in sich. Ihr Motto sind die "14 words" von David Lane: "Wir müssen die Existenz unserer Rasse und die Zukunft für die weißen Kinder sichern." Lane saß von 1984 bis zu seinem Tod 2007 im Gefängnis, weil er beim Mord am jüdischen Radiomoderator Alan Berg geholfen hatte. Auch der Attentäter, der im August 2012 in einem Sikh-Tempel in Wisconsin sechs Menschen und dann sich selbst erschoss, soll Hammerskin gewesen sein.

Der BKA-Bericht beschreibt, warum die seit Anfang der neunziger Jahre auch in Deutschland tätigen Hammerskins so schwer zu fassen sind: Sie tragen ihre Symbole – etwa die aus dem Pink-Floyd-Film The Wall geklauten gekreuzten Hämmer – nur bei internen Treffen, sie geben sich auch nicht bei Veranstaltungen anderer Neonazi-Gruppen zu erkennen. Wer Informationen über die Hammerskins preisgibt, gilt als Verräter. Nicht nur Sicherheitsbehörden und politische Gegner, auch Konkurrenten in der Skinheadszene sollen keinen Einblick erhalten.

Wobei die alte Feindschaft zum in Deutschland verbotenen Netzwerk Blood & Honour offenbar einem Burgfrieden Platz gemacht hat. Im November feierten rund 2.000 Angehörige beider Gruppierungen nach generalstabsmäßiger Vorbereitung gemeinsam im deutsch-französischen Grenzgebiet das "Hammerfest" mit Rechtsrock-Bands wie Sturmwehr. Liedtext: "Wir werden Terroristen sein, wir räumen hier auf, wir räuchern sie aus, macht der Rattenbande den Garaus."

Leserkommentare
  1. 41. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/au

    Antwort auf "Ehrlich gesagt..."
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    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/au

  2. 42. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/au

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "[...]"
  3. Die 2ten Stiefel ( Duden) sehen aus wie Ranger und ich kenne weder zivile noch Militärische Fallschirmspringer die Springerstiefel benutzen. Die rechtsradikalen benutzen/ kopieren in der Regel ja das Militär und nicht umgekehrt. Auf jedenfalls kauft man diese Stiefel im Läden , die sich auf die Mode von englischen Subkulturen spezialisiert haben oder in Geschäften die sich auf ausgemusterte Bundeswehrausrüstung spezialisiert haben. ich war 8 Jahre Soldat bei den Fallschirmjägern und ich habe spezielle Springerstiefel nie gesehen oder auch gehört, dass es die mal in der Truppe gab. in den 70 ihre und 80iger habe ich viele 15 und 16 jährige Pseudo - Skins gesehen, die zu Beginn Ihrer Skinhead Laufbahn normale Bundeswehrstiefel getragen haben, bevor Sie gelernt haben, dass man Doc Martins trägt.

    Antwort auf "@ Christian.K"
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    für 32 siehe oben.

  4. 44. zu 32.

    für 32 siehe oben.

    Antwort auf "Springerstiefel"
  5. 45. [...]

    Doppelposting. Die Redaktion/au

    Antwort auf "@ Christian.K"
  6. Es macht keinen Unterschied, ob der Täter aus der politischen Szene kommt oder ein ganz banalen kriminellen Hintergrund hat. Es wird dem Opfer relativ egal sein! Verbrechen ist Verbrechen und wird, so hoffe ich, ohne Ansehen der Person und Gesinnung vor deutschen Gerichten geahndet bzw der Schaden reguliert. Genau so sollte sich auch die Presse verhalten.

    Antwort auf "[...]"
  7. "Also der Artikel ist erschreckend. Nicht nur wegen der NAZIS...." (wittgenstein90)

    Leider werden Nazis auch in seriösen Zeitungen immer wieder mit Skinheads gleichgesetzt. Jedoch ergibt eine seriöse Recherche auch das man diese Gruppierungen unterscheiden muß. Es ist nicht möglich Skinhead zu sein und gleichermaßen Rassist. Dies schließt sich daraus dass es den Skinheadkult ohne die Jamaicanischen Rudeboys aus den 1960er Jahren so gar nicht geben würde und der Skinhead sehr stark durch den Ska und Early Reggae den die Jamaicanischen Einwanderer mitgebracht haben geprägt wurde.
    Der Skinheadkult setzt sich aus gegenseitigem Respekt der Arbeiterbewegung und gemeinsamen Spaß zusammen dabei ist es egal welche Hautfarbe oder Herkunft man hat. Nazis empfinden dagegen nur Hass, das ist nicht unser Weg.

    LG Traditional Skin

    Eine Leserempfehlung
  8. 48. Nicht

    Nur Hammerskins sondern alle Nazis sind eine Gefahr für unsere Demokratie.
    Die jetzigen Politischen Parteien, sollten sich genau überlegen , wie sie die Gedahr der Rassisten in Deutschland im Schach halten können.
    Solange etapilierten Parteien auf Rücken der Ausländer und Asylanten Wahlkampagnen starten, spielen sie nur in die Hände der Nazi-Rassisten.
    Deswegen wäre eine Selbstkontrolle der Parteien nützlich ,wenn diese auch gegen den Braunen Mob Vorgehen wollen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Alkoholkonsum | Bundeskriminalamt | NSU | Skinhead | USA | Odenwald
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