Vatikan : Die neuen Papstmacher

Wer sind die Kardinäle, die im März den Nachfolger Papst Benedikts XVI. wählen? Mehr als die Hälfte von ihnen hat der scheidende Pontifex selbst ernannt.
Kardinäle vor Beginn des Konklaves 2005 in der Sixtinischen Kapelle © Reuters

Es ist eine Legende für sich: Wenn ein neuer Papst gesucht wird, schotten sich die Kardinäle der römisch-katholischen Kirche strikt von der Außenwelt ab und wählen. So lange, bis mit einer Zweidrittelmehrheit ein neuer Bischof von Rom beschlossen wird. Dann steigt Rauch auf. Wer für wen gestimmt hat, bleibt geheim.

Altersgrenze 80 Jahre

Seit Jahrhunderten schon, vermutlich seit 1241, werden Päpste nach diesem Verfahren, dem Konklave, gewählt. Die Zurückgezogenheit der Kardinäle soll nicht nur Einflussnahme verhindern, sondern auch den Entscheidungsprozess verkürzen. Das gelingt nicht immer. Das längste Konklave, abgehalten im 13. Jahrhundert, dauerte zwei Jahre und neun Monate.

Das aktuelle Kardinalskollegium, bestehend aus 117 Kardinälen aus 50 Ländern, wird seine Entscheidung wohl schneller fällen, obwohl die Wahl als offen gilt. Bis Ostern soll feststehen, wer neuer Papst wird. Abgestimmt wird in der Sixtinischen Kapelle neben dem Petersdom, die seit 1878 als Sitzungsort des Konklaves dient.

© ZEIT ONLINE

Zurzeit tragen insgesamt 209 Vertreter der römisch-katholischen Kirche ein Kardinalsbirett. Wählen dürfen jedoch nur jene, die am Tag vor Beginn der Sedisvakanz – der Zeit, in der es keinen Papst gibt – unter 80 Jahre alt sind. Das heißt konkret, dass wer vor dem 27. Februar 1933 geboren wurde, den Nachfolger Benedikts XVI. nicht mitbestimmen kann: Der Ungar Lubomyr Husar wird die Altersgrenze am 26. Februar erreichen.

67 von 117 Kardinälen ernannte Benedikt XVI.

Zu den sechs stimmberechtigten Kardinälen aus Deutschland zählt dagegen noch der 79-jährige Kölner Erzbischof Joachim Meisner. "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich so kurz vor meinem 80. Geburtstag noch einmal an einem Konklave teilnehmen muss", teilte Meisner mit. Die weiteren deutschen Kardinäle sind Paul Josef Cordes, Walter Kasper, Karl Lehmann, Reinhard Marx und Rainer Maria Woelki.

Die Zusammenstellung des Kollegiums, das nun seinen Nachfolger wählt,  hat Benedikt XVI. maßgeblich beeinflusst. Eine Mehrheit von 57 Prozent der Wahlberechtigten erhielt die Kardinalswürde vom deutschen Pontifex: In seinen acht Jahren als Papst berief Benedikt insgesamt 90 Kardinäle, von denen 67 wahlberechtigt sein werden.

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Kommentare

51 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Danke für ihren ausführlichen Kommentar. Aber...

Brauche ich, um zu beten eine Kirche? Und wieso ist der Papst Stellvertreter Gottes? Woher nimmt er sich diese Anmaßung her? Zur Zeit von Jesus gab es auch keine Amtskirche. Und da ich nun einmal nur sunnitischen Islam und Christentum kenne, kann ich nur von diesen Erfahrungen berichten: Im sunnitischen Islam gibt es abseits von Grundregeln Deutungshoheit von bestimmten Gelehrten, die zwar BEANSPRUCHT wird, tatsächlich sind aber die Menschen nicht daran GEBUNDEN (Was meinen sie wieviel Müll erzählt wird?) Und wie unterschiedlich die Auslegungen ausfallen können, schlägt sich in den verschiedenen Rechtsschulen des Islams nieder und hängt im Grunde nicht wenig von der soziokulturellen Umgebung ab. Sogar der Kalif war kein Stellverteter Gottes, sondern nur ein Gleicher unter Gleichen, die Fatwas des Papstes sind aber verbindlich und das in allen (vermeintlich) kirchlichen Einrichtungen.

Ich würde sogar vorschlagen, das Papsttum abzuschaffen, die Kirche zu einer reinen spirtuellen Dienstleistung zusammenzuschrumpfen, wie sie im sunnitischen Islam türkischer Prägung der Fall ist - dann können die Priester von Spenden leben oder direkt als Beamte vom Staat besoldet werden - und außerdem wie in der christlichen Orthodoxie üblich das Zölibat den Priestern überlassen, die das wollen. Den übrigen sei es gestattet.

Auch so kann man innig zu Gott verbleiben, ohne das Gefühl zu haben es mit einer "Organisation" zu tun zu haben.

Wenn man Ihren Kommentar so ließt, dann ...

... bekommt man den Eindruck, Ihnen geht es nur um die Aufrechterhaltung von Traditionen dieses Vereins (ihre Wortwahl). Veränderungen oder Modernisierungen lehen sie ab, obwohl ich mal davon ausgehen, dass auch Sie an das Dogma glauben (müssen), dass diese Schreinergattin leiblich in den himmel aufgenommen wurde. Übrigens ein sehr modernes Dogma, welches erst seit 1950 gilt.

Kleine Anmerkung zur RKK und Latainamerika: Chile ist ein "sog." katholisches Land. Lt. Statistik gehören über 60% der RKK an. Die Praxis sieht da etwas anders aus. Keiner meiner Nachbarn oder Freunde und bekannten geht in die kath. Kirche. Wenn man transzendal veranlagt ist, dann geht man in, die von Ihnen so gefürchteteten, evangelikalen Kirchen oder zu den Mormonen oder dem ZJ. Da es keine Registrierungen zu diesen Übertritten gibt bleibt der RKK-Anteil nach wie vor hoch.

Zahlen die doppelt?

Also: die Katholiken zahlen die nicht-katholische Hospitäler und nicht umgekehrt.
Oder gar dreifach?
Einmal für die kath. Krankenhäuser, die sich zu 100% aus öffentlichen und Sozialkassengeldern finanzieren.
Einmal für die ev. Krankenhäuser, die sich zu 100% aus öffentlichen und Sozialkassengeldern finanzieren.
Einmal für die Krankenhäuser in freier oder öffentlicher Trägerschaft, die sich zu 100% aus öffentlichen und Sozialkassengeldern finanzieren.