Sexismus-DebatteWir Sandwich-Männer

Viele Männer tun sich mit der Sexismus-Debatte schwer – weil sie sich ihrer eigenen Rolle unsicher sind. von 

Die Sexismus-Debatte ruft vielfältige Reaktionen auch bei Männern hervor. Alte und junge Chauvinisten verstehen nicht oder wollen nicht verstehen, worüber sich Frauen da eigentlich aufregen. Junge Männer, Vertreter eines neuen Typus des nicht mehr so starken Geschlechts, verstehen wiederum die Debatte oft gar nicht, weil sie es als selbstverständlich erachten, dass sich Frauen und Männer auf Augenhöhe begegnen und dass Männer Frauen nicht doof anmachen dürfen.

Am schwersten tut sich die große Gruppe der Männer dazwischen, zu der auch ich mich zähle: Groß geworden noch mit den alten Rollenklischees, sozialisiert später auch durch die Frauenemanzipation, stehen wir heute irgendwo zwischen den beiden Polen: zwischen männlichem, testosterongeschwängertem Gehabe und Verständnis für die Interessen und Positionen der Frauen.

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Kein Wunder, dass sich solche Männer in der Debatte kaum zu Wort melden. Denn viele von uns sind sich ihrer eigenen Rolle nicht sicher. Gegenüber selbstbewussten, emanzipierten Frauen gebärden wir uns verständnisvoll, sanft und für die Gleichberechtigung aufgeschlossen. Wir beteiligen uns am Haushalt und der Kindererziehung, achten darauf, dass der Kellner auch der Frau Wein zu Probieren einschenkt, fragen, wer diesmal die Rechnung im Restaurant oder den Einkauf bezahlt, und helfen der Frau aus dem Mantel – wenn sie es will.

Damenwahl und Rittertum

Wir erleben allerdings auch nicht selten, dass manche Frauen genau diese Gesten schon als Ausdruck chauvinistischen Gehabes auffassen. Kurzum: Das Leben für uns Sandwich-Männer ist nicht immer leicht, weil die Erwartungen an uns so widersprüchlich sind und sie sich innerhalb einer Generation so stark gewandelt haben.

Als ich 16 war, Anfang der 1970er Jahre, lehrte man uns in der Tanzschule noch, dass der Junge dem Mädchen aus dem und in den Mantel zu helfen habe, dass er "ritterlich" sein müsse, immer voran in ein Lokal gehe, und dass wir die Mädchen zum Tanz aufzufordern hätten. Nur ganz selten gab es Damenwahl. Dann durften die Mädchen ihre Tanzpartner aussuchen, und wehe, einer von uns Jungs wurde dabei nicht erwählt oder bekam nur ein "Mauerblümchen" ab. Der war bei den anderen Jungs unten durch.

Ich ging auf ein reines Jungen-Gymnasium. Die Mädchen waren zwei Straßen entfernt in einem Lyzeum, für uns kaum erreichbar. Vor Klassenpartys schickten wir Delegationen dorthin, um sie einzuladen. Kurz gesagt: Das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen war damals noch äußerst verklemmt. Beide Geschlechter lebten in unterschiedlichen Welten, mit jeweils unterschiedlichen Werten und Normen und anderen Verhaltensregeln.

Zu Hause herrschte das klassische Rollenverhältnis: Der Vater "ernährte" die Familie und spielte den Patriarchen, den er aus seiner eigenen Familie noch kannte, ohne es selber wirklich zu sein. Die Mutter kümmerte sich als Hausfrau um die Kinder und den Haushalt und wagte kaum zu widersprechen, wenn ihr Mann, unser Vater, alles zu bestimmen versuchte.

Leserkommentare
  1. Sollte man(n) gegenüber Frauen Fehler machen, ist es nötig und wichtig zu bekennen und auch daraus zu lernen.
    Das ist übrigens menschlich: zu entschuldigen und zu lernen

    4 Leserempfehlungen
  2. 274. Titanic

    Beim naechsten Untergang der Titanic wuerde ich als Mann vermutlich die Kinder mit ihren Muettern beim Einstieg in die wenigen Rettungsboote vorlassen.Die alte Henne Emma mit ihrem schnatternden Anhang sicher nicht.Sie gelten nicht mehr als,wie hiess es vor 100 Jahren, Bewahrerinnen des Lebens und dann gilt ganz modern - nach Quote in die Boote.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  3. > Ob Männer, die so sind, wie Sie sich darstellen, uns schätzen und
    > lieben, dürfte den meisten Frauen ziemlich hintenrum gehen.

    Das es den meisten Frauen in der Tat hintenrum geht, vermutet jeder heterosexuelle Mann spätestens nach der zweiten Beziehung.

    Ob das mittelfristig tatsächlich kein Problem für euch ist, geht nun wiederum offensichtlich den meisten Männern inzwischen mehrere Lichtjahre am Südpol vorbei, denn entsprechende Warnungen kommen nur von Angehörigen jener verschwindenden Minderheit, die die Strafe des Liebesentzuges nicht fürchten muss.

    Aber das kann natürlich auch daran liegen, dass ich ein widerwärtiger Macho bin und dass 99,9% der Männer zu doof sind um erkennen zu können, dass ihr Frauen mittelfristig entweder Hijab (wenn ihr Glück habt) oder Schador (wenn Big Money gewinnt) tragen werdet.

    Antwort auf "Kein Problem"
  4. 276. Klaro

    " Köstlich! Und ziemlich enthüllend einige der Antworten ...

    ... in denen dem Fuchs pauschal gleich mal alle möglichen bösen Absichten unterstellt werden.

    Vielleicht wollte das arme Tier nicht allein sein, sich unterhalten, suchte im Stall Schutz vor der Kälte? Dummes Viech, sich dafür unter (Standard-)Federvieh zu begeben!"

    Klaro, wenn meine Hauskatze ins Futterhäuschen klettert, dann will sie nur mit den Vögeln spielen ...

    3 Leserempfehlungen
  5. 277. Wieso?

    Weil ich die Debatte für 99,999% aller Männer für unangemessen und übertrieben halte? Weil offenbar keiner mehr sieht, dass uns ALLEN gestern noch vollkommen Schnuppe war und wir sogar lustig fanden, was heute durch Kommentare wie ihre (Verbalgewalt!) verdammt wird? Dass ich denke dass ECHTE sexuelle Übergriffigkeit wie Vergewaltigungen, offensive Anspielungen und Anmachen, Betatschen usw. komplett VERHARMLOST wird, wenn man 3-Sekunden-in-die-Augen-schauen und das Palavern versauter Witze ohne "böse" Intention schon dazuzählt?

    Wenn Sie das wirklich so sehen, haben sie jeglichen Sinn für Maß und Mitte verloren.

    In meinem ersten Studiensemester hat mich eine nicht besonders ansehnliche, 15 Jahre ältere Dozentin im Seminar regelmäßig mit ihren Blicken ausgezogen. Aber ich habe gemerkt, dass sie keine bösen Absichten hegte, sie war einfach nur interessiert. Ich habs als Kompliment verbucht. Ich verlange von niemandem, es mir gleichzutun. Ich denke nur dass gegenüber Männern massive Vorurteile herrschen, die diese Debatte befeuern. Wenn ein Mann sowas macht ist es übergriffig und aggressiv. Ich habe mich sowas übrigens noch NIE getraut.

    Meine Generation Männer ist doch so unendlich weit von sexueller Übergriffigkeit entfernt wie nur was. Wir sprechen Frauen ja schon nicht mal mehr direkt an.

    Bin ich jetzt ein Sexist?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gute Idee!"
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    Dr. Econ, ein Superkommentar, danke!
    Vermutlich sollten wir die Minderheit gedanklich verrannter Damen einfach weiter schnattern lassen und unser Leben froehlich weiterfuehren.

    wo kommen wir denn dahin? Fragen Sie erst mal Ihren Arzt oder Apotheker und ohne Rechtsschutzversicherung gehen Sie besser gar nicht mehr vor die Tür!

    • clair11
    • 02. Februar 2013 10:55 Uhr

    "Weil offenbar keiner mehr sieht, dass uns ALLEN gestern noch vollkommen Schnuppe war und wir sogar lustig fanden"
    --------------

    Es kommt immer drauf an, von welcher Sache man spricht. Ich würde auch nicht das ""Rock hochziehen"-Spiele der Jungs in der 1. Klasse nicht mit einer Vergewaltigung vergleichen.

    Ich stimme Ihnen zu, dass "sowas" mir nicht so wichtig war und ich würde auch nicht aufschreien deswegen, aber "lustig" fand ich schon damals nicht. Die Jungs hatten ihren Spaß, aber ich nicht. Und es ist schon so, dass ich das immer noch in Erinnerung habe, dass das mir unangenehm war.

    • TDU
    • 02. Februar 2013 10:05 Uhr

    Zit.: "Nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie in einer (Ingenieurs)Welt leben, die es in 20 Jahren nicht mehr geben wird."

    Dann gibts also nichts mehr zu entwerfen, konstruieren und zu bauen? Und das weltweit?

    Ich denke in Deutschland könnte das zutreffen. Wofür brauchen wir dann Juristen/innen? Für die Finanzwirtschaft?

    Oder dafür, dass die die Regeln entwerfen, mit denen dem Volk vorgeschrieben wird, was es zu tun und zu lassen hat. Und Richter/innen natürlich, die die in Schach halten, die mehr wollen als verwaltet werden.

    Der Obrigkeitstaat ist nicht nur männlich. Und die Welt ist groß genug. Da überlassen wir Jungs den Damen gerne die Büros.

    Eine Leserempfehlung
  6. Dr. Econ, ein Superkommentar, danke!
    Vermutlich sollten wir die Minderheit gedanklich verrannter Damen einfach weiter schnattern lassen und unser Leben froehlich weiterfuehren.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wieso?"
    • TDU
    • 02. Februar 2013 10:24 Uhr

    "das Palavern versauter Witze ohne "böse" Intention schon dazuzählt?"

    Müssen ja nicht gleich versaut sein die Witze. Aber mal abwarten bis der erste Antrag feststellt wird, Sendungen aus dem Kölner Karneval im ö/r Fernsehen zu verbieten. Wegen ständiger unkorrekter Anspielungen.

    Man kann den Artikel als Aufforderung zur Anpassung auffassen oder als Grundlage nehmen zur Entwicklung besonderer Kreativität. Das muss tatsächlich jeder selbst entscheiden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Debatte | Frauenbewegung | Gleichberechtigung | Haushalt | Mädchen | Norm
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