Es ist eine Legende für sich: Wenn ein neuer Papst gesucht wird, schotten sich die Kardinäle der römisch-katholischen Kirche strikt von der Außenwelt ab und wählen. So lange, bis mit einer Zweidrittelmehrheit ein neuer Bischof von Rom beschlossen wird. Dann steigt Rauch auf. Wer für wen gestimmt hat, bleibt geheim.

Altersgrenze 80 Jahre

Seit Jahrhunderten schon, vermutlich seit 1241, werden Päpste nach diesem Verfahren, dem Konklave, gewählt. Die Zurückgezogenheit der Kardinäle soll nicht nur Einflussnahme verhindern, sondern auch den Entscheidungsprozess verkürzen. Das gelingt nicht immer. Das längste Konklave, abgehalten im 13. Jahrhundert, dauerte zwei Jahre und neun Monate.

Das aktuelle Kardinalskollegium, bestehend aus 117 Kardinälen aus 50 Ländern, wird seine Entscheidung wohl schneller fällen, obwohl die Wahl als offen gilt. Bis Ostern soll feststehen, wer neuer Papst wird. Abgestimmt wird in der Sixtinischen Kapelle neben dem Petersdom, die seit 1878 als Sitzungsort des Konklaves dient.

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Zurzeit tragen insgesamt 209 Vertreter der römisch-katholischen Kirche ein Kardinalsbirett. Wählen dürfen jedoch nur jene, die am Tag vor Beginn der Sedisvakanz – der Zeit, in der es keinen Papst gibt – unter 80 Jahre alt sind. Das heißt konkret, dass wer vor dem 27. Februar 1933 geboren wurde, den Nachfolger Benedikts XVI. nicht mitbestimmen kann: Der Ungar Lubomyr Husar wird die Altersgrenze am 26. Februar erreichen.

67 von 117 Kardinälen ernannte Benedikt XVI.

Zu den sechs stimmberechtigten Kardinälen aus Deutschland zählt dagegen noch der 79-jährige Kölner Erzbischof Joachim Meisner. "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich so kurz vor meinem 80. Geburtstag noch einmal an einem Konklave teilnehmen muss", teilte Meisner mit. Die weiteren deutschen Kardinäle sind Paul Josef Cordes, Walter Kasper, Karl Lehmann, Reinhard Marx und Rainer Maria Woelki.

Die Zusammenstellung des Kollegiums, das nun seinen Nachfolger wählt,  hat Benedikt XVI. maßgeblich beeinflusst. Eine Mehrheit von 57 Prozent der Wahlberechtigten erhielt die Kardinalswürde vom deutschen Pontifex: In seinen acht Jahren als Papst berief Benedikt insgesamt 90 Kardinäle, von denen 67 wahlberechtigt sein werden.