Jemima KhanProminente Unterstützerin beschuldigt Assange der Sektiererei

Die Milliardärin Jemima Khan hat ihren Frust über den WikiLeaks-Aktivisten öffentlich gemacht. Assange laufe Gefahr, wie der Scientology-Gründer zu werden.

Die britische Milliardärin Jemima Khan (Archivbild)

Die britische Milliardärin Jemima Khan (Archivbild)  |  © Adrian Dennis/AFP/Getty Images

Julian Assange verliert eine prominente Verbündete: Die britische Milliardärin Jemima Khan hat sich von dem WikiLeaks-Gründer abgewendet und ihn scharf kritisiert. Er betreibe inzwischen dieselbe Desinformation, die er eigentlich mit seiner Organisation bekämpfen wolle, schrieb Khan in der britischen Zeitschrift New Statesman, deren Herausgeberin sie ist.

Mit seiner Enthüllungsplattform WikiLeaks habe Assange zwar sehr viel Gutes getan. Inzwischen erwarte er aber von seinen Unterstützern eine unkritische und "kultische Verehrung", schreibt Khan. Er neige dazu, sich nur noch mit Jüngern zu umgeben und laufe so Gefahr, der australische L. Ron Hubbard zu werden. Hubbard war der Gründer der Scientology-Sekte.

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Khan gehörte – neben den Regisseuren Michael Moore und Ken Loach – zu den sechs Prominenten, die für Assange 200.000 britische Pfund Kaution gestellt hatten. Das Geld haben die Unterstützer verloren, als der WikiLeaks-Gründer vor den britischen Behörden in die ecuadorianische Botschaft geflohen war. Zuvor hatte Assange in Großbritannien einen langen Rechtsstreit über eine Auslieferung nach Schweden verloren. Dort wird ihm Vergewaltigung vorgeworfen.

Die Auseinandersetzung zwischen Assange und Khan war eskaliert, nachdem die Milliardärin den Dokumentarfilm WikiLeaks, We Steal Secrets produziert hatte. WikiLeaks mokierte sich via Twitter über das Werk: Es sei ein Anti-WikiLeaks-Film, der auf dem Sundance-Festival keine Preise habe "stehlen" können.

Khan verwies darauf, dass die Dokumentation auf dem Festival außerhalb des Wettbewerbs gelaufen sei und so keine Preise habe gewinnen können. Zudem sei die Dokumentation nicht für oder gegen WikiLeaks gerichtet, Ziel sei es, die Wahrheit darzustellen. Assange handele nach der Devise des US-amerikanischen Expräsidenten George W. Bush: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich."

Khan taucht in Großbritannien immer wieder in den Boulevardblättern auf. Sie ist eine Tochter des 1997 gestorbenen Milliardärs James Goldsmith und war verheiratet mit dem pakistanischen Cricket-Star Imran Khan. Weltweite Aufmerksamkeit erhielt sie durch eine Beziehung mit dem Schauspieler Hugh Grant.

Ihre Prominenz nutzt Khan unter anderem, um für mehrere Wohltätigkeitsorganisationen zu werben. Sie unterstützt die Soil Association und auch ihre eigene Stiftung Jemima Khan Foundation, die unter anderem Flüchtlingskinder in Pakistan fördert. Zudem ist sie seit 2001 Unicef-Botschafterin.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, rav
  • Schlagworte Dokumentarfilm | Dokumentation | Festival | Hugh Grant | Ken Loach | Michael Moore
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