Benedikt-Rücktritt : "Der Papst ist niemandem Rechenschaft schuldig"

Darf das Oberhaupt der Katholiken einfach so zurücktreten? Was wird nun aus ihm – und der Kirche? Der Kirchenrechtler Stephan Haering gibt Antworten.

ZEIT ONLINE: Herr Professor Haering, darf ein Papst einfach so zurücktreten?

Stephan Haering: Ja, das darf er. Es gibt keine Vorgaben. Der Papst ist niemandem Rechenschaft schuldig und muss auch keine bestimmten Regeln einhalten. Er entscheidet das selber.

ZEIT ONLINE: Aber oft vorgekommen ist es ja noch nicht.

Haering: Das stimmt, bisher erst ein einziges Mal. Im 13. Jahrhundert bei Colestin V.

ZEIT ONLINE: Und nun wirft Benedikt hin. Und dann auch noch mit einer relativ profanen Begründung, nämlich aus gesundheitlichen Gründen. Verliert das Amt so nicht an Würde und Einzigartigkeit?

Stephan Haering

ist Professor für Kirchenrecht und katholische Theologie. Er lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Haering: Ich glaube nicht. Wenn ein Amtsinhaber der Kirche feststellt, dass seine Kräfte nicht mehr reichen, um das Amt vollständig wahrzunehmen, dann ist es eine respektable Entscheidung, wenn er abtritt.

ZEIT ONLINE: Aber Johannes Paul II. hat die Krankheit am Ende auch nicht abgehalten, das Amt bis zum Tod auszuüben. Im Gegenteil. Es hat ihn sehr populär gemacht.

Haering: Aber man weiß nicht, was Benedikt XVI. von den Ärzten erfahren hat. Vielleicht kündigt sich eine Demenz an, die möglicherweise rasch fortschreitet. An Ostern werden wir jedenfalls einen neuen Papst haben.

ZEIT ONLINE: Und was passiert mit dem Altpapst? Gibt es den Begriff überhaupt?

Haering: Sie können ihn einführen. Bisher war kein Bedarf dafür da. Beim Bischof, der zurücktritt, spricht man vom Bischof emeritus. Der Papst emeritus, nennen wir ihn jetzt mal so, wird, ganz salopp formuliert, von der Bildfläche verschwinden. Er wird ganz zurückgezogen leben. Vielleicht wird man in einem Jahr sich dessen schon gar nicht mehr bewusst sein. Und erst wieder daran denken, wenn die Todesnachricht kommt.

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Kommentare

36 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Herrn Ratzinger mochte ich als Vorpapst nicht!

Moin erst einmal!

Der Artikel ist ja nun schon länger her. Trotzdem noch einmal geschaut, ob ein Kommentar abgefasst werden kann.

Herr Ratzinger hat den ehemaligen Priester und Professor (Wiener Universität), Herrn Hubertus Mynarek ca. 1972 nach dessen ,Hinschmeißen', das heißt, nach dem Austritt aus der Katholischen Kirche ganz schon drangsaliert. Erst einmal wurde er vom Österreichischen Staat zwangspensioniert - wenn ich es noch richtig weiß.

Dann hat Herr Mynarek Bücher verfasst, die gegen die Katholische Kirche gerichtet waren. Er wurde verurteilt und musste sogar seine Schreibmaschine (Handwerkszeug für einen Schriftsteller!) hergeben. Irgendeiner soll gesagt haben, er möge doch mit dem Kugelschreiber oder ähnlichem weiter schreiben.

Das war der Vorpapst - ist aber auch Geschichte. Jetzt hat er als Oberhaupt seiner/wessen(?) Kirche sein Amt nieder gelegt. Ich finde auch (1970 aus der evangelischen Kirche ausgetreten), dass dazu Mut gehört und schließe mich der Kritik der Kommentatoren diesbezüglich an, dass er sein Amt nicht hingeschmissen hat.

Mit freundlichen Grüßen

Gerd Taddicken - Nordenham

a) 2014-03-14, Freitag, gg. 14.43 h

b) Link von Zeit-online = http://www.zeit.de/gesell...

c) Kommentar wird vorab in meinem Wiki veröffentlicht.

Rechenschaft ist er auch den anderen schuldig

Ich spreche nicht von strafrechtlicher Schuld,
Diese möge man bedenken wenn auch weiter die staatliche Unterstützung einer Organisation diskutiert wird, der er vorstand.
Da ist genug, um zu bedenken, ob man sie als kriminelle Vereinigung nicht besser verbieten sollte, oder zumindest veraltete Privilegien streichen sollte!
Bezahlung der Bischöfe durch Steuermittel ist für mich, als Steuerzahler, nicht akzeptabel.

@Galgenstein

zu 1: Zahlen lügen nicht!
aber Lügner benutzen..
zu 2: lustige Idee, dass er die Frauen hätte vergewaltigen müssen, um eine Verantwortung für den angesprochenen Vorfalls haben zu müssen, aber eine Abweisung der Frauen in staatlich finanzierten, von der Katholischen Kirche geführten Krankenhäusern, ist schon der Rechenschaft bedürftig.
Zu 3. (siehe zu 1) ich erwarte auch nicht, dass Priester bessere Menschen sind, die Erfahrung und Statistik spricht dagegen.
Zu 4: Ich spreche ihm jegliche Kompetenz ab, sich zu allen Aspekten der Liebe zu äußern, da er keine Erfahrungen mit körperlicher Liebe hat, schade für ihn! Schade, dass er sich mit seinen Äußerungen dafür am Rest der Menschheit in seiner Inkompetenz rächt.
Wenn ich liebe brauche ich keine Bücher, weder von Ratzinger noch mit Bildern.

Sie gehen nicht richtig in ihrer Annahme, das ich nichts von Herrn Ratzinger gelesen habe.
Ich betonte, dass ich seine Ergüsse nicht zur Gänze gelesen habe.
Mir ist von der viel betonten intellektuellen Brillianz dieses Autors nichts erkenntlich geworden;
nur ein Generalinquisitor der im 12. Jahrhundert vielleicht modern gewesen wäre, meine Sicht, jeder mag es anders sehen!
Ich habe keine Zeit diese rückwärtigen Texte zu lesen, es gibt bessere- auch theologische!
Ich gebe zu, dass es mir unverständlich blieb, warum Habermas sich auf ein Gespräch mit ihm einließ.
Alter scheint etwas Verbindendes zu haben.