Papst Benedikt verabschiedet sich aus dem Amt: Unter dem Jubel Zehntausender Pilger und Touristen hat Benedikt XVI.  seine letzte Generalaudienz auf dem Petersplatz gehalten. Die Gläubigen schwenkten Dankesgrüße und Fahnen, während Benedikt mit dem Papamobil durch die Reihen fuhr und grüßte. Das Papamobil hielt mehrmals an, der Papst segnete kleine Kinder, die ihm hochgereicht wurden. "Ich bin wirklich bewegt", sagte der 85-Jährige.

"Die Kirche zu lieben heißt auch, den Mut zu schwierigen Entscheidungen zu haben", sagte Benedikt XVI. den Gläubigen. Er verwies darauf, dass ein Papst "keinerlei Privatleben mehr" habe. Dies strebe er auch nach dem Rücktritt nicht an: "Es gibt keine Rückkehr ins Private.

Meine Entscheidung, auf die aktive Ausübung des Dienstes zu verzichten, widerruft das nicht." Er kehre nicht zurück in ein Leben der Reisen, Begegnungen, Empfänge und Konferenzen. "Ich verlasse nicht das Kreuz, ich bleibe auf eine neue Weise beim gekreuzigten Herrn", sagte Benedikt XVI.

Er wolle die Kirchenleitung abgeben, um sich dem Gebet und der Meditation zu widmen, sagte Benedikt XVI. und ergänzte mit Blick auf sein Pontifikat, dass dieses von Freude und Licht, aber auch von "nicht einfachen Momenten" geprägt gewesen sei.

Rücktritt sei ungewöhnlich, aber "wichtig"

Er sei sich bewusst, wie "wichtig" und ungewöhnlich sein Rücktritt sei, sagte Benedikt XVI., der als erstes katholisches Kirchenoberhaupt seit dem Mittelalter vor dem Tod auf eigenen Beschluss aus dem Amt scheidet. Er habe sich angesichts seiner "schwindenden Kräfte" jedoch in "Gelassenheit" und "zum Wohl der Kirche" entschieden. "Der Herr hat mich immer geführt und war mir nah", sagte der Papst auf Deutsch und sprach "ein herzliches Vergelt's Gott".

Er dankte den Gläubigen und schloss die ganze Welt in sein Gebet ein. Er vertraue Gott die Kirche in aller Welt an, sagte Benedikt. Der Herr habe ihn auch in schwierigen Zeiten geführt. Benedikt dankte allen, die seinen Rücktritt mit Respekt und Verständnis aufgenommen haben. Er habe diese Entscheidung zum Wohl der Kirche getroffen. Weiter dankte er seinen Mitarbeitern, die für ihn während des fast achtjährigen Pontifikats ein sicherer Halt gewesen seien.

Hunderte Pilger aus Bayern angereist

Zahlreiche Kardinäle aus aller Welt kamen zu der Audienz. Aus Bayern reisten Hunderte Pilger an, auch der bayerische Regierungschef Horst Seehofer (CSU) und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, waren zugegen.

Zollitsch würdigte Benedikt XVI. als "einen der größten Theologen", der die Kirche "entscheidend geprägt" habe. Die Entscheidung, das Papstamt abzugeben, sei ein "respektabler Entschluss, der Anerkennung verdient", sagte er.

Benedikts Pontifikat endet am Donnerstag um 20 Uhr. Er hatte am 11. Februar überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Im Vatikan laufen bereits die Vorbereitungen für die Papstwahl: Anfang nächster Woche kommt die Kardinalsversammlung zusammen, um über den Beginn des Konklaves zu entscheiden.