Die Staatsanwaltschaft hat dem Paralympics-Star Oscar Pistorius "vorsätzlichen Mord" an seiner Freundin Reeva Steenkamp vorgeworfen. Pistorius habe eine "unschuldige und unbewaffnete Frau" erschossen und außerdem ein Mordmotiv, sagte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer vor dem Magistratsgericht in Pretoria.

Die Anklage schilderte im Gerichtssaal ihre Version des Tathergangs: Der 26-Jährige habe in der Valentinsnacht seine Prothesen angezogen, sei sieben Meter zum Badezimmer gelaufen und habe durch die geschlossene Tür vier Schüsse auf seine Freundin Reeva Steenkamp abgegeben. Dies spreche für vorsätzliches Handeln, sagte der Staatsanwalt. Eine Freilassung auf Kaution, wie von Pistorius' Anwälten beantragt, lehnte er ab.

Laut Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise, die Pistorius' Darstellung stützten, er habe einen Einbrecher vermutet. Damit bestätigte der Staatsanwalt erstmals Medienberichte, denen zufolge Pistorius einen Eindringling im Badezimmer vermutet habe.

Pistorius' Anwälte plädieren für eine Anklage wegen Mordes in einem minder schweren Fall, was im deutschen Recht Totschlag entspräche. Nicht immer, wenn jemand zur Waffe greife, sei das Mord, sagte der Anwalt Barry Roux.

Roux bezeichnete den Vorwurf des vorsätzlichen Mordes als "Ungerechtigkeit". Pistorius selbst wies die Vorwürfe in einer von Roux verlesenen Erklärung vehement von sich: "Ich widerspreche den Anschuldigungen aufs Schärfste. Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten."

Wie immer habe er angesichts der hohen Kriminalität in Südafrika mit einer Pistole unter dem Kissen geschlafen. "Ich dachte, jemand wäre in mein Haus eingedrungen und ich war zu ängstlich, das Licht anzumachen." Er habe gedacht, seine Freundin liege noch neben ihm im Bett. Aus Angst, und um sich und seine Freundin zu schützen, habe er dann geschossen.

Erst später habe er gemerkt, dass Reeva im Bad gewesen sei. Mit einem Kricketschläger habe er die Badezimmertür eingeschlagen und seine Freundin, die noch lebte, auf dem Boden gefunden. "Sie starb in meinen Armen. Ich bin völlig niedergeschlagen."

Renommierte Juristen und Experten unterstützen Pistorius, unter anderem der Star-Anwalt Kenny Oldwage, der britische Medienberater Stuart Higgins und der südafrikanische Forensiker Reggie Perumal.

Zeitgleich zu der Verhandlung fand für Reeva Steenkamp in Port Elizabeth an der Südküste Südafrikas ein Gedenkgottesdienst statt. Steenkamp, die nach einer juristischen Ausbildung vor allem als Model und Fernsehstar ihr Geld verdient hatte, sollte in Anwesenheit der engeren Familie begraben werden.