Paralympics-StarOscar Pistorius unter Mordverdacht

Die südafrikanische Polizei hat den Leichtathleten Pistorius festgenommen. Gegen ihn wird wegen Mordes ermittelt. Er soll seine Freundin in seinem Haus erschossen haben.

Pistorius beim Verlassen der Polizeistation in Boschkop nahe seines Wohnorts

Pistorius beim Verlassen der Polizeistation in Boschkop nahe seines Wohnorts   |  © AFP/Getty Images

Der sechsmalige Paralympics-Sieger Oscar Pistorius aus Südafrika steht unter Mordverdacht. Er soll seine Lebensgefährtin am frühen Donnerstagmorgen mit mehreren Schüssen getötet haben. Nach Angaben der Polizei gab es in der Vergangenheit mehrfach Vorfälle häuslicher Gewalt auf dem Anwesen des Sportlers.

Pistorius war am Morgen festgenommen und vier Stunden verhört worden, nachdem in seinem Haus in einer besonders gesicherten Gated Community in einem Nobelvorort von Pretoria die Leiche einer Frau gefunden worden war. Inzwischen hat die Polizei Medienberichte bestätigt, wonach es sich um die Freundin des Sportlers handelt.

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Zunächst hatte es geheißen, Pistorius habe seine 30-jährige Lebensgefährtin, das Model Reeva Steenkamp, aus Versehen erschossen. Nach Angaben lokaler Medien hielt er sie für einen Einbrecher. Diese Angaben wies die Polizei inzwischen zurück. Man sei "sehr überrascht" über diese Behauptung. "Sie kommt nicht von uns", stellte eine Polizeisprecherin klar.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden ging bei der Polizei am frühen Morgen ein Notruf ein. Rettungskräfte hätten vergeblich versucht, die Frau wiederzubeleben. Auf sie sei vier Mal in den Kopf sowie in den Arm geschossen worden. In dem Gebäude wurde eine 9-Millimeter-Pistole gefunden.

In der Vergangenheit hatte Pistorius offen darüber gesprochen, eine Waffe zu besitzen und gelegentlich mit einer 9-Milimeter-Pistole auf einem Schießstand zu trainieren. Einem Reporter der New York Times hatte Pistorius im vergangenen Jahr erzählt, wie er mit einer Waffe durch sein Haus gegangen sei, als die Alarmanlage versehentlich losgegangen war.

Südafrika hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt, viele Menschen bewahren deshalb Schusswaffen in ihrer Wohnung auf.

Freilassung auf Kaution?

Pistorius ist der wohl bekannteste Paralympics-Teilnehmer der Geschichte. Der Prothesenläufer – ihm fehlen beide Unterschenkel – hat sechs paralympische Goldmedaillen gewonnen und zahlreiche Weltrekorde aufgestellt. Zudem nahm er als erster Sportler mit Handicap an regulären Olympischen Spielen teil. 2012 erreichte er in London auf Hightech-Karbon-Prothesen im 400-Meter-Lauf der Männer das Halbfinale.  

Kate Silvers, Pistorius' Sprecherin in London, wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern. "Wir werden später eine Erklärung abgeben", kündigte sie an. Pistorius' Familie zeigte sich "schockiert". Er habe seinen Sohn nicht gesehen. "Er ist bei der Polizei und die Angelegenheit liegt in den Händen der Behörden", sagte der Vater. "Der einzige, der uns sagen kann, was passiert ist, ist Oscar selbst."

Pistorius' Anwalt Kenny Oldwage kündigte an, die Freilassung seines Mandanten auf Kaution zu beantragen. Die Staatsanwaltschaft hatte durch einen Sprecher jedoch schon zuvor erkennen lassen, dass sie dem nicht zustimmen würde. Denn es habe bereits früher Berichte über "Familienstreitigkeiten im Haus des Beschuldigten" gegeben.

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Leserkommentare
    • Nexic
    • 14. Februar 2013 8:50 Uhr

    Er kann einem nur Leid tun. Das wird ihn sein Leben lang verfolgen.

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    • SuR_LK
    • 14. Februar 2013 9:26 Uhr

    machen sie aus dem Täter ein Opfer. Die Frau kann ja auch nichts mehr aussagen.

    Entfernt. Die Redaktion/kvk

    • roseman
    • 14. Februar 2013 12:33 Uhr

    .... Ermittlungen zu dem Ergebnis kommen, dass ein hinreichender Tatverdacht besteht und eine gerichtliche Aufarbeitung angezeigt ist. Das dürfte hier wenige Stunden nach der Tat nicht der Fall sein, allenfalls ist P. ein "Beschuldigter" gegen den ermittelt wird, daher "Ermittlungsverfahren". Das sollte man auch im Online-Format einer seriösen Wochenzeitung auseinander halten. Alles andere ist Unfug und ärgert mich.

    HG

    C. Rosenbaum

    Kommentar 3 ist nichts hinzuzufügen...

    • Filosov
    • 14. Februar 2013 8:55 Uhr

    So eine Meldung am one Billion Day... Jedenfalls klingt die Geschichte so, als gäbe es noch einen Haken. Es ist bei der Sachlage davon auszugehen, dass die Karriere des Herrn Pistorius erstmal beendet sein dürfte. Blöd nur, dass er Millionen Versehrten Mut gemacht hat - wie gehen Justiz und Medien mit so einer Sache richtig um? Schwierig.

    Eine Leserempfehlung
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    Blöd nur, dass er Millionen Versehrten Mut gemacht hat - wie gehen Justiz und Medien mit so einer Sache richtig um? Schwierig.

    Sie stellen fest, ob er es war (oder nicht), und dann verknacken sie ihn (oder nicht).

    • SuR_LK
    • 14. Februar 2013 9:26 Uhr

    machen sie aus dem Täter ein Opfer. Die Frau kann ja auch nichts mehr aussagen.

    20 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Tragisch..."
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    • Nexic
    • 14. Februar 2013 10:00 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    Soviel Zeit muss sein.

  1. Es ist bis jetzt noch gar nichts klar, außer, das Pistorius festgenommen wurde und schon wollen hier die ersten drei Poster offenbar wissen, was passiert ist - gruselig.

    12 Leserempfehlungen
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    • Filosov
    • 14. Februar 2013 10:19 Uhr

    Fakt ist: Er lebt, hat eine mögliche Tatwaffe, und sie ist tot, und zwar in seiner Wohnung, wie es aussieht. Das nenne ich Sachlage, reicht jedenfalls für eine Verhaftung.
    Jetzt finde ich es wie gesagt ziemlich spannend, was Justiz und Medien draus machen, insbesondere mit seinem Bachground.
    Gruselig? Oder unterstellen Sie mir und den Vorrednern Vorverurteilung? Das fände ich gruselig ;)

    Aber wenn der erste die Geschichte mit der Verwechslung mit einem Einbrecher anscheinend so völlig kritiklos glaubt, wird man noch was anmerken dürfen.

    wenn die Sachlage für ihn sprechen würde. Dann wäre es nämlich einfach nur tragisch. Die Beamten werden wohl gesehen haben, dass so wie er die Sache geschildert hat, sich das Ganze nicht abgespielt haben kann.

    Dem Foto zu urteilen ist er definitiv schuldig.
    Ich an seiner Stelle würde den Anwalt von O.J. Simpson anheuern.

    • Nexic
    • 14. Februar 2013 10:00 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und wieder"
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    • topjob
    • 14. Februar 2013 10:19 Uhr

    Ich verstehe nicht ganz, was das mit Geschlechterkampf zu tun hat. Wenn er z.B. einen Freund erschossen hätte, wäre die Argumentation dann anders? Auch dann würden sich die Leute fragen, was genau passiert ist.

    Ihre Bemerkung, dass die Sache "tragisch" ist und "ihn verfolgen wird" impliziert eine Unschuldsvermutung. Auf nichts anderes wurde reagiert. Mir scheint, sie fühlen sich ertappt.

    • Filosov
    • 14. Februar 2013 10:19 Uhr

    Fakt ist: Er lebt, hat eine mögliche Tatwaffe, und sie ist tot, und zwar in seiner Wohnung, wie es aussieht. Das nenne ich Sachlage, reicht jedenfalls für eine Verhaftung.
    Jetzt finde ich es wie gesagt ziemlich spannend, was Justiz und Medien draus machen, insbesondere mit seinem Bachground.
    Gruselig? Oder unterstellen Sie mir und den Vorrednern Vorverurteilung? Das fände ich gruselig ;)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Faszinierend"
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    alles ist noch sehr, sehr vage und die Grundlage für Mutmaßung unfassbar dünn.

    Von Vorverurteilung würde ich noch nicht sprechen, aber wenn man sieht, wie schnell in letzter Zeit vorverurteilt wird sobald sich irgendeine Interpretation möglicher Ereignisse in den Medien durchgesetzt hat, finde ich das schon gruselig, was sich hier anbahnt ...

    • topjob
    • 14. Februar 2013 10:19 Uhr

    Ich verstehe nicht ganz, was das mit Geschlechterkampf zu tun hat. Wenn er z.B. einen Freund erschossen hätte, wäre die Argumentation dann anders? Auch dann würden sich die Leute fragen, was genau passiert ist.

    Ihre Bemerkung, dass die Sache "tragisch" ist und "ihn verfolgen wird" impliziert eine Unschuldsvermutung. Auf nichts anderes wurde reagiert. Mir scheint, sie fühlen sich ertappt.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...] "
  2. Entfernt. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "Tragisch..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, kg
  • Schlagworte Polizei | Sportler | Weltrekord | Staatsanwaltschaft | Südafrika | London
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