Benedikt-RücktrittEin neuer Papst wird nichts ändern

Was bleibt von Papst Benedikt XVI.? Nicht viel, meint der Theologe und Kirchenkritiker Horst Herrmann. Und auch der nächste Papst wird den Reformstau nicht überwinden. von Horst Herrmann

Der Papst mit Kardinälen und Bischöfen während einer Audienz im Vatikan

Der Papst mit Kardinälen und Bischöfen während einer Audienz im Vatikan  |  © Max Rossi/Reuters

Gerade weil wir jetzt nicht mehr Papst sind, sollte inmitten des offiziellen Geredes derer, die über einen Dahingegangenen nur Gutes sagen wollen, zur Sache geredet werden. Bevor die Geschichte ihr – wie ich meine, vernichtendes – Urteil über Joseph Ratzinger sprechen wird, können wir zusammenfassen: Erst durch seinen Rücktritt hat Benedikt XVI. ein gewisses Maß an historischer Bedeutung gewonnen. Ansonsten war da vergleichsweise wenig.

Er investierte in den eigenen Nachruhm. Eine Gesamtausgabe seiner Werke zum Beispiel oder die "Eiligsprechung" seines Vorgängers – das sollte garantieren helfen, dass Ratzinger nicht jener Vergessenheit verfällt, die einem Übergangspapst gebührt. Doch Benedikt XVI. war der schwächste Papst seit 150 Jahren. Wer anderer Ansicht ist, soll mir einen Schwächeren nennen.

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Lassen wir die deutschnationalen Emotionen des Bild-Anfangs beiseite, war es mit Recht ruhiger um diesen Papst geworden. Zu Beginn hatte ich zögernd angenommen, er nutze die Chancen, die sein Amt bot. Anlässe für Reformen, Dringlichkeiten sogar, gab es genug: eine Ökumene, die über die gerade von Ratzinger zu verantwortende Beschämung etwa der evangelischen Kirchen als bloße Gemeinschaften hinaus ging, eine Anerkennung anderer Religionen und Konfessionen, die entschieden vom Alleinvertretungsanspruch der Catholica abrückte, die Klärung des Verhältnisses von Vatikan und Ortsbischöfen, die drängende Neufassung von Zölibat und Frauenordination, die unsägliche, auf Angst gegründete Stellung des Vatikans zur Sexualität schlechthin.

Horst Herrmann
Horst Herrmann

Horst Herrmann, geboren 1940, ist Doktor der Theologie und war von 1970 2005 Professor an der Universität Münster – zunächst am Lehrstuhl für katholisches  Kirchenrecht, dann für Soziologie. 1975 entzog ihm die Kirche nach heftigen Auseinandersetzungen die kirchliche Lehrerlaubnis, 1981 trat er aus der Kirche aus. Herrmann ist Autor zahlreicher Bücher.

Nichts ist passiert. Dieser Papst stritt sich mit Piusbrüdern herum – und Schluss. Nirgendwo ging er voran. Alles wurde klein auf klein abgehandelt. Da war nichts originell, alles sekundäre Existenz. Professor Ratzinger gefiel sich darin, ein Buch nach dem anderen zu schreiben, als habe er verdrängt, dass er ein Papst war, von dem mehr verlangt werden durfte. Besonders schlimm wirkte die Attitüde des Geisterfahrers: Er allein fuhr auf der rechten Spur. Wir, ein zigmillionenfacher Rest, waren in der falschen Richtung unterwegs. 

Beharren auf tradierten Morallehren

Er wird schneller vergessen sein, als das manchen lieb sein kann. Allenfalls das Lager der Säkularen hat diesem Papst viel zu verdanken, denn Joseph Ratzinger war eine starke Triebkraft für eine Abwendung vieler Katholiken von ihrer Kirche. Das Anspruchsdenken der Vatikanischen Konfession und ihr uneinsichtiges Beharren auf tradierten Morallehren entzog immer mehr Menschen die Bereitschaft, in dieser Kirche zu bleiben.

An diesem millionenfachen Abschied wird auch ein neuer Papst nichts ändern, auf dem jetzt so auffällig viele reformerische Hoffnungen ruhen. Der Neue wird, wer immer das Rennen macht, gefangen bleiben in den Vorgaben des vatikanischen Milieus. Eine Auflösung des Reformstaus – siehe oben – ist nicht in Sicht.

Zum einen hat Benedikt XVI. für eine eindeutige Ausrichtung des Wahlmännergremiums gesorgt. Im Konklave sitzen nur handverlesene Kleriker, von denen jeder weiß, was von ihm verlangt wird. Zum anderen kann es sich kein Papst leisten, die Nibelungentreue gegen das Lehramt aufzukündigen. Jeder neue Papst bleibt festgezurrt an der Tradition, jeder wird an der Leine von Dogma und Moral seiner Vorgänger geführt – und, was noch wichtiger ist, an der Leine eben der Vatikanischen Konfession, die sich als Kirche ausgibt.

Hoffnungslos. Und niemand sollte den Geist Gottes bemühen, wo allein Intrige und Machtkalkül eine Rolle spielen. Selten, dass so viel Hoffnung schon jetzt auf so viel Enttäuschung trifft. Selten? Nein, kirchenüblich.

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Leserkommentare
  1. Der Heilige Geist hütet sich, auf diese korrupte Männerkurie niederzuschweben. Es ist schon mehr als erstaunlich, dass es immer noch Katholiken gibt, die die Hoffnung nicht aufgeben wollen. Realitätsverweigerer.

    22 Leserempfehlungen
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    Maria, Jesus und der heilige Geist planen den nächsten Urlaub auf der Erde.

    Maria möchte nach Jerusalem, aber Jesus stöhnt, dass er immer Kreuzschmerzen vom letzten Aufenthalt habe.

    Jesus möchte lieber einmal Rom kennen lernen. Da freut sich der heilige Geist: „Au ja, da war ich auch noch nie!“

    • Esilram
    • 24. Februar 2013 18:22 Uhr

    Sorry, wer sind Sie, dass Sie zu wissen meinen, wo und wie der Heilige Geist wirkt? Überlassen Sie das doch Gott.
    Der Heilige Geist hat zudem schon immer bei Sündern gewirkt - ausnahmslos, weil wir alle dazugehören. FallsSie etwas Bibelkenntnis haben, sollten Sie das wissen, ansonsten empfehle ich ihnen dringend mal über die Bücher gehen. Aber nicht nur vor 2000 Jahren hat Er an Sündern gewirkt, Er tut das heute noch, da könnten Ihnen abertausende von Zeitzeugen mit sehr dunklem Hintergrund Zeugnis davon ablegen. Und vielleicht noch dies: vielleicht sollten sie sich auch mal die Frage andersrum stellen - könnte nicht was dran sein an der katholischen Kirche, dass sie bis heute die grösste christliche Konfession ist.Ich zweifle, dass weltweit so viele Katholiken alles nur blinde Anhänger sind.

  2. Diese Artikel auf allen Karnälen sind jetzt langsam schon lächerlich!

    Die Süddeutsche Redaktion hat schon ihre "Wünsch-dir-eine-neue-katholische-Kirchen" Liste vorgelegt und Prantl und Das Gupta (jedes Thema, jedes Thema) haben ihre Kommentare abgesondert.

    "Uneinigkeit über Kurs der Kirche behindert Papst-Suche" steht derzeit auf der Hauptseite der WAZ und die TAZ die eine andere Religion ja so positiv sieht, möchte die katholische Kirche schliessen lassen.

    Die deutschen Medien machen sich so lächerlich.

    Ich hoffe der neue Papst wird ein Hardliner! Also Turkson aus Ghana damit den deutschen Links-"liberalen" die Kinnlade runterfällt.

    26 Leserempfehlungen
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    Oh ja, ein richtiger "Hardliner" sollte ran, damit diese jetzt schon weltfremde Kirchenführung noch weltfremder wird. Ich freue mich schon darauf, wenn die Volks-Parteien in Deutschland mehr Mitglieder haben, als die Kirche.

    Das ist die Zukunft!

    Ich vermute jemand aus den Reihen von zum Beispiel Opus Dei würde wie ein Spaltpilz dafür sorgen, dass sich Teile der eigene Kirche, viele Katholiken sich auf den Weg machen werden. Woandershin.

    Wenn Ihnen das wichtig und richtig erscheint...

    Von dort ( http://www.opusdei.de/art... / unter "Eine neue Epiphanie für Ahnungslose" ) Benedikt XVI. zitiert:

    "Viele, die sich als Agnostiker oder als Atheisten ansehen, erschrecken vielleicht, wenn wir von neuer Evangelisierung sprechen.

    Sie wollen sich nicht als Objekt von Mission sehen und ihre Freiheit des Denkens und des Wollens nicht preisgeben. Aber die Frage nach Gott bleibt doch auch für sie gegenwärtig, auch wenn sie an die konkrete Weise seiner Zuwendung zu uns nicht glauben können. (...) Als ersten Schritt von Evangelisierung müssen wir versuchen, diese Suche wach zu halten; uns darum mühen, dass der Mensch die Gottesfrage als wesentliche Frage seiner Existenz nicht beiseite schiebt. Dass er die Frage und die Sehnsucht annimmt, die darin sich verbirgt."

    Die Mission "Als ersten Schritt von Evangelisierung müssen wir versuchen..." ist gescheitert und die "Agnostiker oder als Atheisten" fängt man mit eher fundmentalistisch gewebten Netzen sicher nicht ein.

    Ich hoffe sehr, dass der neue Papst ein Hardliner wird.
    Die Zahl der Atheisten in Deutschland ist bei über 50%, in Ländern wie Schweden geht es inzwischen schon Richtung 80%.
    Ein Hardliner wird diese Zahl glücklicherweise nur weiter erhöhen, so dass wir einer wahren Säkularisierung Deutschlands näherkommen können.
    Keiner soll mich missverstehen, mir ist es völlig egal, was jemand glaubt und ich werde das auch niemandem vorwerfen. Die Glaubensfreiheit ist genauso ein demokratisches Gut wie andere Errungenschaften. ABER: es kann nicht sein, dass eine bald Minderheit der Bevölkerung ihre Moralvorstellungen der Allgemeinheit oktroyiert (z.B. aktive Sterbehilfe); es kann nicht sein, dass öffentliche Einrichtungen von der Allgemeinheit bezahlt werden, jedoch von der Kirche betrieben werden und dort ihre Vorstellungen durchsetzen dürfen; es kann nicht sein, dass der Staat die Steuer der Kirche eintreibt; diese Liste ließe sich fortsetzen.

    Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht. Die Zahl der Katholiken in anderen Ländern (Phillipinen, Brasilien etc.) ist weitaus größer und betrachtet man das Bevölkerungswachstum, so werden die Katholiken Europas bald marginal in ihrer Bedeutung sein. Die Kirche wird sich für sie nicht mehr interessieren (können). Eigentlich faszinierend: Die Kirche, die Europas Geschicke wie keine andere jahrhundertlang bestimmt hat, globalisiert sich und verliert das Kernland. Geschichte kann auch Humor haben.

    Der Punkt ist doch, dass es die katholische Kirche gar nicht nötig hat, einen "Reform"-Papst zu wählen. Warum auch? Abgesehen von der Lage in ein paar kleinen und mittelgroßen Staaten in (West-)Europa geht es ihr doch prächtig: Ihre Mitgliederzahlen steigen (und zwar schneller, als die Weltbevölkerung wächst), ihre Position in Mittel- und Südamerika ist gefestigt und kann, trotz der erstarkenden und rasch wachsenden Pfingstbewegungen, zunächst einmal weiter ausgebaut werden, selbst ein knappes Viertel der US-Amerikaner sind mittlerweile Katholiken, Tendenz steigend. In Afrika und Asien wächst die katholische Kirche ebenfalls. Warum sollte sie auf die Reformwünsche einer kleinen Minderheit der Weltbevölkerung hören?

    Deutschland und ein paar andere westeuropäische Staaten haben religionstechnisch abgewirtschaftet, Wachstum ist da nicht mehr zu erwarten, aber das ist nicht weiter schlimm, solange es anderswo genügend boomende Märkte gibt.

    Denn nur so werden auch die nur oberflächlich informierten, aber ansonsten gutmeinenden Katholiken draufkommen, dass das System seit Jahrzehnten überholt und un"reformierbar" ist.

    • fse69
    • 14. Februar 2013 10:15 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

    • Infamia
    • 12. Februar 2013 18:32 Uhr

    Wie wäre es, wenn man diesem Papst und seiner schwarz gewandeten Robenentourage etwas weniger Raum einräumen würde? Wenn ich mir die Reaktionen auf den Rücktritt des Papstes so ansehe und das Leben des überwiegenden Teils der Bevölkerung, dann klafft da eine enorme Lücke zwischen Anspruch des Papstes und Lebenswirklichkeit derjenigen, die ihm munter zuwinken und bedauern, dass er jetzt zurücktritt. Das ist aus meiner Sicht schon fast als chronische Schizophrenie zu bezeichen.

    Entweder ich stehe zu dem, was der Papst und der Vatikan predigt und lebe danach, oder ich bin nicht damit einverstanden, dann sollte ich auch entsprechend handeln und dieser Institution, die dem frühen Mittelalter verhaftet zu sein scheint, meine Gefolgschaft aufkündigen. Alles andere ist verlogen und hat meines Erachtens mehr etwas mit wohlfühligem Glauben zu tun, mit ein wenig Kerzenschimmer, Weihrauch und Glitzersternchen.

    Offensichtlich lebt der Großteil der Bevölkerung ein anderes Leben, als es die katholische Kirche mit dem Vatikan an der Spitze predigt. Das bedeutet, man kann den Rücktritt des Papstes als Randnotzi verbuchen und die Titelseiten für die wirklich wichtigen Dinge unserer Zeit nutzen.

    Alles andere ist scheinheiliges Getue und hat mit unserer Lebenswirklichkeit nichts zu tun.

    37 Leserempfehlungen
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    #3 Sie schreiben:
    "Entweder ich stehe zu dem, was der Papst und der Vatikan predigt und lebe danach, oder ich bin nicht damit einverstanden, dann sollte ich auch entsprechend handeln und dieser Institution, die dem frühen Mittelalter verhaftet zu sein scheint, meine Gefolgschaft aufkündigen."
    Also: Entweder oder - und das nach Ihrem Maß. So wie es andeuten, ein klapperdürres Paragraphenmaß erfaßt es doch überwiegende Bereiche kirchlichen Lebens nicht
    . Sie fahren dann fort:
    "Alles andere ist verlogen und hat meines Erachtens mehr etwas mit wohlfühligem Glauben zu tun, mit ein wenig Kerzenschimmer, Weihrauch und Glitzersternchen."
    Da spricht der Rationalist, asketisch in der Verdammung eines ungeheuer weiten menschlichen Feldes, das nicht in seine Baukastenwelt paßt.
    Um etwas von dem zu erfahren lesen Sie doch einmal den Kommentar 29, hier blitzt etwas von dem, was ich meine auf.
    Kurzum, neben vielem, was in der Kirche reformwürdig sein mag, ist sie mir und vielen anderen mehr als ein theologisches Konstrukt, sondern Heimat.

    • lxththf
    • 12. Februar 2013 23:04 Uhr

    Wenn man nach Südamerika, Afrika und z.B. Südeuropa schaut, so hat die katholische Kirche eine ganz andere Bedeutung, als für uns (viele Foristen werden ja nicht müde immer wieder über den Fluch der Religion zu klagen und dass man diese doch am besten ausradieren sollte).
    Allerdings gibt es auch in Dtl. mehr als genug Kirchenanhänger, die kritisch ihren Glauben leben. Genau das wird immer gern übersehen. Ich vergleiche es gerne mit einem Fußballverein und dessen Mitglieder. Es wird über den Vorstand und den Präsidenten geschimpft und gemeckert, aber am Ende ist man doch Mitglied und identifiziert sich auf eine individuelle Art und Weise. Ich glaube, dass es viele Katholiken gibt, den es ähnlich geht.

    Zum Artikel selbst. Eigentlich ist es eine Frechheit auf jemanden einzutreten, der schon seit vielen Monaten gezeichnet war. Das nennt man allgemein nachtreten und ist einfach unwürdig. Auch wird die Macht des Papstes wahnsinnig überschätzt, denn ist er auch per kirchlicher Definition der Stellvertreter Christi auf Erden, so hat sein Einfluss massive Grenzen und diese Realität sollte man viel eher abbilden. Die Machtträger sind andere.

    Warum die Anteilnahme vieler Deutscher dennoch hoch ist? Weil der Papst (trotz Machtlosigkeit) eine sehr große, globale Strahlkraft besitzt, eine historische tiefe Bedeutung hat und (bei aller berechtigten Kritik) hunderten Millionen Menschen wichtig ist.

    • Nyarlat
    • 14. Februar 2013 10:14 Uhr

    Besonders erschreckend sind die Frauen die erblich bedingt zur katholischen Kirche halten, aber alles machen was sie Laut Ratzinger in die Hölle bringt: Sex vor der Ehe mit Kondomen.

    Aber würden sie das nicht machen wäre die katholische Kirche schon längst erledigt.
    So ist diese Kirche nun mal: Anders handeln als gefordert, deshalb dann schlecht fühlen und mehr um Vergebung der eingebildeten Sünden beten!

    • fse69
    • 14. Februar 2013 10:18 Uhr

    "... Alles andere ist verlogen und hat meines Erachtens mehr etwas mit wohlfühligem Glauben zu tun, mit ein wenig Kerzenschimmer, Weihrauch und Glitzersternchen...."

    ... für diese nervige Klientel gibt es mittlerweile auch einen Oberbegriff: Salonkatholizismus.

    • KAWE43
    • 12. Februar 2013 18:37 Uhr

    Kaum hatte der Papst seinen Rücktritt erklärt, tauchte natürlich sofort die Frage auf, ja kann denn ein Papst überhaupt zurücktreten, da er doch als Stellvertreter Gottes auf Lebenszeit gewählt ist.

    Und sofort wurde auf den einzigen Fall eines Papstrücktritts verwiesen. Papst Coelestin V war von Juli bis Dezember 1294 Papst. Als Einsiedlermönch war er mit seiner Wahl nicht grad glücklich und war dieser Aufgabe wohl auch nicht gewachsen. Die Amtsgeschäfte während dieser 5 Monate führte ohnehin sein "persönlicher Berater" der Kardinal Caetani. Dieser "ermunterte" Coelestin, doch zurückzutreten, und um die Bereitschaft hierzu zu "fördern", erfand Caetani einfach frühere Fälle von Rücktritten, die es aber nie gegeben hatte. Damit überzeugte er Coelestin, dass ein Papstrücktritt durchaus möglich sei und das tat er dann auch. Der Hintergrund war, dass Caetani selbst Papst werden wollte, was er dann im Dezember 1294 als Bonifatius VIII auch tatsächlich wurde. Da ein gewählter Papst zeitlebens Papst bleibt, hat Bonifatius VIII seinen Vorgänger konsequenterweise bis zu dessen Tod im Jahr 1296 in "Schutzhaft" genommen, damit er ihm nicht in die Quere kommen konnte. Also insgesamt eine ziemlich schmutzige Geschichte. Sich auf diese Geschichte als Präzedenzfall zu berufen, ist schon wirklich großartig.
    Man kann wünschen, dass Herrn Ratzinger nicht dasselbe Schicksal ereilt.

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    • friesk
    • 12. Februar 2013 18:38 Uhr

    @ave-roma: Gerne, aber nur wenn das Konkordat aufgekündigt wird, die Kirche also gerne von den Gläubigen das Geld direkt eintreiben darf. Und sie aus den Schalthebeln von konfessionellen Schulen und Krankenhäusern entfern wird, wo sie außer frommen Geblubbere nichts beitragen.

    Und wenn endlich die Kirchenfürsten nicht mehr vom deutschen Staat bezahlt werden.

    Dann könnt ihr euer Hardlinertum ausleben bis ihr schwarz werdet.

    @infamia: Ich stimme ihnen zu, aber unter Beachtung dessen was ich oben schreibe.

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    • Thetis
    • 13. Februar 2013 23:47 Uhr

    wird immer gern zur Diskreditierung des Papstes herangezogen. In Deutschland zieht der Staat für etwa 15 Religionsgemeinschaften (nicht nur Kirchen) die Kirchensteuer ein. Ob einer zahlen will, muß wie in jedem Verein durch Austritt oder Eintritt entscheiden. Und angesichts von einer Unzahl gemeinnütziger Vereine, die Steuervorteile und z.B. kommunale Zuwendungen genießen, zeigt die ewige Papsthackerei nur eine ideologische Verbissenheit.

    Die Umstände der Bischofsbesoldung liegen in Verträgen begründet, die Enteignungen während der Säkularisation Rechnung tragen. Wer die einseitige Beendigung solch vertraglich festgelegter Kompensationszahlungen wirklich fordern will, der möge die möglichen Folgen bedenken.

    http://de.wikipedia.org/w...

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bayerisches_Konkordat_(1924)#cite_note-9

  3. Dem Tenor des Artikels kann ich mich nur anschließen. Und das ist so besonders traurig, weil es so viele Menschen betrifft, die die katholische Kirche einfach brauchen um Halt zu finden. Die damit verbundene Verantwortung würde es eigentlich mit sich bringen, dass sich die Kirche Reformen öffnet. Aber allein die Tatsache, dass diese Kirche das Christentum von Anfang an dogmatisch in der bekannten Art und Weise geformt und andere Deutungen verketzert und bekämpft hat macht wenig Hoffnung auf wirkliche Reformen. Aber vielleicht ist auch die Zeit noch nicht reif dafür. Diese Zeit wird kommen, da bin ich mir sicher. Der Katholizismus ist in einer Welt entstanden, die mit derjenigen, in der Menschen heute nach Sinn, Glauben und Spiritualität suchen nicht mehr viel gemein hat. Und der Glaube hat sich immer an die kulturellen Erfordernisse anzupassen gewusst die ihn als existentielle Erfordernis der menschlichen Existenz überhaupt erst hervorbringen. Wahrheit, an sich ist nicht an ein bestimmtes Glaubenssystem gebunden. Auch wenn die katholische Kirche das behauptet. Und deshalb wird auch dieser Glaube irgendwann durch etwas ersetzt werden, was den Menschen besser entspricht.

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    es ist schon zu spät. ich glaube, dass eher eine aufspaltung der katholischen kirche kommt als dass sich die machtbesessenen des vatikans ändern und der gegenwart öffnen.

    wenn bis jetzt, nach so vielen austritten in europa und amerika, keine wende eingetreten ist, wann dann? die uralten, vergilbten gleise sind zu eingefahren, die vatikanelite zu engstirnig - leider.

    "Und deshalb wird auch dieser Glaube irgendwann durch etwas ersetzt werden, was den Menschen besser entspricht."

    Es ist doch nicht der Glaube, der hier kritisiert wird, sondern was daraus an bestimmten Stellen - und zum Glück nicht überall, auch nicht in der katholischen Kirche - daraus gemacht wird.

    Vielleicht hat ja der Glaube deswegen so lange gehalten und sich so weit verbreitet, weil er gerade dem Menschen entspricht.

    • hh59
    • 12. Februar 2013 18:40 Uhr

    Die angesprochenen Reformfelder scheinen alle aus einer sehr Deutschen Perspektive identifiziert zu sein. Wen interessiert in Suedamerika oder Afrika die Oekumene? Warum sollte das Zoelibat reformiert werden? Wer will in der Weltkirche wirklich ordinierte Frauen? Ausserdem: inwiefern wenden sich weltweit die Menschen von der katholischen Kirche ab?

    Die Kirche gibt es seit fast 2000 Jahren, warum sollte sie sich an so was wie Geschlechtergleichstellung innerhalb von 50 Jahren anpassen?
    Ich denke nicht, dass man an die Kirche die gleichen Erwartungen wie an eine demokratische Gesellschaft anlegen kann. Insbesondere kann man nicht erwarten, dass sie die gleich liberale Weltanschaung annimt, wie wir sie in Deutschland haben.

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    • hairy
    • 12. Februar 2013 19:24 Uhr

    1. Südamerika und Afrika haben ganz andere Probleme. Bei Hunger wächst keine Kirchenkritik.
    2. 2000 Jahre Kirche: rechtfertigt gar nichts.
    3. Die Kirche hat sich der demokratischen Gesellschaft und deren Forderungen unterzuordnen.
    4. Frage ich mich, wie oft man alldas noch wiederholen soll?

    • Nyarlat
    • 14. Februar 2013 10:24 Uhr

    Vielleicht weil Frauen die Mehrheit der Mitglieder stellen?

    Besser wäre aber die Frauen steigen aus und lassen die Männer ihre Stiefel küssen.

  4. Horst Herrmann hat recht - auch der neue Pappst wird kein Protestant sein.
    Interessanterweise stammen die bekanntesten Kritiker der katholischen Kirche aus dem Sprachraum der Reformation. Nur übersehen diese Kritiker, dass die kath. Kirche heute mit 1,2 Milliarden Gläubigen längst über Europa hinausgewachsen ist und allein Brasilien etwa zehnmal soviele Katholiken hat als Deutschland. Sie übersehen auch, dass eher der deutschstämmige Protestantismus in der Krise ist, denn die weltweite evangelische Missionierung wird heute vor allem von den amerikanischen Pfingstkirchen betrieben.
    Ja, die kath. Kirche steht vor einer Erneuerung, weil einer der nächsten Päpste erstmals seit 1.500 Jahren nicht aus Europa stammen wird, sondern aus Asien, Afrika oder Amerika - aber auch dieser Papst wird katholisch sein, aber er wird nicht in europäischen Zwängen denken!

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    Wenn die größte Weltreligion in Europa bedeutungslos wird, dann kennt sie ihre Zukunft auf den anderen Kontinenten.

    Sicherlich ist die Zahl der Gläubigen in Südamerika oder Afrika größer, aber Europa finanziert die sozialen Projekte der RKK. Wenn Europa wegfällt, dann verliert die Caritas ihre Bedeutung gegenüber staatlicher Entwicklungshilfe und ihre Anziehungskraft.

    In Europa steht Glauben nicht mehr über den Menschenrechten!
    15/01/2013: Europa-Gericht: GLAUBE RECHTFERTIGT KEINE HOMO-DISKRIMINIERUNG
    http://www.queer.de/detai...

    Bürger wehren sich gegen die Moralvorstellungen der RKK in staatlich finanzierten Einrichtungen. Damit verliert sie eine weitere Einnahmequelle zur Finanzierung kirchlicher Aufgaben.

    Deutsche Arbeitsgerichte verändern ihre Rechtssprechung zum Sonderrecht kirchlicher Arbeitgeber. Damit ziehen die Menschenrechte zunächst in die Caritas ein. Nicht verkündende Mitarbeiter in staatlich finanzierten Einrichtungen können dann homosexuell oder wiederverheiratet sein und evangelische, muslimische, jüdische oder ungläubige Mitarbeiter müssen beschäftigt werden.

    Die weitere Entwicklung ist damit vorgezeichnet und absehbar:
    Zum Schluss wird eine unreformierte RKK verboten. Oder eine Lesbe darf Papst werden!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Benedikt XVI | Joseph Ratzinger | Papst | Dogma | Emotion | Hoffnung
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