SchneesturmNemo verschont New York

Nach Hurrikan Sandy im Oktober hatten die Menschen an der US-Ostküste nun mit dem Schneesturm Nemo zu kämpfen. New York kam aber glimpflich davon. von 

New Yorker genießen den Schnee im Central Park nach dem Blizzard Nemo.

New Yorker genießen den Schnee im Central Park nach dem Blizzard Nemo.  |  ©Christina Horsten/dpa

Nach Panik sieht es hier nicht aus. Die Home-Depot-Filiale an der 23. Straße in Manhattan ist am Freitagnachmittag fast gähnend leer. Der große Ansturm scheint ausgeblieben zu sein. Immerhin, so Frank Capozza, der hier die Kunden begrüßt, sei nebenan die Filiale von Pret-a-manger geschlossen: "Das ist schon außergewöhnlich." Draußen vor der Tür ist der Nieselregen, der den ganzen Tag über vom Himmel fiel, inzwischen zu Schnee geworden.

Die Leute kämen, um aufzustocken, vor allem Schneeschippen, Streusalz, Eiskratzer für das Auto, erzählt Frank Capozza. New Yorker seien zwar grundsätzlich gelassen, sie hätten diese "zeig mir erst mal, was du zu bieten hast"-Mentalität. Allerdings, glaubt er, habe sich das seit Sandy ein bisschen geändert. Damals hätten viele die Warnungen ignoriert. "Und dann traf es uns knüppeldick." Die Erinnerung an die Tage nach dem Sturm im Oktober, als Zehntausende in der Stadt ohne Strom waren und die Südspitze der Insel dunkel blieb, sind noch wach.

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Jetzt also Nemo. Die Vorhersagen sprachen von 25 bis 50 Zentimeter Schnee in New York. Meteorologen warnten im Vorfeld vor überfluteten Küstenstreifen, stark eingeschränkter Sicht, Stromausfällen und Gewittern. Nicht ungewöhnlich sei die Kombination aus mehreren Strömungen, die dann vor der Küste zu einem Tiefdruckgebiet zusammenkommen, beruhigt Meteorologe Glenn Field vom National Weather Service. Die Ostküste des Landes erlebe jedes Jahr mehrere Stürme dieser Art. Mit Klimawandel habe das nichts zu tun. "Ungewöhnlich ist allerdings die besonders hohe Feuchtigkeit, die damit einhergeht." Vorsicht sei geboten.

Die Schneeschippen finden sich bei Home Depot in der Nähe des Ausgangs, doch am Abend sind noch immer zahlreiche übrig. Kevin Harris hat eine davon unter dem Arm stecken und eilt zur Kasse. Harris ist Hausmeister in einem Gebäudekomplex an der Upper East Side. Er stellt sich auf eine lange Nacht ein. "Zu Hause werde ich heute Nacht jedenfalls nicht schlafen", sagt er. Und hat zur Sicherheit auch Hühnersuppe gekauft. "Um warm zu bleiben."

"Gib dem Lieferanten eine Umarmung"

Richtig ernst nehmen Nemo dennoch nur wenige. Die beliebten Lieferdienstportale, über die New Yorker ihr Essen bekommen, nutzen den Sturm für die Eigenwerbung und bitten die Nutzer um Geduld bei der Lieferung. "Mach es dir trotz Sturm gemütlich – und lass dir das Essen liefern", heißt es in einer E-Mail des Lieferdienstes Seamless. "Bleibt sicher, warm und gebt dem Lieferanten eine dicke Umarmung (oder zumindest ein nettes Trinkgeld)", schreibt Wettbewerber Grubhub. New York hat sich auf einen Abend zu Hause eingestellt.

Vor der Tür sind an diesem Abend vor allem die Räumfahrzeuge im Einsatz. Bürgermeister Michael Bloomberg will auf Nummer sicher gehen und hat rechtzeitig aufgerüstet. 2010 musste sich das Stadtoberhaupt scharfe Kritik anhören, als ein Blizzard viele Teile der Stadt lahmlegte und die Stadt zu spät reagierte. Die Straßen in entlegenen Bezirken in Brooklyn waren über Wochen unter meterhohen Schneedecken begraben.

Leserkommentare
  1. Wieder mal ausgeblieben - die erhoffte Katatstrophe! Aber immerhin "ein Atomreaktor fuhr herunter" - da läuft´s dem Deutschen schauerlich den Rücken runter.
    Aber was soll mn auch sonst schreiben!

    Eine Leserempfehlung
  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au

    • Kakiss4
    • 10. Februar 2013 14:31 Uhr

    Wenn man recht überlegt :
    "Niemand" verschont New York ;)

    Aber schön dass den Menschen eine Katastrophe ausgeblieben ist.

  3. "Die Suppenküche ist die größte der Stadt, 29.000 Menschen werden hier pro Jahr mit Essen versorgt, weil das eigene Einkommen für keine regelmäßige Mahlzeit reicht oder es kein Zuhause gibt, wo sie warmes Essen zubereiten können."
    Eine Stadt und ein Land zum Schämen - aber das trifft ebenso auf uns zu.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Blizzard | Essen | Michael Bloomberg | Schnee | New York | Boston
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