Katholische KircheKölner Kardinal Meisner beklagt "Katholikenphobie"

Kölns Erzbischof macht in der Gesellschaft eine katholikenfeindliche Stimmung aus, die Tapferkeit verlange. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken pflichtet bei.

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner vermutet hinter der jüngsten Kritik an der katholischen Kirche eine zunehmende "Katholikenphobie" in der Gesellschaft. Die Kirche in Köln habe zuletzt einen Sturm in der öffentlichen Wahrnehmung erfahren, wie er dies in seinen Jahren als Bischof selten erlebt habe. Zu diesem Urteil kommt Meisner in einem dreiseitigen Rundschreiben, aus dem der Kölner Stadt-Anzeiger zitiert.

Demnach bezieht sich der Kardinal auf die öffentlichen Diskussionen über die Entscheidung zweier katholischen Kliniken, ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer nicht zu untersuchen. In dem Schreiben ruft Meisner demnach seine Kleriker sowie die in der Seelsorge tätigen Laien zu Tapferkeit im Umgang mit Häme und "ungerechtfertigten Vorwürfen" auf. Der tiefer liegende Grund für die Angriffe sind seiner Meinung nach "die Entschiedenheit der katholischen Positionen zum Lebensschutz, zu Ehe und Familie" und die deutliche Repräsentanz durch den Papst und die Bischöfe.

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Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, äußerte Verständnis für Meisners Position. In seinem Vorwurf sei zwar die Defensive spürbar, immerhin habe der Kardinal jedoch den Mut, in einer Drucksituation Bewegung in die Debatte zu bringen. "Das war überraschend und verdient Anerkennung", sagte Glück. In der Tat gebe es "aggressiv-antikirchliche Stimmungen". Diese basierten zum Teil auf schlechten Erfahrungen mit der Kirche, zum Teil aber auch auf einer Entfremdung der Gesellschaft gegenüber dem Religiösen an sich.

Vergangene Woche hatte Meisner erklärt, den Einsatz der Pille danach unter bestimmten Bedingungen zu billigen. Dass dies eine grundsätzliche Abkehr der katholischen Kirche von ihrer Haltung bedeutet, ist zweifelhaft. Gerade Meisner war stets ein Verfechter der reinen Lehre, von der selbst bei Vergewaltigungsopfern nicht abgewichen werden durfte. Bislang darf in katholischen Einrichtungen die Pille danach weder verabreicht noch verschrieben werden, da das Medikament als eine Form von Abtreibung gewertet wird, die der katholischen Morallehre widerspricht.

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Leserkommentare
  1. >> Vergangene Woche hatte Meisner erklärt, den Einsatz der Pille danach unter bestimmten Bedingungen zu billigen. Dass dies eine grundsätzliche Abkehr der katholischen Kirche von ihrer Haltung bedeutet, ist zweifelhaft. Gerade Meisner war stets ein Verfechter der reinen Lehre ... <<

    ... Widerspruch? Für die katholische Kirche gehörte das Anhäufen von Macht und Geld immer zur reinen Lehre.

    Da klingelten wohl eher ein paar Alarmglocken, denn endlich werden die Rufe lauter, den Kirchen die Trägerschaft Krankenhäuser, Altenpflege usw. zu entziehen.

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    • doof
    • 08. Februar 2013 10:01 Uhr

    und geben sie alle in die hände von weltlichen, profitorientierten unternehmen, die löhne unterhalb des existenzminimums bezahle, bei denen ROI vor interesse der "kunden" steht und aber immerhin keine ethischen grundsätze haben und je nachdem mit auch eigene interessen vertreten, wie man z.b. im immer zunehmenden maße am grösser werdenen engagemant der bertelsmann-stiftung im erziehungsweseh sehen kann.
    na danke schön.
    das ist dann keine indoktrination?

    • gurky
    • 08. Februar 2013 9:38 Uhr

    Die Abtreibung und die Verhinderung des natürlichen Wegs der Einnistung sind für einen Christen im Endeffekt das gleiche, neu entstandenes Leben (beginnend mit der Befruchtung der Eizelle) wird verhindert.

    Also ist die Abtreibung und die Pille danach für einen Christen gleich verwerflich.

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    • eins2
    • 08. Februar 2013 9:48 Uhr

    ist gefährlich, wenn es so vereinfacht wird, weil es dabei tatsächliche einen entscheidenden Unterschied gibt.Das macht Glauben so ungemütlich, weil er besseres Wissen gefährdet.

    Jetzt verstehe ich auch warum die Kirche diese Problematik ernster nimmt als die Aufklärung des Missbrauchskandals.
    Dort gab es keine Möglichkeit der Schaffung neuen Lebens, also alles kein Problem.
    ironie -> off

    müsste also jede Frau, die einem Flirt meinerseits ablehnend gegenübersteht, unter die gleiche Gesetzmäßigkeit fallen? Sie hat schließlich aktiv die Entstehung neuen Lebens verhindert? Muß ich mir dringend für den nächsten Diskothekenbesuch merken.

    • Erkos
    • 08. Februar 2013 9:38 Uhr

    Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass die Aussage im Artikel zu einer "Entfremdung der Gesellschaft vom Religiösen" zutrifft. Schön wär's ja, wenn endlich Vernunft in die Köpfe einziehen würde. Nach meiner Erfahrung fehlt dort aber jeglicher Grund zum Optimismus.

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    Antwort auf "Religions-Phobie"
  2. waren Ihrer nach Ihrer Darstellung, dass "sie aus dem offiziellen Programm zur anonymen Spurensicherung ausgeschlossen wurden". Dem ist nicht so. Der Grund fuer die Abweisung war - laut Kirche - "ein Missverstaendnis", weil es eine (missverstaendliche?) erzbischoefliche Anweisung gab, sich an keiner Aktion zu beteiligen, die umfangreiche Beratung einschliesslich Pille danach beinhalten koennte. Es gibt Hinweise, dass die Aertze sich um arbeitsrechtliche Konsequenzen sorgten.

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    Antwort auf "Die Gründe"
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    • outis
    • 08. Februar 2013 9:47 Uhr

    Hier einige Hintergrundinformationen. http://www.kath.net/detai...
    Und bitte nicht kommen mit "Das sind Dunkelkatholiken". Auch die können in der Sache richtig liegen.

  3. habe ich ja fast Verständnis für diese Haltung.
    Allerdings müsste was dafür getan werden, damit die Realität in diesen Köpfen etwas Licht macht. Ein paar Therapiesitzungen sind da auf jeden Fall nötig.

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    • y5rx
    • 08. Februar 2013 9:41 Uhr

    Ein Krankenhaus in Deutschland ist ein Dienstleistungsunternehmen, das von der Allgemeinheit finanziert wird. Es hat sich an die Normen zu halten, die die Gesellschaft als Ganzes vorgibt, also an die Gesetze, nicht an irgendwelches Geschwurbel aus Rom. Punkt!

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    Antwort auf "Die Gründe"
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    • outis
    • 08. Februar 2013 9:52 Uhr

    in Deutschland ist ein Dienstleistungsunternehmen, das überwiegend aus den Beiträgen zur solidarischen Krankenversicherung seiner Patienten finanziert wird. Es ist deren gutes Recht, in einer nach christlichen Grundsätzen geführten Klinik behandelt zu werden, wenn sie es wünschen. Wer andere Grundsätze für richtig und wichtig hält, möge sich an andere Krankenhäuser wenden. In den allermeisten Fällen dürfte das aber ziemlich egal sein.

    • mat123
    • 08. Februar 2013 11:10 Uhr

    "Ein Krankenhaus in Deutschland ist ein Dienstleistungsunternehmen, das von der Allgemeinheit finanziert wird"

    Krankenhäuser sind inzwischen fast normale Dienstleistungserbringer geworden. Sie werden bezahlt für die Leistungen, die sie erbringen.

    Natürlich gehören zum ärztlichen Beruf besondere ethische Standards. Aber sie können keine finanziellen Gründe konstruieren, die Ärzte an moralische Werten binden, von denen Sie vermuten, dass sie Konsens in der "Allgemeinheit" sind.

    Philosophisch gesprochen: nicht alles was im Namen der Allgemeinheit gesagt wird ist allgemeingültig.

    • doof
    • 08. Februar 2013 9:42 Uhr

    war in der hauptsache eine weltlich-rechtliche angelegenheit, leider tatsächlich befeuert von einigen fehlgeleiteten klerikern.
    die verbrennungen selbst fanden unter weltlicher gerichtsbarkeit statt.
    zudem gabs die hexenhysterie auch in ländern und regionen, die überhaupt nix mit der katholischen kirche zu tun hatten, z.b. der calvinistischen schweiz, das ganze hatte nämlich eher mit aberglauben, mangelnder bildung bzw. der damaligen weltsicht und -interpretation zu tun.
    arthur miller hilft auch weiter, was die dynamik dieser hysterie angbelangt. max frisch ebenso - wobei "andorra" auch auf das hinweisen könnte, was gerade hier herr meisner beklagt.

    diese ganze sache allein der katholischen kirche in die schuhe zu schieben ist genauso billig, wie sie heut für irgenwelche fehlentwicklungen in der gesellschaft verantwortlich zu machen.
    aberglauben und ignoranz sind keine spezifisch katholischen eigenschaften, wie man an den kommentaren hier sehen kann.

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    Entfernt. Bitte kehren Sie zum urspünglichen Artikelthema zurück. Danke. Die Redaktion/kvk

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Alois Glück | Katholische Kirche | Abtreibung | Bischof | Ehe | Erzbischof
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