DokumentationDie letzte Rede von Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. hat in seiner letzten Generalaudienz noch einmal die Gründe für seinen Rücktritt genannt. Seine Rede in einer redaktionell bearbeiteten Fassung

Papst Benedikt XVI. bei seiner letzten Generalaudienz im Vatikan

Papst Benedikt XVI. bei seiner letzten Generalaudienz im Vatikan  |  © Alessandro Bianchi/Reuters

Der scheidende Papst Benedikt XVI. hat sich bei seiner letzten Generalaudienz am Mittwoch, 27. Februar 2013, in Rom von den Gläubigen verabschiedet. Die Dokumentation seiner Ansprache in einer ausführlichen, von Radio Vatikan redaktionell bearbeiteten Übersetzung:

"Danke von Herzen! Ich bin wirklich bewegt, und ich sehe: Die Kirche lebt!"

"Ich danke vor allem Gott, der die Kirche leitet und wachsen lässt, der sein Wort aussät und so den Glauben seines Volkes nährt. In diesem Moment umarme ich in Gedanken die Kirche in der ganzen Welt. ... Ich spüre, dass ich euch alle im Gebet in die Gegenwart Gottes hineintrage, wo ich jede Begegnung, jede Reise, jeden Pastoralbesuch vor ihn bringe. Alles und alle vertraue ich dem Herrn an."

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Er fühle in sich "großes Vertrauen", weil er wisse, "dass das Wort der Wahrheit des Evangeliums die Kraft der Kirche ist, ihr Leben". Das Evangelium reinige und erneuere, so Benedikt XVI., es trage Frucht, wo immer die Gemeinschaft der Gläubigen es höre und aufnehme.

"Als ich am 19. April vor fast acht Jahren den Petrusdienst angenommen habe, hatte ich diese feste Gewissheit, die mich immer begleitet hat: die Gewissheit, dass die Kirche aus dem Wort Gottes lebt! In diesem Moment fragte ich mich innerlich: Herr, warum verlangst du das von mir? Und was genau verlangst du? Das ist eine große Last, die du mir auf die Schultern legst. Aber wenn du mich darum bittest, dann werde ich auf dein Wort hin das Netz auswerfen - mit der Sicherheit, dass du mich trotz all meiner Schwächen führst."

Acht Jahre danach könne er nun wirklich sagen, dass der Herr ihn geführt habe und ihm nahegewesen sei.

"Es war für die Kirche eine Wegstrecke, bei der es Momente der Freude und des Lichtes gab, aber auch nicht einfache Momente. Ich fühlte mich wie der heilige Petrus mit den Aposteln im Boot auf dem See von Galiläa: Der Herr gab uns so viele Tage der Sonne und der leichten Brise, Tage, in denen der Fischzug wirklich reich war. Aber es gab auch Momente, in denen wir hohen Wellengang und Gegenwind hatten, wie in der ganzen Geschichte der Kirche: Momente, in denen der Herr zu schlafen schien."

"Und ich habe immer gewusst, dass das Boot der Kirche nicht meines ist, und auch nicht unseres, sondern Seines, und dass der Herr uns nicht untergehen lässt. Er führt das Ruder, natürlich auch durch Menschen, die er sich ausgesucht hat, weil er das so wollte. Das war und ist eine Gewissheit, die durch nichts verdunkelt werden kann. Und das ist der Grund, warum mein Herz heute voller Dankbarkeit gegenüber Gott ist: Er hat es mir und der Kirche gegenüber nie an seinem Trost, seinem Licht, seiner Liebe fehlen lassen!"

"Ich möchte alle einladen, ihr festes Vertrauen in den Herrn zu erneuern! Vertrauen wir uns ihm an wie Kinder in den Armen Gottes. Wir können sicher sein, dass diese Arme uns immerdar halten; das lässt uns jeden Tag mit seiner Mühe auf sich nehmen. Ich wünschte, dass sich ein jeder von diesem Gott geliebt fühle, der seinen Sohn für uns hingegeben hat und uns seine Liebe ohne Grenzen erwiesen hat. Ich wünschte, dass jeder die Freude des Christseins spüren möge.

"Ja, seien wir dankbar für das Geschenk des Glaubens, es ist das kostbarste Gut, das uns niemand entreißen kann! Danken wir dem Herrn jeden Tag dafür, mit dem Gebet und mit einem kohärenten christlichen Leben. Gott liebt uns, aber er erwartet, dass auch wir ihn lieben."

Doch nicht nur Gott wolle er in diesen letzten Stunden seines Pontifikates danken, so Benedikt XVI. Ein Papst sei "nicht allein am Ruder des Schiffleins Petri", er habe sich "nie allein gefühlt im Tragen der Freude und Last des Petrusdienstes", der Herr habe ihm viele großzügige Helfer und Freunde an die Seite gestellt. Der Papst dankte den Kardinälen, von denen viele neben ihm saßen, für ihre "Weisheit", ihren "guten Rat" und "ihre Freundschaft".

"Ich danke überhaupt allen, die in verschiedenen Bereichen dem Heiligen Stuhl dienen: Es sind viele Gesichter, die nicht hervorstechen, sondern im Schatten bleiben. Aber gerade im Schweigen und der täglichen Arbeit, in einem Geist des Glaubens und der Demut, waren sie für mich eine sichere und verlässliche Unterstützung."

"Bei meinen Pastoralreisen, Begegnungen und Audienzen habe ich immer große Aufmerksamkeit und tiefe Zuneigung erfahren. Aber auch ich habe immer alle und jeden einzelnen geliebt, ohne Unterschied, mit der pastoralen Liebe des Hirten. ... Jeden Tag habe ich jeden von euch in mein Gebet eingeschlossen, mit dem Herzen des Vaters. Ich wünschte, mein Gruß und mein Dank erreichten schlechthin alle: Das Herz eines Papstes weitet sich auf die ganze Welt hin!"

Leserkommentare
  1. Sehr weise, berührende und demütige Worte.

    Irgendwie ist es doch ein schöner Gedanke, dass dort im Verborgenen - abseits der Machtpolitik des Vatikan und der großen Probleme unserer Zeit - noch immer der emeritierte Papst in aller Stille wacht und für die Wet betet.

    • Kometa
    • 21. Oktober 2013 10:53 Uhr

    "(...)Möge im Herzen eines jeden von uns immer die freudige Gewissheit herrschen, dass der Herr uns nahe ist! Er verlässt uns nicht, er ist uns nahe und hüllt uns in seine Liebe ein."

    - Diese eigenartige Selbtszufriedenheit. Diese Entweltlichung als vemeintliches Euangelium - Dieses Genügen ansich an de eigenen Person; was auf die Welt und alle Weltlr übertagen wird. - Nix von Erbarmen. Nix von Revolution der Herzen.
    - Hier riecht die Herde wie der Hirt. Und nicht der Hirt wie die Herde.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Freundschaft | Glaube | Herz | Kirche | Liebe | Papst
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