KriminalitätMit Bürgerwehren gegen Mexikos Drogenhändler

Von Kriminellen-Gangs terrorisiert, von der Polizei im Stich gelassen: In der südmexikanischen Provinz haben sich Bürgerwehren gebildet, die ganze Städte kontrollieren. von Ragnar Vogt

Mitglieder der Bürgerwehr von Ayutla

Mitglieder der Bürgerwehr von Ayutla  |  ©REUTERS/Henry Romero

Sie gehören nicht zur Polizei, zum Militär oder zu sonst einer staatlichen Institution, doch sie meinen, für die öffentliche Sicherheit sorgen zu können. Im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero haben maskierte Männer mit Gewehren Bürgerwehren gegründet und an zahlreichen Orten die Macht übernommen. Das berichtet das Wall Street Journal.

Die bewaffnete Revolte richte sich nicht nur gegen Kriminelle wie die gefürchteten Drogenhändler oder Schutzgelderpresser. Die Bürgerwehr misstraue den Behörden, deshalb verbiete sie auch dem Militär und der Bundespolizei, ihre Straßensperren zu passieren. Lediglich die örtlichen Polizisten dürften bleiben, sie müssten sich aber darauf beschränken, den Verkehr zu kontrollieren.

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Die Kriminalitätsbekämpfung liege nun ausschließlich in der Hand der selbsternannten Milizionäre, alles angeblich Bauern und Händler aus der Gegend. "Wir haben Ordnung zurückgebracht in einen Ort, im dem Chaos herrschte", sagte der Anführer einer Miliz dem Wall Street Journal. "Uns ist in 15 Tagen gelungen, was die Regierung in Jahren nicht geschafft hat."

Seit 2006 bekämpft das Militär in Mexiko in einem Drogenkrieg die organisierte Kriminalität. Seitdem gab es mehr als 65.000 Tote. In der Hauptstadt Mexiko-Stadt und in anderen Großstädten treten die Sicherheitsbehörden massiv auf – in vielen ländlichen Regionen dagegen wurden die ohnehin schwachen Institutionen weiter geschwächt.

Bürgerwehren halten etwa ein Dutzend Orte

So treffen in vielen Gegenden die Kriminellen auf sehr wenig staatliche Gegenwehr, das ist wohl der Grund für die nun aufflammende Miliz-Bewegung. Als ersten Ort hätten die Bürgerwehren vor wenigen Wochen Ayutla eingenommen, berichtet das Wall Street Journal. Die Kleinstadt ist etwa zwei Autostunden entfernt von Acapulco. Inzwischen sei etwa ein Dutzend Orte in der Gegend unter Kontrolle der Milizionäre, darunter Iguala, eine Stadt mit 140.000 Einwohnern.

Wo die Bürgerwehr die Macht habe, führe sie ein striktes Regime. So gebe es etwa in Ayutla ab zehn Uhr abends eine Ausgangssperre. Die Milizionäre hätten improvisierte Gefängnisse errichtet, dort würden mehr als 50 Menschen gefangen gehalten. Es seien Drogendealer und andere Kriminelle, heißt es. Über ihr Schicksal sollten in öffentlichen Verfahren die Bewohner der Stadt entscheiden.

Leserkommentare
  1. ... bitte großartig kommentieren? Der Staat hat versagt und die Menschen greifen zur bewaffneten Selbsthilfe. Was ist schlimmer?

    Zum kennen wir Euroäper solche Zustände nicht.

    9 Leserempfehlungen
    • Plupps
    • 02. Februar 2013 19:17 Uhr

    Der Staat gründet seine Rechte und sein Gewaltmomopol auf grundlegende Versprechen. Etwa auf das des Schutzes der Grundrechte der Bürger. Wenn er das systematisch nicht leisten kann, mag er sich noch Staat nennen, er ist es aber nicht mehr. Insofern ist die gemeinschaftliche Selbstorganisation nur konsequent und richtig.

    Aber natürlch sehr, sehr traurig

    14 Leserempfehlungen
  2. gut verstehen. Staatliche Ordnung ist nicht präsent, um den Gesetzesbrechern das Handwerk zu legen. Sollen sie sich nun in ihr "Schicksal" ergeben oder selbst handeln?

    Letzteres stellt dem Staat zwar ein Armutszeugnis aus, aber andererseits muss man sich auch nicht alles gefallen lassen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Verhältnisse in Mexiko bald soweit stabilisieren, dass Bürgerwehren überflüssig werden.

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    • 15thMD
    • 02. Februar 2013 20:18 Uhr

    Der mexikanische Staat hat versagt und die Drogenpolitik der USA ist schon lange gescheitert und richtet Mexiko zu Grunde.
    Wenn ein Land so lange von der Drogenmafia regiert wird, dann sind Bügerwehren nur die einzige Schlussfolgerung. In Mexiko herrscht völliges Chaos und das schon seit langem. Drogenbosse wurden beabsichtigt oder unbeabsichtigt so mächtig gemacht, dass sich der Staat nicht mehr zu helfen weiß.

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  3. Das beste, was die Mexikaner machen können. Sie haben so ein schönes, geschichtsträchtiges Land und können auf eine Kultur der Dichter und Denker zurückblicken angesichts der Azteken und Mayas (sofern ich nicht was durcheinanderhaue), dass sie das Schicksal ihres wunderschönen Landes nicht in die Hände solch mediokerer Killerbestien geben dürfen.

    Zivilisierte Menschen stehen aufrecht und kämpfen für die Freiheit und Rechtschaffenheit ihres geliebten Landes.

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    Wenn es tatsächlich einfache Menschen sind, die die Schnauze voll haben von dem ganzen Sumpf - ok.

    Aber viel wahrscheinlicher ist es, dass es doch nur einfache Kriminelle oder niedrige Mitglieder irgendeiner Gang sind.

    Zur Zeit mag es durchaus noch so sein, dass die Milizen ehrbare Ziele haben und sich nur gegen Kriminelle wehren wollen - mit allen unschönen Konsequenzen, wie der Verurteilung Unschuldiger etc. Aber mehr noch, die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt leider, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es zum Machtmissbrauch kommt. Dann wollen die Milizen ihre neu erworbene Macht eben nicht nur zum Schutz der Bevölkerung einsetzen, sondern am runden Tisch um Macht und Geld mitspielen...

    Der Staat müsste umgehend die bestehenden Milizen friedlich auflösen und sich endlich um deren Probleme kümmern, sonst gibt es in Mexiko bald eine 3. Kriegspartei.

  4. Wenn es tatsächlich einfache Menschen sind, die die Schnauze voll haben von dem ganzen Sumpf - ok.

    Aber viel wahrscheinlicher ist es, dass es doch nur einfache Kriminelle oder niedrige Mitglieder irgendeiner Gang sind.

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    • J3ntz
    • 02. Februar 2013 21:17 Uhr

    Das hört sich für mich wie eine "nette Umschreibung" für Anarchie oder Revolution an... FARC/Kolumbien lässt grüssen - auch wenn es in den südlichen Bundesstaaten wohl schon seit mehr als 10 Jahren derartige Tendenzen gibt. Auf jeden Fall ist es ein Armutszeugnis für die Mexikanische Bundesregierung. Und Deutschland heizt das ganze noch an, in dem gewisse Firmen auch noch Waffen liefern, um die Situation zu "befrieden". Wir sollten uns schämen....

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  5. Wir müssen alle Drogen legalisieren.

    Mit Legalisieren meine ich selbstverständlich nicht den Verkauf in Supermärkten, sondern die kontrollierte Abgabe der im BtmG gelisteten Substanzen in dafür vorgesehenen Fachgeschäften.

    Wenn Sie sich tiefer mit dem Thema beschäftigen werden Sie sehen, dass wir keine andere Wahl haben.

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    Entfernt, da unsachlich. Danke, die Redaktion7se

    Wer Drogen legalisieren will muß im Gegenzug dem Drogensüchtigem auch jegliche gemeinschaftliche Unterstützung streichen.

    • Cephei
    • 03. Februar 2013 14:58 Uhr

    Die Drogen zu legalisieren löst das Problem auch nicht, denn die Kartelle verdienen inzwischen über 50% ihres Geldes durch andere kriminelle Tätigkeiten wie Schutzgelderpressung, Menschenhandel, etc. und sickern mehr und mehr auch in die Privatwirtschaft ein.
    Außerdem sitzt der Hauptabnehmer der Drogen in den USA, die bestimmt nicht an eine Legalisierung denken. Dort decken sich die Kartelle auch mit Waffen ein, mit denen sie dann das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Militär | Ausgangssperre | Bundespolizei | Revolte | Chaos | Droge
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