Noch einmal redet Benedikt sein typisches Italienisch mit bayerischem Akzent, noch einmal mag ihm das "th" bei den Grüßen an die "Pilger englischer Sprache" nicht recht gelingen. "Der Herr hat mich immer geführt und war mir nahe", sagt Benedikt XVI. mit gebrochener Stimme in deutscher Sprache, "in Zeiten der Freude und des Lichts, aber auch in schwierigen Zeiten".

Was aus seiner Amtszeit wird er wie verbuchen? Zu den Zeiten der Freude sicher die Reise nach Bayern 2006, überhaupt die Reisen und Begegnungen mit Gläubigen. Jene Momente, in denen die Öffentlichkeit nicht, wie er einmal sagte, "sprungbereit" schien, jede Geste, jedes Wort in gut oder schlecht einzuordnen.

Unfähigkeiten, Eitelkeiten und Verfehlungen im Vatikan

Zu den schwierigen Zeiten wird er jede Stunde rechnen, in der er sich vom Wesentlichen ablenken lassen musste und sich mit den Verfehlungen seiner eigenen Hirten, den Eitelkeiten und manchmal der Unfähigkeit in der kirchlichen Bürokratie beschäftigen musste. Vielleicht hat es ihm mit VatiLeaks endgültig gereicht.

"Viva il Papa", rufen seine Anhänger auf dem Petersplatz, "Benedikt XVI. für immer" steht auf Plakaten. Italienische Schulklassen skandieren: "Benedetto". Kann es sein, dass sich ein Papst von der ihm tausendfach gezeigten Verehrung einmal entwöhnen kann?

Benedikt scheint mit sich, Gott und der Kirche im Reinen zu sein. Während der Audienz gibt er seine Interpretation des Rücktritts: "Für mich gibt es kein Zurück mehr, keine Rückkehr ins Private. Ich trage nicht mehr die Macht des Amts, aber ich bleibe im Dienst des Gebets."

Gut eine Stunde nach dem Beginn, es ist jetzt 11.58 Uhr, spendet er zum letzten Mal als amtierender Papst den Segen. Später schreibt er noch eine Botschaft an seine 1,6 Millionen Follower auf Twitter: "Mein Wunsch ist es, dass ein jeder von uns die Freude spürt, Christ zu sein und von Gott geliebt zu sein, der uns seinen Sohn geschenkt hat."