Polizist Hilton Botha im Gericht in Pretoria, wo derzeit der Fall Pistorius verhandelt wird © Stephane de Sakutin/AFP/Reuters

Im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen den unter Mordverdacht stehenden südafrikanischen Sportler Oscar Pistorius gibt es überraschende Neuigkeiten. Die Polizei gab bekannt, dass der leitende Ermittler Hilton Botha des versuchten Mordes in sieben Fällen verdächtig ist.

Dabei geht es um einen Vorfall 2009, als der Polizeioffizier zusammen mit Kollegen auf einen Kleinbus mit sieben Insassen schoss, um ihn am Weiterfahren zu hindern. Es ging um die Suche nach Verdächtigen in einem Mordfall. Das Verfahren war zwischenzeitlich eingestellt worden, Anfang Februar aber wieder aufgenommen worden. Davon will die Polizei erst am Mittwoch erfahren haben.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte in einem Radiointerview, es wäre wohl besser, Botha vom Pistorius-Fall abzuziehen. Der Sprecher der Polizei der Provinz Gauteng, Neville Malila, betonte dagegen, es sei noch nichts entschieden. Botha selbst reagierte überrascht. "Ich verstehe nicht, warum der Fall wieder aufgenommen wurde", sagte er dem Fernsehsender eNCA. "Ich kann mir nur vorstellen, dass es etwas mit meiner Arbeit im Fall Oscar Pistorius zu tun hat."

Botha belastete Pistorius

Am Mittwoch, dem zweiten Tag der Kautionsverhandlung im Fall Pistorius, spielte Botha eine zentrale Rolle. Vor dem Magistratsgericht in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria wandte er sich wie die Staatsanwaltschaft entschieden gegen eine Freilassung des Sprinters auf Kaution. Detailliert berichtete er über die Erkenntnisse der Polizei und versuchte hierbei, Pistorius' Version des Tathergangs zu widerlegen.

Der 26-Jährige wird verdächtigt, seine Freundin, das Fotomodel Reeva Steenkamp, vor einer Woche wissentlich erschossen zu haben. Er selbst aber hatte erklärt, dies sei aus Versehen passiert; er habe sie für einen Einbrecher gehalten. Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft wies er "aufs Schärfste" zurück. "Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten", heißt es in einer Erklärung des Sportlers.

Dem widersprechen die Ermittler: Pistorius habe Steenkamp geplant und gezielt ermordet. Vor den tödlichen Schüssen habe es einen Streit zwischen dem Paar gegeben. Botha berichtete von Zeugen, die vor den Schüssen Licht im Haus von Pistorius gesehen und zudem "unablässiges Geschrei" und einen lautstarken Streit gehört haben wollen. Das widerspräche den Schilderungen von Pistorius, der von einem friedlichen Abend mit Steenkamp berichtet hatte.

Verteidiger führt Botha vor

Pistorius-Anwalt Barry Roux wiederum kritisierte angebliche Fehler und Versäumnisse der Polizei bei der Spurensicherung. So habe Botha bei der Erkundung des Tatorts keine Schuhüberzüge getragen. Der Polizist musste schließlich zugeben, dass es noch immer keine abschließenden Ergebnisse der Rechtsmediziner und Ballistiker gebe und dass er am Tatort keine Belege dafür gefunden hätte, die die Darstellungen von Pistorius direkt widerlegen.

Die Festnahme und die Ermittlungen gegen Pistorius haben weltweit Aufsehen erregt. Der Prothesenläufer – ihm fehlen beide Unterschenkel –ist der wohl bekannteste Paralympics-Teilnehmer der Geschichte. Er hat sechs paralympische Goldmedaillen gewonnen und zahlreiche Weltrekorde aufgestellt. Zudem nahm er als erster Sportler mit Handicap an regulären Olympischen Spielen teil. 2012 erreichte er in London auf seinen Hightech-Karbon-Prothesen im 400-Meter-Lauf der Männer das Halbfinale.